Montag, 28. April 2014

In den Klauen der Tiefe (1956) [Anolis]

In den Klauen der Tiefe (1956) [Anolis]

Bei einer archäologischen Ausgrabung irgendwo in Asien entdecken Dr. Roger Bentley (John Agar), Dr. Jud Bellamin (Hugh Beaumont), Prof. Etienne Lafarge (Nestor Paiva) und Dr. Paul Stuart (Phil Chambers) eine alte sumerische Steintafel. Natürlich kann Roger ohne Probleme Keilschrift lesen und erfährt auf diese Weise, dass die Sumerer nach der Sintflut auf einen Berg geklettert und von dort aus tief in die Erde gefallen sind, wo sie nun vielleicht schon seit fünftausend Jahren leben. Natürlich dauert es nicht lange bis die Herren Wissenschaftler aufbrechen und den Berg hoch kraxeln. Oben angekommen müssen sie wieder hinabsteigen in die Tiefe der Erde. So ist es eben, manchmal muss man erst hoch klettern um absteigen zu können. Der Abstieg erweist sich nicht nur als äußerst beschwerlich, sondern auch als höchst gefährlich. Jedenfalls wird nicht ihre ganze Expedition lebend unten ankommen. Als dann auch noch der Tunnel hinter ihnen einstürzt, gibt es keinen Weg mehr zurück. Es geht also nur noch weiter zum hohlen Kern der Erde. Lange haben sie allerdings keine Gelegenheit um sich zu fragen wie es weiter gehen soll, denn aus dem Sand unter ihnen kommen Krallen die sie noch weiter in die Tiefe ziehen. Als sie wieder zu sich kommen befinden sie sich in einer Art Folterkammer in der merkwürdig deformierte Skelette an die Wände gekettet sind. Sie haben einen merkwürdig deformierten Schädel und lange Schaufelartige klauen. Nur noch kurz irren sie durch die Dunkelheit, bis sie auf die verloren geglaubte Zivilisation stoßen.

Man will sie opfern lassen, aber da Roger eine Taschenlampe hat, deren Licht die Sumerer ängstigt, können sie die sumerischen Wachen nicht nur in die Flucht schlagen, sondern werden bald auch als himmlische Botschafter der Göttin Ishtar wahrgenommen. Während ihres Aufenthalts bei den mittlerweile zu sonnenfürchtigen Albinos gewordenen Sumerern, lernt Roger die Schöne Adad (Cynthia Patrick) kennen, die eine Sklavin und Aussätzige ist, weil ihr das Sonnenlicht nichts ausmacht. Außerdem müssen er und Jud feststellen, dass die schrecklichen Maulwurfwesen in Wirklichkeit mutierte Menschen sind, die von den Sumerern absichtlich so gezüchtet werden und dann durch Nahrungsmangel und brutale Gewalt kontrolliert werden. Die beiden wollen natürlich nicht nur die bildhübsche Dienerin, sondern auch die unterjochten Maulwurfleute von ihren Peinigern retten. Es wird allerdings nicht gerade leicht werden, da der sumerische Hohepriester Elinu (Alan Napier) den beiden Männern aus unsrer Welt schon auf die Schliche gekommen ist.

