Freitag, 24. Juli 2026

Kalenderwoche 29 2026: Mörderische Hosen, versteckspielen im Eis, eine Coladose am Strand & Räumungsverkauf!

Kalenderwoche 29 2026: Mörderische Hosen, versteckspielen im Eis, eine Coladose am Strand & Räumungsverkauf!


Slaxx (2020)

Hosenhorror! Ein wichtiges Genre! Der Rachegeist einer indischen Kinderarbeiterin beseelt eine hippe, angebliche Fairtrade, Öko und sonstwas Jeans und sorgt für einige Tode auf einer Releaseparty. Die Hoseneffekte sind gut gemacht mit einigen Greenscreen Tricks und einigen Puppenspielereien. Das funktioniert sogar so gut, das man es hier geschafft hat der Hose einen glaubhaften Charakter zu erarbeiten. Der satirische Teil ist meist relativ plump und frühstückt alle Gags ab die man hier erwarten würde. Schlecht ist der Film dadurch aber trotzdem nicht, denn auch wenn die Konsumkritik hier recht stumpf ist, trifft sie dennoch den Punkt der Sache. Ein netter kleiner Horrorfilm mit einigen netten Momenten. Sehr kurzweilig.


The Bedford Incident (1965)

Militär- / U-Bootdrama von James B. Harris (Paths of Glory, 1957) mit einer unglaublich guten Leistung von Richard Widmark (Das Urteil von Nürnberg, 1961), der hier eine kalte Kriegsversion von Captain Ahab spielt, dessen Moby Dick ein russisches U-Boot vor der Küste Grönlands ist. Beklemmend und Intensiv gefilmt, ist dieses Kriegsdrama eine sehr gutes Pendant zu Kubriks „Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb“ (1964), nur eben ohne den Satirischen Teil. Stattdessen sehr trocken und düster erzählt. Am stärksten sind hier die sehr intensiven Dialoge zwischen Widmark und Sidney Poitier (In der Hitze der Nacht) und Eric Portman (One of Our Aircraft Is Missing, 1942). Ein starker Film, der wohl als erster auskommt Poitiers Rolle nicht zu rassifizieren, der damals schon Kritik an der NATO übt und es schafft ein beklemmendes Kriegsdrama zu sein, in dem es keinen Krieg gibt. Leider seitdem eher aktueller geworden.


Gamera gegen Zigra - Frankensteins Weltraumbestie schlägt zu (1971)

Eieieiei… Komplette Gurke, aber irgendwie trotzdem besser als die letzten Gamera Streifen. Diesmal also gegen einen Harnischwels aus dem All, der Hypnose beherrscht. Natürlich als Strafe für unsere Umweltverschmutzung. Die Kinderfiguren sind wohl schlimmer als je zuvor, aber die deutsche Synchro ist so dämlich das man es dann doch lieben muss. Und naja, wenn man Gamera Schabernack mag ist das hier auch nicht verkehrt. Jedenfalls mopst unsere liebste Schildkröte dem Vieh ein U-Boot unter den Flossen weg. Später spielt sie sogar Xylophon auf den Rückenfinnen des Biests. Der Rest ist aber leider entweder langweiliger Müll oder Stockfootage älterer Gamerafilme. Für die deutsche Vertonung lohnt sich dann ein halber Blick für Freund*innen des dusseligen Schabernacks.


Backrooms (2026)

Backrooms macht einiges richtig. Die Setdesigns sind toll. Einige der bekannteren Liminal Spaces Fotos werden detailgetreu nachgestellt und gerade in den Found Footage Momenten funktioniert auch der Horror ziemlich gut. Ein paar Dialoge schaffen es zudem relativ gut persönliche Traumata in den Symbolismus der Backrooms einzuweben. Am Ende interessierten mich die Charaktere aber nicht so richtig. Die Backrooms dafür umso mehr und es war schön dieses Konzept derart ausgearbeitet in einem Film zu sehen. Am Ende wird dann der Monsteranteil etwas zu groß. Ich mag meine Spaces eher ohne monströse Bedrohung, weil ich das Konzept auch ohne Monster gruselig und auch gruseliger finde. Außerdem fühlt sich der dritte Akt an, als hätte man einen dritten Akt vergessen.

Mittwoch, 15. Juli 2026

Kalenderwoche 28 2026: Miesepeterkäfer, falsche Würfel & Jungs die Gennaro heißen!

Kalenderwoche 28 2026: Miesepeterkäfer, falsche Würfel & Jungs die Gennaro heißen!

