Montag, 12. Juni 2017

Captain Kronos – Vampirjäger (1974) [Anolis]

Captain Kronos – Vampirjäger (1974) [Anolis]


Früher war Captain Kronos (Horst Janson) Hauptmann der englischen Armee. Diese Zeit ist für ihn jedoch lange vorbei. Stattdessen zieht er seit geraumer Zeit durch die Lande und kämpft gegen Vampire und anderes unnatürliches Gesindel. Bewaffnet mit Katana, Säbel und Kröten, ebenso mit seinem treuen buckligen Begleiter Professor Grost (John Cater) an seiner Seite ist er aktuell hinter einem ganz besonderen Vampir her. Dieser Vampir hat wenig Angst vor Kreuzen und Knoblauch und auch Sonnenlicht ist ihm höchstens lästig. Anstatt von Blut saugt er seinen Opfern die Lebensenergie aus und nutzt sie um seine Jugend wieder herzustellen. Als sein alter Bekannter Dr. Marcus (John Carter) vampirisiert wird, hört für ihn der Spaß auf. Zeit, dem bösen Lumpen mit einem selbst gezimmerten Schwert und der Unterstützung der hübschen Carla (Caroline Munro) einzuheizen.

1974, die späte Hammer Phase. Dem Studio fällt es schwerer neue Projekte zu finanzieren und blutigere, dunklere und freizügigere Horrorstreifen laufen dem Grusel der alten Schule den Rang ab. Auch das Konzept Christopher Lee als Dracula gegen Peter Cushing als Professor Van Helsing schien sich überholt zu haben. Neue Impulse wie Dracula in die Gegenwart zu bringen (Dracula jagt Mini-Mädchen) oder den Kung-Fu Trend mitzunehmen (Die sieben goldenen Vampire) sollten den behäbigen Vampirzug wieder ins Rollen bringen, scheiterten dabei jedoch. Ein neuer, moderner Anfang sollte von Brian Clemens (Mit Schirm, Charme und Melone) gemacht werden, der bis dato eher durch seine Arbeiten fürs Fernsehen bekannt war und heute vor allem durch „Sindbads gefährliche Abenteuer“ oder „Highlander II – Die Rückkehr“ in Erinnerung bleibt. Bei dem Einen positiver als beim Anderen.

Die Idee war, mit Captain Kronos ein neues Franchise aufzubauen, dass ordentlich gemolken werden könnte bis wieder bessere Zeiten kommen. Kronos ist ein wahrer Tausendsassa und aus der hier angedeuteten abenteuerlichen Vergangenheit hätte sich sicherlich noch viel rausholen lassen können. Auch John Cater (Das Schreckenscabinett des Dr. Phibes) ist ein prächtiger Sidekick, der viel Freude an der Vampirjagd und noch mehr abgefahrene Gadgets zu deren Bekämpfung parat hat. Leider blieb auch dieser Streifen hinter den Erwartungen zurück, bei uns kam der Film dann gar nicht erst in die Kinos und so kam es nie zu den erhofften Fortsetzungen.

Was war geschehen? Auch wenn Hammer versuchte, die alten Vampirklischees aufzufrischen, gelang die Modernisierung nicht so wie geplant. Die nette Idee, den Vampir auch am Tage jagen zu lassen, war viel weniger eine neue Idee, sondern viel mehr eine Möglichkeit das Budget vor mehr Nachtdrehs zu bewahren. Was uns im Übrigen aber nicht vor einigen sehr unglaubwürdigen Night-for-Day Shots schützt. Schlimmer ist jedoch der deutsche Horst Janson in der Hauptrolle. Obwohl er eigentlich ziemlich gut Englisch spricht, war sein Akzent dem Studio dennoch zu stark, weshalb er im O-Ton nachsynchronisiert wurde. Dazu kommt noch, dass er es nicht schafft diese sehr moderne Art von Vampirjäger glaubhaft zu verkörpern. Er kann zwar gut vor sich hin brüten, aber eigentlich soll er auch cool rüber kommen und gleichzeitig etwas postmodern zynisch, überheblich und weltmännisch. Funktioniert allerdings aufgrund von etwas zu wenig Charisma nur bedingt, wodurch viele eigentlich auf dem Papier coole Szenen sehr bemüht wirken. Außerdem ist der Film insgesamt etwas zu verworren, kommt manchmal nicht so recht vom Fleck und schafft es selten die verschiedenen Kapitel auf eine natürlich wirkende Art zu verbinden. Dadurch entsteht ein etwas episodenhafter Charakter, der sicherlich ein Hinweis auf Brian Clemens TV-Herkunft ist. Zudem zieht sich die Vampirjägerei gerade am Ende zu sehr. Über 90 Minuten ist für diese Art von Film dann doch zu viel.

Obwohl es viel Kritik gibt, ist der Film trotzdem sehr unterhaltsam und tatsächlich voll mit tollen Ideen. Böse Zungen könnten behaupten das es nicht schwer ist, einige gute Ideen in den Topf zu werfen, wenn sich darin derartig viele Zutaten tummeln. Ändert aber nichts daran, dass die Idee eines weltmännischen, abgebrühten düsteren Vampirjägers seiner Zeit weit voraus war. Zudem sind die Charaktere allesamt liebenswert, wenn auch auf ihre eigene merkwürdige Weise und die Dialoge bringen Laune auf ihre eigene Art. Carter ist schauspielerisch eine sichere Bank und ebenso weiß Janson was er tut. Trotzdem bleibt er bei vielen der größte Kritikpunkt des Films.

Unterhaltende Vampirhatz mit einmaligen Charakteren, solide gespielt. Nimmt sich leider etwas zu ernst und traut sich nicht zu erforschen, wohin es mit dieser neuen Art von Vampirfilm hätte hingehen können. Trotzdem spaßige Unterhaltung.

Du Blu-ray von Anolis ist eine ganz große Nummer. Bild und Ton sind top. Wobei die deutsche, erst später entstandene Synchro fremd und unpassend wirkt, aber auch der O-Ton wirkt durch die nachträgliche Synchro von Janson etwas merkwürdig. Dafür kann hier ja aber niemand etwas. Über die Ausstattung kann aber niemand mäkeln, die ist mal wieder fantastisch. Zuerst bekommt ihr gleich vier (4!) Audiokommentare zum Filme. Zwei englische Kommentare, einmal mit Shane Briant, John Carson, Caroline Munro, Brian Clemens, Marcus Hearn und einer mit Brian Clemens, Ian Wilson, Marcus Hearn und dann ein exklusiver Kommentar auf Deutsch mit Horst Janson und Uwe Sommerlad, sowie der obligatorische Kommentar von Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz. Außerdem hält die Disc für euch noch ein Horst Janson Interview von 2003 bereit, sowie ein Feature über die Captain Kronos Reunion Feier. Dazu noch der Britischer Kinotrailer, Scans des Comics zum Film (geil!), Britischer Werberatschlag, US Presseheft, Filmprogramm und mehrere Bildergalerien. Für Hammer Fans also schon allein wegen der vielen, teilweise exklusiven Extras ein Muss.

6,9 von 10 offenbarte Nieren

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