Dienstag, 7. April 2026

Marvel Events: Civil War (Panini)

Marvel Events: Civil War (Panini)

Dieser Sammelband enthält die US-Hefte Civil War #1-#7

Die letzten Wochen waren für die Superheld*innen der Erde nur schwer zu verdauen. Manhattan wurde Opfer einiger Racheangriffe, die auf Nick Furys geheime Aktionen während des Secret War zurückzuführen sind. An anderer Stelle, nämlich in Las Vegas, starben bei einem erneuten Amoklauf des Hulks über zwanzig Menschen und der Hass auf die Mutant*innen ist so groß wie schon lange nicht mehr. Dies wiederum hat zur Folge das die letzten, nur knapp 200 überlebenden Mutant*innen, einen unausgesprochenem Hausarrest unterliegen und pausenlos von Sentinels bewacht werden. Hinzu kommt noch, dass Thor die Erde verlassen hat und noch Niemand kann ahnend, was der Grund dafür ist. Derartig geschwächt könnte die Superheld*innengemeinschaft viel Glück und vor allem Zusammenhalt gebrauchen. Doch dann tritt ein unerfahrenes und übermütiges Superheld*innenteam auf den Plan. Um zu Reality-TV Stars zu werden versuchen sie mit einem Filmteam im Schlepptau, ein für sie viel zu starkes Schurk*innenteam zu bekämpfen. Dabei kommen durch einen dummen Unfall viele Kinder ums Leben, was die Regierung endgültig dazu bringt sich ernsthaft mit Gesetzen bezüglich Superheld*innenaktivitäten zu beschäftigen.
Mark Millers (Nemesis) Marvel Megaevent, der mit sieben Essentiellen Heften, sowie über 100 Tie-Ins aller anderen Marvel Reihen, abgesehen von Hulk, da der gerade auf einem weit entfernten Planeten sein Unwesen trieb (siehe: Planet Hulk) wohl einer der größten Comicevents und auch einer der erfolgreichsten war, beginnt genau an dieser Stelle. Die Regierung entwickelt den Plan eines Superheld*innenregistrierungsprogramms. Jede*r maskierte Vigilant*in soll sich registrieren lassen. Darauf folgt eine staatliche Ausbildung, ein staatlicher gezahlter Sold und eine alltägliche Arbeit für die Nation. Dazu muss man allerdings auch ganz offiziell seine Geheimidentität offenlegen. Für viele kommt dies keinesfalls in Frage, doch wer trotzdem auf illegale Weise das Böse bekämpfen möchte, wird fortan von Iron Man, den Fantastischen Vier und allen anderen Registrierten, sowie speziellen S.H.I.E.L.D. Teams gejagt und in die Negativzone verbannt. Dem entgegen stehen Captain America, die Young Avengers, Daredevil und viele Andere, die ihre Identität nicht preisgeben möchten oder können. Sie gehen in den Untergrund, wo sie von Nick Fury unterstützt werden und ohne staatliche Erlaubnis das Böse bekämpfen.

Darauf folgt natürlich eine Klopperei nach der nächsten und nur zu schnell wird klar, dass Millar nur einen Vorwand gesucht hat um das beliebte Event Gimmick der kämpfenden Held*innen ranzuholen. Sieht man darüber allerdings hinweg ist die Prämisse von „Civil War“ schon ziemlich cool. Gerade in Anbetracht der Entwicklungen in den USA nach dem 11. September und den vielen daraufhin verabschiedeten Gesetzen, die teilweise so manche Grenze überschritten haben, wirkt dieser Event heute als interessante Zeitkapsel.

Leider versäumt Millar die Leser*innen selbst entscheiden zu lassen auf wessen Seite sie stehen. Einerseits versucht er zuerst so zu tun als hätten beide Lager gute Argumente, aber schon nach wenigen Seiten rutscht die staatliche Partei immer mehr ab und zeigt sehr schnell faschistische und polizeistaatliche Tendenzen. Noch blöder wird diese zu plumpe Darstellung des Problems durch das Ende, dass irgendwie ziemlich gegen die Marschrichtung der Sache geht. Ziemlich inkonsequent und am Ende nur so geschrieben damit die Lesenden auch ja keine eigene Meinung entwickeln müssen oder sich nach dem Genuss ihrer allwöchentlichen 22 Seiten noch länger Gedanken zu machen haben. Wäre es die Aufgabe der Konsumierenden an dieser Stelle selbst zu entscheiden was richtig und was falsch ist, könnte man so manchen zu simpel gestrickten Teil dieses Events so durchgehen lassen. Auf diese Weise bleiben nur sehr viele spannende Ansätze und ein ansonsten zu sehr Testosteron aufgeblasener Event, der uns seichtes als intelligent verkauft. Ein wiederkehrendes Thema bei Millar. Hinzu kommt noch ein meist unpassender und aufgesetzter Humor, ein paar recht bemühte Wendungen und ein zu großer Helden-Roster mit dem der Autor nur selten was anzufangen weiß, was wiederum zu einigen Szenen führt, in denen die Figuren sich wider ihrer Natur benehmen. Als Event an sich ganz unterhaltsam, aber leider nicht annähernd so gut und vor allem Tiefsinnig und Gedanken anregend wie es sein könnte.

Zeichner Steve McNiven beherrscht den modernen, sehr cineastisch gelagerten Marvel Stil ziemlich perfekt. Trotzdem gelingen ihm dieses mal nicht alle großen Actionsequenzen problemlos. Während der erste Kampf des Captains hier noch richtig gut beweist was er drauf hat, wird es im Verlauf der Reihe ein paar mal schwierig dem Trubel richtig zu folgen. Auch in Punkto Mimik schleichen sich einige unfreiwillig komische Blicke rein und insgesamt versucht er zu sehr alles zu jeder Zeit bombastisch aussehen zu lassen. Gerade wenn eine leise Szene dramaturgisch anstehen sollte steht dies einer dichteren Atmosphäre gerne mal im Wege. Wer aber die Story so wie sie ist mag, wird sich auch an dem Artwork erfreuen können. Letztlich passt beides nämlich gut zusammen.

Die gesamte Hauptreihe des Events erschien nun auch mit etwas Bonusmaterial wie Hintergrundinfos und einer Covergalerie als Teil von Paninis neuer "Marvel Events" Reihe.

6 von 10 zermatschte Asen