Der Super Mario Galaxy Film (2026) [Plaion]

Als würde man eine Stunde und 38 Minuten lang mit den Schlüsseln klimpern um ein Kleinkind zu bespaßen. Natürlich sind die Luma extrem süß, Yoshi hat ein paar sehr drollige Momente und Rosalinas Kampf im Intro ist cool. Mehr als das hat der Film letztlich nicht zu bieten. Alle weiteren Gags, Gastauftritte und Referenzen verschmelzen zu einem Zuckersüßen und Bunten Klumpen in dem selbst erwachsene nur noch schwer so etwas wie einen Handlungsstrang entdecken können. Der Fanservice ist gerade für alte Nerds nett, aber allem ist so zufällig zusammengewürfelt das es auch immer seelen- und sinnlos erscheint. Es wäre schön gewesen hätte man sich einfach nur auf einen fanfavorisierten Charakter wie Yoshi, Rosalina oder auch Bowser Jr. konzentriert und den Film davon handeln lassen. Letztlich sehen wir hier wie Kinder planlos ihre Action Fiuguren gegeneinanderprallen lassen bis endlich die Credits rollen.

Die UHD von Plaion hat überraschend viele Extras zu bieten, die sich dann aber doch alle nur als 
Werbeinterviews ohne jeglichen Informationsgehalt entpuppen.


Zatoichi – Der blinde Samurai (2003)

Takeshi Kitano (Battle Royale, 2000) versucht sich als Regisseur und Hauptdarsteller in einem Remake des japanischen Kultsamurai „Zatoichi“. Die Neuinterpretation behält zwar Ichis Kern bei, fügt dem ganzen aber blutigere Kämpfe, einiges an Slapstick und zusätzlich auch einige Musik- und Tanznummern hinzu. Das sollte auf dem ersten Blick eigentlich nicht funktionieren, tut es aber meist relativ gut. Kitano verkörpert Ichi sehr eindrücklich und macht ihn zu einem seiner Charaktere ohne die Essenz der Figur zu verfälschen. Thematisch handelt Kitanos Version von Täuschung, niemand ist wer er vorgibt es gibt immer noch einen letzten Twist der die Sicht umschwenken lässt und nur ein blinder Masseur kann die Wahrheit erkennen. Eine für Samurai Purist*innen vielleicht etwas zu gewagte Interpretation, aber insgesamt eine gelungene und vor allem eigenständige Version des Samurai Mythos.


Inventur – Metzstraße 11 (1975)

Želimir Žilnik stellt seine Kamera und ein Mikrofon ins Treppenhaus der Metzstraße 11 in München. Nun ist es Zeit für eine Inventur. Nacheinander lässt er alle Bewohner*innen des Hauses vor die Kameratreten. Die meisten der Bewohner*innen kommen ursprünglich nicht aus Deutschland. Die meisten sind Gastarbeiter*innen aus Italien, der Türkei, dem Ostblock oder Griechenland. Alle stellen sich kurz vor, sagen etwas über ihre Arbeitssituation, über ihre Finanzen, darüber wie es ihnen in Deutschland gefällt oder eben auch nicht. Ein Kurzfilm der eine perfekte Vorlage für eine soziologische Studie darstellt. Ein sehr kleiner, aber vielsagender Einblick in die Leben vieler Familien und eben auch die Inventur eines Hauses in München. Regisseur Želimir Žilnik ist ein wichtiger Filmemacher Serbiens, der vor allem immer wieder in Kurzdokumentationen auf soziale Probleme hinwies und ein scharfer Kritiker von staatlicher Zensur war. Er gilt wichtige Figur der Jugoslawischen schwarze Welle.

Usagi Yojimbo #28 – Der Rote Skorpion (Dantes Verlag)

Usagi Yojimbo #28 – Der Rote Skorpion (Dantes Verlag)

Immer auf der Reise durchs feudale Japan stolpert unser heldenhafte Hase auch diesmal wieder in so manche brenzlige Situation. Ein alter Trommelbauer muss schnellsten sein Meisterwerk fertigstellen, denn nur wenn die Götter durch seine Trommel geehert werden, schenken sie den Menschen Regen, der dringend für die Reissaat benötigt wird. Allerdings werden die Einwohner*innen des Dorfes von der Bande des Roten Skorpions ausgenommen und mit dem Leben bedroht.

Donnerstag, 9. Juli 2026

Kalenderwoche 27 2026: Schlussfolgerungen, Riesenkaulquappen, brotlose Kunst, bellende Hunde & Trashman!

Kalenderwoche 27 2026: Schlussfolgerungen, Riesenkaulquappen, brotlose Kunst, bellende Hunde & Trashman!

