Samstag, 16. Juli 2016

Lara Croft und die Artefakte des Bösen (Dani Books)

Lara Croft und die Artefakte des Bösen (Dani Books)

Drei urzeitliche Elfenbeinrelikte von denen eines bis zu seinem mysteriösen Verschwinden im Britischen Museum in London aufbewahrt wurde, scheinen ein unerklärliches Eigenleben zu entwickeln. In ihnen wohnt eine dunkle Macht, der es möglich ist Besitz von menschlichen Körpern zu ergreifen, um sie zu seinen dämonischen Zwecken zu nutzen.

Gemeinsam mit ihrem alten Kollegen Carter Bell muss Lara so schnell wie möglich den Ursprung dieser antiken Bedrohung herausbekommen. Die Spuren führen Sie dabei zu den Aufbewahrungsorten der andren Relikte. Diese sollen den alten Legenden nach aus den Hörner einer Kreatur gefertigt worden sein, die vor Äonen zu einem monsterhaften Wesen, halb Mensch, halb Geist gehört haben. Das Wesen, dessen Essenz in den Artefakten überlebt zu haben scheint, trachtet nun danach die Steine wieder zusammen zu setzen und die Zerstörung der gesamten Zivilisation herbei zu führen.

Der Sammelband umfasst die 5 englischen Ausgaben der „The Frozen Omen“-Reihe, die erstmals bei Dark Horse Comics verlegt wurde und jetzt von Dani Books in deutscher Sprache hergebracht werden. Die Erzählung platziert sich hierbei meines Wissens nach im Lara Croft Universum vor dem Reboot, der durch das 2013 veröffentliche Videospiel „Tomb Raider“ eingeleitet wurde.
Ich bin kein Tomb Raider Experte aber im Hinblick auf die Geschichte empfinde ich die stark übernatürlich geprägte Handlung als etwas befremdlich, auch wenn in der Serie häufig nah an der Grenze zur Glaubwürdigkeit geklettert wurde, sind die „Artefakte des Bösen“ einen kleinen Schritt zu weit über die Klippen hinausgegangen. Die hier mit wenigen (oder keinen) Fehlern und Facetten dargestellte Lara Croft (eben jene aus dem „alten“ Universum) stellt sich mühelos und ohne jedes Anzeichen von menschlicher Schwäche einem Jahrhunderte alten Teufel entgegen der nicht weniger als die Vernichtung der Menschheit anstrebt. Was in einem Videospiel nach einer actionreichen Herausforderung klingen würde, liest sich als Comic meiner Meinung nach zu superheldinnenhaft und lässt vermuten, dass die Repräsentation der Franchise mehr im Vordergrund stand als eine emotionale und spannende Erzählung. Diese These wird auch davon getragen, dass unsere Protagonistin in jedem Panel, zu jeder Zeit und an jedem beliebigen Ort immer ihr bekanntes Kostüm (petrolfarbenes Top und Abenteuerinnen-Shorts) trägt und dieses selbst bei ihrer Büroarbeit nicht wechselt.
Die künstlerische Gestaltung von Randy Green, Carmen Carnero und Robert Atkins ist allerdings gut gelungen und bietet eine ansehnliche Palette von stimmungsabhängigen Farben und Schattierungen. Diese gehen von hellen karibischen Meerespanoramen bis zu düsteren vom Feuer erleuchteten Höhlen.

Das aus der Figur Lara Croft mehr zu machen ist als eine starke, schießwütige Archäologin ist uns seit dem Reboot wohl bekannt. Leider belässt es der Comic bei seiner stereotypen Darstellung der Protagonistin, die sich auf Kosten der Glaubwürdigkeit, mal eben mit einem teufelsähnlichen Monster anlegt und dabei so blass bleibt, wie die Elfenbeinartefakte nach denen Sie jagt.


6.0 von 10 Jägerinnen der verlorenen Franchise

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