Dienstag, 17. Januar 2017

Die letzten Glühwürmchen (1988) [Kazé]

Die letzten Glühwürmchen (1988) [Kazé]

Die letzten Glühwürmchen, (火垂るの墓 hotaru no haka) was so viel bedeutet wie „Das Grab der Leuchtkäfer“ ist der dritte Spielfilm von Studio Ghibli und entstand 1988 unter der Regie von Studiomitbegründer Isao Takahata (高畑 ). Der Film basiert auf einer gleichnamigen autobiografischen Romanvorlage des Japaners Akiyuki Nasaka (野坂 ) und verarbeitet dessen traumatische Erlebnisse der amerikanischen Bombenangriffe auf Kobe und den Hungertod seiner kleinen Schwester.

Es ist das Jahr 1945. Die letzten Monate des zweiten Weltkriegs. Japan steht kurz vor der Kapitulation, das Ausmaß der Zerstörung im ganzen Land ist enorm, Hungersnöte und fortwährende Bombenangriffe fordern selbst in dieser Zeit noch erhebliche Opfer unter der Zivilbevölkerung.
Der vierzehn-jährige Seita und seine kleine Schwester Leben bei ihrer Mutter in Kobe als die ersten Bomben auf die kleine Hafenstadt fallen. In der Welle der Zerstörung verliert die arme Frau ihr Leben und die Kinder müssen zu ihrer Tante ziehen. Doch solche Ereignisse gehen an niemandem einfach vorüber und so verbringen Seita und Setsuko den Tag lieber mit Spielen (der Bewahrung des letzten bisschen Kindlichkeit), als beim Wiederaufbau zu helfen. 
Die missgünstige Frau gibt den beiden Kindern aus diesem Grund immer weniger von den Essensrationen ab, weil sie sich nicht „nützlich“ machen und ihr nur auf der Tasche liegen. Aus diesem Grund beschließen die beiden Kinder fort zu gehen und finden Unterschlupf in einem alten, verlassenen Bunker außerhalb der Stadt. Hier leben sie eine Zeit lang, versuchen sich durch das Stehlen von Nahrung auf Gemüsefeldern und die Plünderung zerstörter Häuser selbst zu versorgen. 
Seita kümmert sich aufopfernd um seine kleine Schwester und versucht es ihr so gut wie möglich zu machen. Jedoch werden ihre Nahrungsmittel mit jedem Tag knapper und der Körper der kleine Setsuko kann diesem Nahrungsentzug nichts entgegensetzen. Sie stirbt in den Armen ihres Bruders. Fernab von jeder menschlichen Gesellschaft erweist Seita ihr die letzte Ehre und übergibt ihren kleinen Körper den Flammen. Der kleine Junge hat auf der Welt nun niemanden mehr der ihm etwas bedeutet, mit der Nachricht vom Tod seines Vaters, verliert er seinen letzten Rest Lebensmut.

Wer von Studio Ghibli eine lebensfrohe Kindergeschichte erwartet, sollte bei „Die letzten Glühwürmchen“ lieber etwas genauer hinsehen, denn dieses Werk ist mit einer der erwachsensten und schonungslosesten Filme, die das Studio je herausgebracht hat. Basierend auf den Erlebnisberichten des Autors, schildert der Film in einer beklemmenden Schonungslosigkeit, die grauenvollen Ausmaße des Krieges und ihre Auswirkung auf die normalen Menschen eines Landes. Mit einer Atmosphäre von schwerer Melancholie und ständiger Bedrohung, verfolgt der Film die Handlung der beiden Kinder und zeichnet ihr Leid auf so persönliche und trotzdem universale Weise, dass jeder davon berührt wird.
Der Film ist ruhig und sehr intim, was die Darstellung von Hoffnungslosigkeit und Not für den Zuschauer direkt erfahrbar und reflektierbar macht. Die Leiden der beiden Hauptfiguren wirken dabei so real, wie sie es bei einem Dokumentarfilm hätten sein können und entlassen einen nach dem Abspann mit sehr beklemmenden Gefühlen und tiefer Traurigkeit zurück in die Welt. Die Kritik an Krieg und Zerstörung ist das allumfassende Thema des Filmes, wird aber auf nahbare und erfahrbare Weise viel stärker vermittelt als mit bloßer Darstellung von Kriegshandlungen. In seiner Relevanz als Anti-Kriegsfilm sehe ich „Die letzten Glühwürmchen“ als einen der besten seiner Art an, der sich mindestens auf einer Ebene mit Jimmy T. Murakamis Verfilmung von „Raymond Briggs' When the Wind Blows“ bewegt und vielleicht sogar Teil von Schulbildung sein sollte.

Bild und Ton der neuen Remastered DVD der Glühwürmchen ist ziemlich gut und eine klare Verbesserung zu vorherigen Releases (abgesehen von der Blu-ray natürlich). Außer einigen Trailern gibt es allerdings kein Bonusmeterial.


Hotaru no Haka ist ein schonungslos realistischer Anti-Kriegsfilm von Studio Ghibli, der durch seine beeindruckende Atmosphäre und die emotionale Nähe zu den Charakteren einen Platz in jeder guten Filmsammlung verdient.

8,7 von 10 aufgelutschte Bon Bons

1 Kommentar:

  1. Ein Film, der einem im denkbar schlechtesten Moment erwischt. Konnte ich mir nie zweimal ansehen.

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