Montag, 1. Juni 2015

Possession (1981) [Bildstörung]

Possession (1981) [Bildstörung]

Nach einer längeren Dienstreise kommt Mark (Sam Neill) wieder nach Hause nach Westberlin, wo er mit seinem kleinen Sohn Bob (Michael Hogben) und seiner Ehefrau Anna (Isabelle Adjani) lebt. Oder besser lebte, denn irgendwas ist in seiner Abwesenheit geschehen und so bekommt er anstatt einer warmherzigen Begrüßung nur die Bitte nach der Scheidung von seiner noch Ehefrau ausgehändigt. Marks Welt zerbricht und seine Psyche gleichzeitig ebenso. Hysterisch schreiend und heulend versucht er herauszufinden was hinter Annas Entscheidung steckt. Natürlich vermutet er sofort einen anderen Mann und wirklich findet er Liebesbriefe eines gewissen Heinrichs (Heinz Bennent). Doch auch als er ihn ausfindig gemacht hat bietet ihm das keine Klärung, denn auch Annas Liebhaber Heinreich hat schon länger nichts mehr von ihr gehört. Kurzerhand beauftragt Mark einen Detektiv (Carl Duering), der herausfinden soll wo sie sich immer aufhält. Derweil zerfällt nicht nur die Ehe der Beiden, sondern auch alle letzten Anzeichen der Normalität und täglich nehmen ihre Psychosen mehr Kontrolle über ihr handeln. Und immer noch steht die Frage im Raum: “Wer ist der dritte Mann in Annas Leben?”

Ja, der dritte Mann… Dieser Typ ist ein ganz schöner Knaller und es gibt viel über ihn zu sagen, allerdings möchte ich Keinem und Keiner die furiose Überraschung verderben falls ihr nicht eh schon wisst was es mit ihm auf sich hat. Leider kann ich so auch über viel Symbolik von Andrzej Zulawskis umwerfenden Genremix nichts sagen. Mal schauen wie weit ich ohne Spoiler komme.

“Possession” ist ein Genremix aus Psychothriller, Ehedrama und Horrorfilm. Gekleidet ist das Ganze dann noch in Arthousegewänder. Zulawski verarbeitete mit seinem Werk hier das Ende seiner Ehe mit der er seit den Dreharbeiten zu “Ein Drittel der Nacht” liiert war. Seine Depression und Verzweiflung ist recht stark Spürbar, denn eigentlich von der ersten Sekunde an ist der Film nur schwer zu ertragen und zudem noch mit seiner über zwei Stunden Spielzeit kein kurzer Trip. Das Ehe- und Psychodrama wird von Sam Neill (Jurassic Park) und Isabelle Adjani ungeahnt gut gespielt. Nicht nur, dass wir Neill vermutlich nie wieder so packend erleben durften, nein auch Adjani spielt sich nicht nur sprichwörtlich die Seele aus dem Leib und legt ein krass hohes Niveau vor. Selten hat eine Schauspielerin so viel für ihre Rolle geleistet wie sie es hier tut. Abgesehen von dem Drama Plot, voll mit chaotisch, psychotischen Szenen möchte ich eigentlich nichts näher erwähnen, da der Rest von jedem selbst entdeckt werden sollte.

Gesagt werden kann aber, das es um sexuelle Erfüllung geht, genauso wie die Symbolik den autoritären Staat angreift, den Zulawski verließ um in Frankreich ohne Zensur filmen zu können. Wobei ihn die Zensur auch in Westeuropa nicht in Ruhe lies. Neben einem psychosexuellen Part und der Systemkritik, famos auch, dass man dazu mauernahe Drehorte in Kreuzberg auswählte, handelt es sich auch um eine Selbsttherapie des Machers. Die Specialeffects sind großes Klasse und stammen von Carlo Rambaldi (Dune) und jede Sekunde des Films wirkt so eindringlich, ausweglos und deprimierend. Wirklich keine angenehme oder leichte Sitzung. Der dritte Akt kann dann jedoch an Tempo zulegen und sogar mit einigen coolen Actionszenen aufwarten. Aber auch dann bleibt eine drückende Atmosphäre aufgebaut, die den Film ausmacht.

So jetzt bin ich wahnsinnig vage geblieben, bin lange rumgeeiert und habe letztlich nicht wirklich etwas gesagt. Wichtig ist aber nur, dass ihr wisst, wie sehr ich euch “Possession” ans Herz legen möchte. Es lohnt sich wirklich! Einer der herausragensten Horrorfilme, der eigentlich gar keiner ist und in Wahrheit auch in vielen anderen Genres glänzen kann. Tiefsinnige, mitreißendes und völlig zügelloses Kino der harten Gangart. Ein irrer und schmerzhafter Trip. Anschauen, gut finden!

Die Blu-ray des Films aus dem Hause Bildstörung ist eine feine Veröffentlichung in ansprechender Qualität. Nur ist die Bildqualität nicht gleichbleibend. Manchmal ist das Bild wirklich sehr gut, dann wieder ist es sehr körnig und flimmert stark. Der Ton ist sehr gut, aber da der Film vor 2009 noch nie in Deutschland veröffentlicht wurde, fehlt eine deutsche Synchronisation. Deutsche Untertitel sind allerdings vorhanden. Wer allerdings zugriff auf die vielen guten Extras und ein umfangreiches Booklet haben möchte, muss sich die limitierte Digipack Version gönnen.

9 von 10 mit Tischen werfende Sam Neills

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