Der verkehrte Sherlock Holmes (1971) [Plaion]

Seit dem Tod seiner Frau hält Justin Playfair (George C. Scott) sich für den genialen Privatdetektiv Sherlock Holmes. Psychologin Mildred Watson (Joanne Woodward) soll seinen Wahn attestieren. Stattdessen lässt sie sich von dem charismatischen Mann mitreißen und betritt mit ihm eine spannende Welt, in der hinter jeder Ecke der üble Professor Moriarty lauern könnte. Wunderschön schrullige Krimi-Groteske die sich recht erfolgreich von Situationskomik zu Situationskomik hangelt. Vor allem sind es die vielen kauzigen Nebenfiguren und der sehr spielfreudige Scott (Der Exorzist III, 1990), die den Film so sehenswert machen. Aus heutiger Sicht fehlt es dem ganzen vielleicht ein wenig an Schauwerten und manches ist etwas zu träge inszeniert. So passt der Film doch eher in die späten Sechzigerjahre als in die Siebziger, unterhaltsam ist er meist aber dennoch. Und am Ende sind es einige bittersüße Charakterinteraktionen die den Film auch Heute noch sehr liebenswürdig erscheinen lassen.

Explosive Media bringt diesen kleinen Klassiker über Plaion erstmals in HD auf Blu-ray heraus. Das Bild ist recht gur geraten. Die deutsche Synchro eher so mittelmäßig. Vorsicht auch beim Kauf, denn auf der Plaion Seite wird mit einem Featuerette und einem Audiokommentar geworben. Beides findet sich allerdings nicht auf der Disc wieder. Enthalten sind lediglich ein Trailer zum Film, eine alternative Szene, der Vorspann ohne Text und eine Diashow.


Die Prophezeiung (1979)

Etwas naive Mischung aus Ökothriller und Tierhorror. Die erste Hälfte hat interessante und mitreißende Momente. Vor allem der Konflikt zwischen den Indigenen und den Holzfällern funktioniert gut. Vor allem ist aber die Szene bei der Holzfabrik packend und auf merkwürdige Art erschreckend. Letztlich ist die Besichtigung der Fabrik sicherlich der gruseligste Moment des Film, eine sehr starke, bedrückende Szene. Wenn dann aber der eigentliche Horrorteil kommt, nämlich der Kampf zwischen mutiertem Bären und den Menschen klären sich alles zwischenmenschlichen Konflikte wie magisch auf. Was leider auch die Botschaft des Films massiv untergräbt. Zudem zieht sich der Bärenkampf dann auch noch sehr in die Länge, wodurch diesem, eigentlich gelungenen Bärenhorror dann den Todesschuss verpasst. Schade drum.


Die Akademie (2024)

Schrecklich belangloses über den angeblich waren Blick in die Kunstuni, das Kunstgewerbe und die persönlichen Schicksale dieser Industrie. Charaktere durchleben keine wirklichen Entwicklungen, die Dialoge kommen nie über ihre anfänglichen Plattitüden hinaus. Leblos, schablonenartig gefilmt und fast durchgängig hölzern gespielt. Lediglich Maja Bons möchte ich positiv erwähnen. Sie versucht zumindest etwas eigenes mit einzubringen und wäre wohl bei einem besseren Drehbuch zu mehr in der Lage.


Vincent muss sterben (2023)

Plötzliche, unprovozierte Attacken halten Frankreich im Atem. Eines der Oper ist Vincent (Karim Leklou) der aus heiterem Himmel von teils völlig fremden Menschen attackiert wird. Ungewöhnlicher Horrorfilm der zugleich Sozialdrama, wie auch ein äußerst toxischer Liebesfilm ist. Lose ans Zombiegenre angelehnt bewegt sich der Film irgendwo in der Nähe anderer Außensteier*innen wie Romeros „The Crazies“ (1973) oder dem Verbalvirus Horror von „Pontypool“ (2008). Äußerst spannend und zwiespältig, gerade weil der Film letztlich keinem Genre so richtig gerecht wird. Ebenfalls hochzuhalten: Die wirklich starken schauspielerischen Leistungen von Karim Leklou und Vimala Pons (Eden Log, 2007).


Comic Book Confidential (1988)

Kleine, sehr unaufgeregte Comic Doku die mir bis dato völlig unbekannt war. Der Film ackert sich chronologisch durch die Geschichte der neunten Kunst. Dabei kommen viele bekannte Künstler*innen wie Robert Crumb, Jack Kirby, Lynda Barry, Harvey Pekar, Frank Miller und einige mehr zu Wort. Die Doku behandelt dabei überraschend wenig Superheld*innen und räumt dafür sehr viel mehr Zeit für EC Horror und deren Zensurgeschichte, aber vor allem für die Underground Comics der 70er Jahre ein. Schön ist auch die Zeit das wir inszenierte Lesungen aller vertretenen Künstler*innen bekommen und dadurch einen tieferen Einblick in einzelne Werke der Künstler*innen erlangen als es in solch einer Doku eigentlich üblich wäre. Vermutlich eher eine Doku für den harten Kern von Comicfans, für diese aber schon allein als Zeitdokument einen Blick wert.