Freitag, 19. Februar 2016

Der Fluch des Dämonen (1957) [Anolis]

Der Fluch des Dämonen (1957) [Anolis]


Noch während sich der amerikanische Psychologe John Holden (Dana Andrews) auf der Reise von den USA nach London befindet, verstirbt Professor Harrington (Maurice Denham) unter mysteriösen Umständen. Harrington wurde kurz zuvor von Holden gegen eine Okkulte Sekte angesetzt, die von dem angeblichen dunklen Magier Dr. Julian Karswell (Niall MacGinnis) unterstützen wollte. Nun muss er sich alleine gegen die Sekte stellen, allerdings glaubt er auch nicht daran, dass der charismatische Kultführer wirklich übernatürliche Mächte kontrollieren kann. Doch der Fluch des Dämonen liegt schon auf ihm und wenn er die Wahrheit nicht bald erfährt wird er den Monat nicht mehr überleben. Unterstützung bekommt er nur durch Harringtons Nichte Joanna (Peggy Cummins), die zwar ebenfalls Psychologin ist, im Gegensatz zu ihrem Kollegen aber keinesfalls an eine Massensuggestion durch Karswell glaubt.

Alles beginnt wie es beginnen muss, nämlich mit einer gruseligen Erzählerstimme, die uns über die Existenz von Dämonen aufklärt. Dabei wandert die Kamera ruhig durch die steinernen Monumente von Stonehenge. Auf die Titelsequenz folgend bekommen wir die stimmungsvolle Autofahrt des Professor Harrington zu sehen, der bei Nacht und Nebel auf dem Weg nach Lufford Hall ist. Neben Beleuchtung und einem aufgeregten Maurice Denham, der übrigens als Synchronsprecher damals alle Tiere in der Cartoonverfilmung von George Orwells “Animal Farm” gesprochen hat, ist es vor allem Clifton Parkers musikalische Untermalung die diese einfache Szene, trotz ihrer Einfachheit schon zum ersten mal gruselig werden lässt. Denn während Parker in der Walt Disney Version der Schatzinsel eher seichte, wenn auch gute Untermalung bot, erweist er sich hier auch als Stimmungsmacher für düsterere Momente. Ein paar Szenen weiter, in denen wir auch den Sektenführer Karswell kennenlernen muss der Professor schon dran glauben. Er dankt allerdings recht imposant ab durch eine Kombination von Stromschlägen und Riesendämonattacke. Eine feine Szene.

Erstmal fällt auf das für einen Horrorfilm diesen Alters nur wenige Szenen unfreiwillig komisch sind. Manche würden hierbei wohl die Seance Sequenz anführen, die ich selbst allerdings fantastisch gruselig finde, nicht zuletzt aufgrund von Rosamund Greenwoods mitreißendem Schauspiel. Dazu kommt das die Spannung großartig aufgebaut wird, obwohl es noch spannender wäre wenn man nicht schon am Anfang erfahren würde das es wirklich Dämonen gibt. Viel zu früh lässt Jacques Tourneur (I walked with a Zombie) jeden Zweifel am Übernatürlichen verblassen und nimmt dem Film dabei viele Möglichkeiten sich zu entfalten. Gerade das der Film dennoch so gut funktioniert zeigt letztlich Tourneurs können umso mehr, der sich wenn man ihm glauben darf immer gegen die Verwendung des sichtbaren Dämons ausgesprochen hatte.

Aber zurück zum Dämon, der sieht nämlich auch heute noch wirklich großartig aus. Langsam tritt er aus dem dichten Nebel hervor und sieht einfach richtig fies aus. Für damalige Verhältnisse ist dieser Dämon wirklich ein Meisterstück, nur am Ende gibt es eine Szene in der er etwas plump aussieht und in restaurierter HD Qualität machen ein paar der Hintergründe und vor allem der Kampf mit der Katze einen etwas merkwürdigen Eindruck. Allerdings werden Monstererschaffer Ken Adam und seine Kollegen wohl nicht damit gerechnet haben, dass ihre Kreatur mal in High Definition über flache Fernseher huschen würde. Ken Adam hat übrigens nicht nur hier für einen gruseligen Look gesorgt, sondern war auch dafür Auch ein kleiner heraufbeschworener Sturm sieht ziemlich klasse aus. Ein noch besseres Monster ist allerdings der Ire Niall MacGinnis, der als eine Art Aleister Crowley, nur echt mit Teufelsbärtchen, sogar als Clown geschminkt noch diabolisch aussehen kann. Ein smarter, hinterhältiger und wahrlich diabolischer Gegenspieler, der auch ohne den Dämon ein ebenbürtiger Widersacher wäre. Wer hätte  diese Rolle für möglich gehalten, als er noch 1953 als Martin Luther Zettel an Kirchentüren nagelte.

Die Kulissen sind toll, viele der Dialoge sind wirklich gut geschrieben, wenn auch in der ungeschnittenen Fassung teils etwas repetitiv und auch die Schauspieler können überzeugen. In jedem Fall ein spannendes Stück Gruselhorrorgeschichte. Über den Dämon kann man sich streiten, ansonsten ein sehr gut geratener Film.
Night of the Demon ist zu unrecht Hierzulande unbekannt, das muss geändert werden also schaut doch mal rein falls ihr etwas mit schwarzweiß Horror anfangen könnt.

In den USA und England gehört dieser Horrorklassiker, der eine Verfilmung von Montague R. James Kurzgeschichte „Casting the Runes“ darstellt, schon längst zu den beliebtesten Horrorfilmen der 1950er Jahre. Hier bei uns kennen wohl nur wenige dieses Juwel. In Deutschland beschränkte man sich darauf den Film im Fernsehen zu zeigen, eine VHS oder DVD Verwertung blieb bisher aus. Diesen Februar ändern die netten Menschen von Anolis diesen Umstand dankenswerter weise und füllen somit die schmerzliche Leerstelle in einigen DVD Regalen. “Night of the Demon” nennt sich die britische Schnittfassung. Unter dem Titel “Curse of the Demon” findet ihr hingegen die US Variante, die um ganze 13 Minuten kürzer ist. Einige gruselige und nicht unwichtige Momente fehlen zwar in der gekürzten Fassung, die übrigens der deutschen Fassung entspricht, trotzdem ist auch diese Version nicht unbedingt die schlechtere, da sie zugleich auch ein paar der Probleme ausbügelt.

Anolis veröffentlicht den Film als ersten Teil der “Die Rache der Galerie des Grauens” Reihe. Neben beiden Schnittfassungen auf DVD und Blu-ray, in bester restaurierter HD Qualität enthält diese Veröffentlichung noch einen Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, die Super-8-Fassung, den englischen Kinotrailer, das Braunschweiger Filmfest Programm, sowie eine Bildergalerie. Außerdem gibt es mit der Kurzdokumentation “Speak of the Devil” noch ein weiteres feines und exklusives Extra. Neben Filmexperten kommen in Marcus Hearns 19-minütiger Dokumentation sogar auch Beteiligte zu Wort. So reden hier Peggy Cummins und Ken Adam über ihr Mitwirken am Fluch. Wendecover ist natürlich Standard und dazu dann noch ein interessantes und informatives Booklet. Wie immer eine sehr gute und vor allem liebevoll aufbereitete Veröffentlichung.

8,4 von 10 Dämonen in Zugzwang

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