Sonntag, 23. März 2025

Scanners - Ihre Gedanken können töten (1981) [Plaion]

Scanners - Ihre Gedanken können töten (1981) [Plaion]

Cameron Vale (Stephen Lack) ist obdachlos, ernährt sich von den Resten im Müll und ist auch ansonsten völlig am Ende. Am stärksten machen ihm jedoch die Stimmen in seinem Kopf zu schaffen. Als dazu auch noch ein paar schicke Damen über ihn lästern, verliert er die Kontrolle über sich und nutzt seine mysteriöse Macht gegen sie. Telepathisch setzt er einer der Frauen ordentlich zu, wird jedoch verfolgt und schließlich von Mitarbeiter*innen eines Pharmakonzerns gefangen. Dort eingesperrt erfährt er, dass er ein sogenannter Scanner ist, ein Mensch mit der Fähigkeit, den Geist anderer Menschen zu beeinflussen. Die meisten anderen Scanner sind seit einiger Zeit verschwunden. Verantwortlich dafür ist wohl der mächtige Scanner Darryl Revok (Michael Ironside), auf den die Organisation nun Cameron ansetzt. Cameron kommt Darryl immer wieder sehr nahe, wird am Ende jedoch immer wieder abgeschüttelt oder attackiert, bis es zum unausweichlichen Finale kommt.

Der kanadische Ausnahmeregisseur David Cronenberg hat schon seit vielen Jahren einen großen Platz in meinem Herzen. Angefangen hatte es bei mir mit „Die Fliege“ (1986) in dem Jeff Goldblum munter umhersummte. Kurz darauf erlebte ich auch „Videodrome“ (1983) und „Naked Lunch“ (1991), zwei der, meiner Meinung nach, bis heute abgefahrensten, kommerziellen Filme überhaupt. Zwar konnte mich Cronenberg seitdem nie wieder so begeistern wie durch seine Arbeiten bis 1991. Umso mehr liebe ich seine frühen Kunstwerke. Unter ihnen sticht wohl „Scanners“ besonders heraus und das wohl vor allem wegen seiner Geradlinigkeit. „Parasiten-Mörder“ (1975), „Rabid - Der brüllende Tod“ (1977) und „Die Brut“ (1979) waren noch sehr rohe Filme, die optisch durch nahegehende Gewaltdarstellung den Begriff des Body-Horrors definierten und zeitgleich sehr philosophisch, psycho-sexuelle, politische Werke darstellten. Irgendwo ist all das, sehr versteckt auch in „Scanners“ zu finden. Die zwischen Freud, Kant und Foucault wechselnden Metaebenen sind uneindeutiger und wohl vor allem nicht so richtig beabsichtigt. Stattdessen handelt es sich viel mehr um einen Agent*innen/Verschwörungs-Thriller mit sehr starken Horror und Science-Fiction Anleihen. Zwar kann auch hier vieles hineininterpretiert werden, da Cronenberg selbst meist erst am Drehtag das Drehbuch für die zu drehenden Szenen fertigstellte – „Scanners“ war ein sehr spontanes Projekt um in letzter Minute möglichst viele Steuerfördermittel abzugreifen – steckt hinter all dem hier wohl nur wenig System und Absicht.

Das zeigt sich am meisten in der Story, die immer wieder starke Tempoprobleme hat. Die meiste Zeit handelt es sich um einen sehr langsamen, dabei aber wenig spannend inszenierten Dialogfilm, der regelmäßig von überfallartigen Actionszenen unterbrochen wird. Gerahmt wird das Ganze von zwei äußerst effektiven Effektszenen. Dafür verantwortlich war Chris Walas (Gremlins – Kleine Monster, 1984), der durch den explodierenden Kopf wohl einen der meist besprochenen Specialeffects überhaupt kreierte. Ein wenig gerät dadurch jedoch das ebenso blutig und verstörend inszenierte Finale in Vergessenheit. Auch hier sind fabelhafte Make-Up Effekte zu sehen, die heute, selbst in HD und nun auch UHD nach all den Jahren noch verblüffend echt und glaubwürdig aussehen.

Atmosphärisch sorgen die kargen, verlassenen Drehorte allerdings für viel mehr Dichte als der dargestellte Splatter - vor allem kombiniert mit dem wahrlich erdrückenden Soundtrack des dreifachen Oscargewinners Howard Shore (Der Herr der Ringe: Die Gefährten, 2001). Drehorte, Effekte und Musik bilden also die Highlights des Films und schaffen es somit, die sehr schwankenden schauspielerischen Fähigkeiten etwas in den Hintergrund treten zu lassen. Lichtblicke sind hierbei Michael Ironside (Starship Troopers, 1997) und Patrick McGoohan (Nummer 6, 1967), die ihre Sache sehr gut machen.

Ein sehr stringent und wenig ausgeschmückter Agent*innenthriller im Genregewand, der nur funktioniert, wenn die Zuschauer*innen über keinen der Plotpunkte länger nachdenken. Das hastig kurz vor und während der Dreharbeiten geschriebene Skript ist löchriger als ein Schweizer Käse und zu allem übel hat der Film auch noch seine Längen. Letztlich sollte ich „Scanners“ aufgrund seiner Mangel wohl weniger mögen als ich es tue, dennoch kann die Atmosphäre und die Kälte des winterlichen Kanadas gepaart mit dem ausgezeichneten Soundtrack mich immer wieder einfangen. Allein die Effekte und einige der kunstvollen Requisiten sind eine Sichtung wert.

Plaions Scanners Trilogie Box ist größtenteils Deckungsgleich mit der Wicked Vision Veröffentlichung. Exklusiv nur in diesem neuen Release bekommt ihr den Kultklassiker erstmals in 4K. Das Bild ist insgesamt schon besser in UHD, ist aber stellenweise etwas unruhig und ob ausgerechnet "Scanners" ein Film ist, der durch eine höhere Auflösung besser wird sei dahingestellt. Auf der UHD Blu-ray bekommt ihr als Bonus einen Audiokommentar von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, einen mit Dr. Rolf Giesen & Gerd Naumann, außerdem noch einen mit Prof. William Beard. Ebenso eine Tonspur mit der Isolierten Musik und den Effekten. Die Box enthält zudem eine deckungsgleiche Blu-ray Disc, aber auch noch eine Bonus Blu-ray. Darauf befinden sich zwei Featuerettes, acht Interviews, zwei Q&A Runden, sowie Trailer, Spots und die zum Film gehörige Trailers From Hell Episode. Auf zwei weiteren Discs sind zu guter Letzt noch Teil 2 und drei der Scanners Trilogie zu finden.

7,4 von 10 tropfende Telefone