Freitag, 17. Juli 2020

Tales That Witness Madness (1973) [Wicked Vision]

Tales That Witness Madness (1973) [Wicked Vision]

Dr. Tremayne (Donald Pleasence) ist Psychologe in einer Anstalt. Er möchte seinem Kollegen Dr. Nicholas (Jack Hawkins) vier seiner besonders schwer zu fassenden Fälle zeigen. Da wäre die Geschichte des kleinen Pauls (Russell Lewis). Seine Eltern (Georgia Brown & Donald Houston) sind mehr mit ständigen Streitereien beschäftigt als mit ihrem Sohn. Kein Wunder also, dass Paul sich bald einen imaginären Freund Namens Mr. Tiger ausdenkt. Nur scheint dieser Herr nicht ganz ausgedacht...


Des weiteren erlebt der Antiquitätenhändler Timothy (Peter McEnery) ein Zeitreiseabenteuer mit Onkel Albert (Frank Forsyth) und seinem alten Hochrad. Außerdem werden wir Zeug*innen eines Ehedramas mit Baum und eine Mutter (Kim Novak) bekommt bei einem Luau mehr auf den Teller als sie seelisch verkraften kann.

„Tales That Witness Madness“ auf deutsch „Geschichten, die zum Wahnsinn führen“ ist eine kleine, aber feine, Horrorfilmanthologie. Sicherlich gibt es nur wenige Superlative, die sich bemühen lassen, um den Film zu beschreiben. Viel eher würden sich die einzelnen Episoden gut in eine TV-Serie wie „Hammer House of Horror“ (1980) einreihen. Für die große Leinwand ist der Stoff hier jedenfalls nichts. Im Heimkino für etwas angestaubte, aber charakterstarke, Filmchen ist er eine gute Wahl für einen ruhigen Nachmittag auf der Couch.

„Mr. Tiger“ ist ein kurzes, sehr voraussehbares Segment, aber allein wegen der lustigen Tiger Handpuppe die Sichtung wert. Schon hier wird recht deutlich, wie günstig Regisseur Freddie Francis (Die tödlichen Bienen, 1966) hier drehen musste. Die Sets sind sehr eng, viele Einstellung werden frontal gefilmt und Außenaufnahmen sind in allen Episoden sehr selten, wenn überhaupt vorhanden. All dass verstärkt den TV-Charakter des Filmes noch zusätzlich. In einigen Momenten ist dennoch zu bemerken, wie gut Francis vor allem als Kameramann wirklich ist, wie er ja unter anderem mit „Der Elefantenmensch“ (1980) bewiesen hat.

Erst in der zweiten Episode „Penny Farthing“ wurde mir klar, worauf ich mich hier eingelassen habe. Höhepunkt ist klar Frank Forsyth (Draculas Rückkehr, 1968) als Onkel Albert. Entweder steht er dafür in einer entstellten Gummimaske vor der Kamera oder er mimt den alten Mann im Bild und guckt ganz verdächtig. Toll auch das Hochrad, das offensichtlich eine Ehrerbietung an H. G. Wells Zeitmaschine darstellt. Auch diese Geschichte verfügt nicht über den besten finalen Kniff, ist etwas zu voraussehbar und wie bei den anderen Geschichten fehlt es an richtigen Gruselelementen. Schlecht ist dieses Segment jedoch nicht.

Die Eskalation folgt auf dem Fuße. „Mel“ heißt die Geschichte und zeigt Brian (Michael Jayston), der als etwas exzentrischer Künstler wohl ständig Müll aus dem Wald anschleppt um daraus etwas zu basteln. Diesmal ist es ein alter Baumstumpf Namens Mel. Seine Frau Bella (Joan Collins) ist genervt, aber offensichtlich auch Kummer gewohnt. Anstatt sich noch länger über den Dreck im Wohnzimmer aufzuregen, macht sie Kaffee und wartet auf ihren Mann. Hier wurde mir auch erstmals klar, welch zentrale Rolle Beziehungsprobleme in diesem Film eigentlich spielen und wie Autorin Jennifer Jayne (ihr einziger weiterer Writing Credit ist bei bizarren Horrorkomödie „Son of Dracula“ (1973) mit Ringo Starr vermerkt) diese Art von Problem gerne mit Kaffee kochen und trinken löst. Letztlich entwickelt sich das ganze zu einem düster humorigen Beziehungsdrama, das irgendwo zwischen dämlich und herrlich köstlich einzuordnen ist. Es gibt ein paar gute Lacher, lustige Effektarbeit und Joan Collins (In der Gewalt der Riesenameisen, 1977) ist hier auch in guter Form.

Den Abschluss macht die wohl ernsthafteste Geschichte, „Luau“, in die auch der Großteil des Budgets und Francis Aufmerksamkeit geflossen ist. In einer der Hauptrollen findet sich Kim Novak (Vertigo - Aus dem Reich der Toten, 1958) wieder und die Sets sind aufwendiger gestaltet als die übrigen. Zudem gibt es hier auch einige etwas komplexere Außenszenen.

Zwei Dinge hier fallen im direkten Vergleich zu aktuellen Horroranthologien vor allem positiv auf. Mittlerweile ist es nur noch selten üblich, dass sich ein Team um mehr als nur ein Segment eines solchen Filmes kümmert, und auch eine Rahmenhandlung, die alle Geschichten stimmig vereint, ist Seltenheit geworden. In diesem Fall führen Donald Pleasence (Halloween - Die Nacht des Grauens, 1978) und Jack Hawkins (Ben Hur, 1959) durchs Geschehen. Hawkins, dessen Kehlkopfkrebs kurz zuvor zurückgekommen war, verlor seine Stimme und musste synchronisiert werden. Er starb noch bevor der Film in die Kinos kam. Trotzdem ist es schön, die beiden zusammen zu sehen und auch hier gibt es final eine kleine Überraschung, die die meisten wohl schon lange erahnt haben.

„Tales That Witness Madness“ ist ein kleiner Episodenfilm der unterhaltsamen Art. Der Humor ist teilweise sehr abstrus und die Geschichten sollten nie zu ernst genommen werden. Wer sich aber auf den Film einlässt, kann eine gute Zeit mit ihm haben.

6 von 10 Dreiastbeziehungen