Samstag, 2. August 2014

Jonestown - Todeswahn einer Sekte (2006)

Jonestown - Todeswahn einer Sekte (2006)

1956 gründete Jim Jones den Peoples Temple in Indianapolis. Was als sozialistisch christliche Traumgemeinde startete, wurde für viele der Mitglieder bald zu einem Arbeitslager und täglicher Hölle. Als die Kritik an am Temple in der Mitte der Sechziger Jahre immer zunahm floh Jones schließlich mit über 1.000 Mitgliedern nach Guayana, wo seine Gemeinschaft eine kleine Stadt in den Dschungel gebaut hatte. Ab 1974 lebten viele Mitglieder der Sekte in Jonestown. Als 1978 der US-Senatsabgeordnete Leo Joseph Ryan, Jr. mitsamt einiger Journalisten nach Guayana kam, sah Jones keine andere Möglichkeit mehr und lies alle seine Kultmitglieder mit Zyankali vergiften, der Senator und die Reporter wurden erschossen und dann nahm Jones sich vermutlich selbst das Leben. Über 900 Menschen starben auf diese Weise am 18. November. In seiner Dokumentation “Jonestown: The Life and Death of Peoples Temple” versucht Stanley Nelson begreifbar zu machen wie es zu diesem schrecklichen Ereignis kam.

Nach dem Exploiter “Cult of the Damned” nun doch lieber eine Doku zum Thema Jonestown. In etwas über 80 Minuten gibt Nelson einen recht umfangreichen Überblick über die wichtigsten Stationen von Jones Werdegang und den Entwicklungen innerhalb der Sekte. Dazu nutzt er sehr viel, zum Teil vorher nicht gesehenes Archivmaterial aus Jonestown, zum Teil von den Reportern für ihrem Tod aufgenommen. Außerdem wird eine handvoll Überlebender interviewt, darunter sogar Jim Jones Jr., einer der Adoptivsöhne des Sektenführers. Interessant sind dabei vor allem Tonbandaufnahmen von den Kanzelreden Sektenführers, aber genauso auch die Geschichten der Überlebenden. Sehr schnell wird klar, dass auch hier - wie meist bei der Entstehung eines totalitären Regimes - Jeder und Jede einzelne wusste das alles schief läuft und nichts mehr richtig ist, trotzdem traute sich Niemand etwas zu sagen.

Für einen ersten umfassenden Überblick über die Geschehnisse rund um Jonestown ist diese unaufgeregte, am Ende aber doch ein wenig zu emotionale Dokumentation eine gute Sache. Gerade die Interviews geben einen tiefen Einblick hinter die Kulissen und auch über den Senator habe ich ein wenig neues erfahren können. Wobei der Film aber versagt, ist zu zeigen wie aus Jones ein despotischer Diktator wurde. Ein wenig kann man sich zusammenreimen wie alles so schrecklich wurde, aber die Doku verfehlt uns zu zeigen wie aus einem psychisch angeschlagenen Religionsfanatiker, der aber an sich unterstützenswerte Ansichten zum zusammenleben der Menschen hatte, eine wahnsinniger Massenmörder wurde. Wer das Thema also wirklich vollkommen begreifen will, sollte sich weiterläufig damit beschäftigen, ein erster Grundstein ist hiermit aber sehr deutlich gelegt.

Eine sehr interessante Dokumentation zu Jonestown, die in manchen Teilen zwar so tief in die Materie eintaucht wie es nötig ist, an anderen Stellen fehlt schon alleine aus Zeitmangel der nötige Tiefgang und das Ende ist wird dann etwas zu sehr hinausgezögert und emotional ausgeschlachtet.

7,4 von 10 Verratsschränke voller Kool-Aid

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