Sonntag, 15. Februar 2026

Ame & Yuki – Die Wolfskinder (2012) [Plaion]

Ame & Yuki – Die Wolfskinder (2012) [Plaion]

Yuki (Haru Kuroki) erzählt ihre Geschichte, denn sie ist eine ganz besondere junge Frau. Einst, als ihre Mutter Hana (Aoi Miyazaki) noch eine junge Studentin war, lernte sie in der Uni einen ruhigen und smarten Mann kennen. Was sie damals aber noch nicht wusste ist, dass er ein Wolfmann war. Die Beiden verliebten sich ineinander und bekamen bald ihr erstes Kind Yuki, benannt nach dem verschneiten Tag an dem sie zur Welt kam. Ein Jahr später wurde ihr kleiner Bruder Ame (Yukito Nishii) geboren, der wiederum nach dem verregneten Tag benannt wurde an dem er geboren wurde. Kurz danach verstarb ihr Vater und Hana musste alleine versuchen die Kinder groß zu ziehen. Nachdem das Leben für sie in der Stadt immer schwerer wurde, schließlich kann man zwei Wolfskinder nicht ewig verstecken, zogen sie aufs Land. Dort begann Hana Gemüse anzubauen und langsam Freundschaften mit den Dorfbewohner*innen zu schließen. Auch die Kinder konnten dort ihre animalische Seite ausleben, ohne angst zu haben sobald entdeckt zu werden. Doch während Yuki aufbrausend und wild war, war ihr kleiner Bruder Ame schüchtern und zurückhaltend. Über die Jahre kam es dann aber anders als man zuerst denken sollte. Immer mehr stellt sich heraus, dass Yuki ein Leben in der Menschenwelt anstrebt, während Ame sich immer mehr in den nahegelegenen Wald zurück zieht.

Die Erwartungen an Regisseur Mamoru Hosoda waren 2012 ziemlich hoch. Schließlich hatte er mit seinen vorherigen beiden Kinofilmen “Das Mädchen, das durch die Zeit sprang” und “Summer Wars” die Latte ziemlich hochgelegt, aber in manchen Punkten konnte er hier noch eine Schippe drauflegen. Im Großen und Ganzen ist sein Märchen über die beiden Wolfskinder nämlich sein  bis dato rundester Film gewesen, wenn auch nicht mein liebster. Die Handlung ist wohl durchdacht und dramaturgisch großartig strukturiert. Es kommt zu keiner Zeit Langeweile auf und leichtfüßige Abenteuer Elemente koalieren mit auf dem Boden gebliebenen und sehr gut mitzufühlendem Drama. So bekommt man hier ein abenteuerliches Märchen, eine Geschichte über das einfache Leben auf dem japanischen Land, das dramatische Leben von Hana und ihre Angst davor etwas bei der Erziehung ihrer kleinen Falsch zu machen und oben drauf noch gleich zwei vollkommen unterschiedliche Coming of Age Handlungen. So vielschichtig und emotional die Handlung auch angelegt ist, muss ich zwar objektiv von meisterhafter Erzählkunst sprechen, mich selbst hat sein Zeitreise Drama allerdings mehr packen können.

Die Figuren sind allerdings extrem süß und gerade Yuki wächst einem sofort ans Herz mit ihrer vollkommen überdrehten und drolligen Art. Ame ist da schon viel mehr ein verschlossener Charakter. Letztendlich aber auch der interessantere. Gerade seine langsame Abkehr von der menschlichen Zivilisation wird gerade zu Beginn nur dezent und langsam angedeutet. Hosoda hat für den kleinen Wolfsjungen jedenfalls einige sehr feinfühlige, clevere Charaktermomente geschrieben.

Speziell in der Optik wird klar wie viel Arbeit und Feingefühl der Regisseur in seine Werke steckt. Abgesehen von einer Unterwasser 3D Szene sind die Animationen und Designs durchgehend in fast perfekter Qualität zu sehen. Da gibt es absolut nichts zu meckern. Charaktere und Hintergründe sehen fantastisch aus und ganz besonders bei der Verwandlung zu den Wolfsmenschen wird offensichtlich wie geschmeidig und selbst bei den filigransten Bewegungen noch unheimlich gut die Animationen geraten sind. Artistisch steckt der Film auch voller toller Ideen, auch hier sind wieder die Verwandlungsszenen zu nennen. Trotzdem bietet “Summer Wars” für die Augen mehr abgefahrene Spielereien, aber auf so was kann man ja auch mal verzichten.

Nicht minder gut, sind die ruhigen Momente geraten, die oftmals durch fantastische Naturzeichnungen begeistern. Egal ob Flora oder Fauna, beides wird immer wieder ins rechte Bild gerückt. Ohne Frage Hosodas bisher ghiblieskeste Werk. Untermalt wird der Film zudem noch mit einem anspruchsvollen und durchgängig begeisternden klassischen Score. Ich bin vollkommen zufrieden und wurde ausgezeichnet unterhalten. Vermutlich der beste Anime des Jahres.

Die Blu-ray Neuveröffentlichung von KSM Anime kommt als Digipack im netten Pappschuber und mit drei hübschen Karten. Leider hat die Disc bis auf Teaser und Trailer keine Extras parat. Falls ihr also auf die Karten verzichten könnt, müsst ihr eure Kazé Blu-ray, die mit einigen Extras und einem Audiokommentar kam, nicht mit diesem neuen Release ersetzen. Es gibt allerdings bei KSM auch eine 4K Version, die vielleicht etwas verlockender wäre.

8,9 von 10 gesammelte Kleintiere