In den fünfziger Jahren hat Virgil W. Vogel nicht mal eine ganze Handvoll Filme gedreht trotzdem hat jeder mit Sicherheit schon mal was gesehen bei dem Vogel Regie führte. Schließlich war er nach seinen eher unerfolgreichen Filmversuchen noch bis in die Neunziger fürs Fernsehen tätig. Insgesamt drehte er viele Folgen für einige Dutzend Serien. Darunter Klassiker wie “Bonanza”, “Kobra, übernehmen sie” und “Airwolf”. Vor seinem ersten Job als Regisseur, den er bei “The Mole People” bekam, war er als Cutter bei der Universal tätig, für die er unter anderem auch “Metaluna IV antwortet nicht” geschnitten hat. Nachdem er seinen damaligen Cheft Edward Muhl aber lang genug behakt hatte durfte er auch mal Regisseur spielen. Wenn man bedenkt das er vorher als Editor gearbeitet hat, wird es umso verwunderlich wie viele Szenen einfach unendlich lang geworden sind. In Anbetracht dessen, dass einige Szene aber knackig gehalten wurden, zum Beispiel bei der Szene in der einige Dienerinnen Ishtar geopfert werden sollen, wo er es durch raffinierte Kameraeinstellung und gut platzierte Schnitte sogar schafft den Eindruck zu erwecken es wäre mehr Nacktheit zu sehen als eigentlich ist, kann man durchaus dem fehlenden Plot die Schuld an der Langatmigkeit geben und nicht dem Talent des Regisseurs.

Als der Film erstmals im Double Feature mit “Curucu, Beast of the Amazon” in die Autokinos kam war er dank der schier unendlich langen Kletterpartie und Stockfootage einer Himalaya Expedition wohl grad noch lang genug. Spätestens aber bei der Wiederaufführung in den Sechzigern wurde die Prä-Credit Sequenz nötig. In dieser erklärt, der damals durch seine Wissensshows im Fernsehen hoch angesehene und beliebte Dr. Frank C. Baxter, einige Theorien, die sich damit beschäftigen das unsere Erde vielleicht hohl sein könnte. Um aber sein Gesicht zu wahren sagt er auch gleich, das es die Maulwurfmenschen natürlich nicht gibt, aber man weiß ja nie. Der Anfang ist daher etwas trocken und unfreiwillig komisch geraten, passt aber irgendwie zum Film der ständig zwischen guten Ideen und Trash hin und her zu schwanken scheint.

Denn inhaltlich ist “In den Klauen der Tiefe” zwar etwas ungelenk und holprig geraten, dafür ist die Grundidee aber ganz spannend. Einiges wurde ziemlich direkt aus Jules VernesReise zum Mittelpunkt der Erde” entliehen. Denn auch hier müssen die Forscher erst durchs Eis um dann von einem Berg aus hinab zu steigen. Unten angekommen ist es dann doch recht hell, da die Steine durch fluoreszierende Stoffe die Dunkelheit vertreiben und natürlich wuchern in der Höhle Pilze. Diese sind hier aber nicht als Holzersatz zu gebrauchen, sondern dienen Menschen, Maulwurfkollegen sowie den Untergrundziegen (!) als Nahrung. Die Zweiklassengesellschaft hingegen ist ziemlich sicher aus H. G. Wells "Die Zeitmaschine" entnommen. Nur das hier nicht die Morlocks die bösen sind, denn bei den Sumerern werden die genetisch als minderwertig betrachteten Mole People versklavt. Wichtig ist dabei anzumerken das man die Menschen extra so gezüchtet hat das sie immer weiter deformieren. Aus Angst vor schrecklichen Folterungen und weiterem Nahrungsentzug handeln sie im Willen des Hohepriesters und des Königs. Somit lässt man die beiden Archäologen gegen das dort herrschende Unrechtsregime kämpfen, schließlich werden auch die schönen Frauen als Dienerinnen gehalten und so kann das nicht sein. Ein eigentlich recht schöner Plot der sich gegen Rassismus und Sklaverei ausspricht, andererseits nur eine weitere Geschichte in der Amerikaner in eine fremde Kultur eindringen um diesen Barbaren ihre Demokratie zu erkämpfen ob sie es wollen oder nicht.

Leider wird dieser im Grunde recht angenehme Plot der aus dem billigen Monsterfilmchen eine eigentlich interessante Science-Fiction Story werden lässt durch das Ende vollkommen zerstört. Denn aus Angst Menschen könnten vom Ende verstört werden und das der Film im Süden der USA nicht ankommen könnte, änderte man die Finale Szene. Denn eigentlich war wie damals üblich ein Happy End eingeplant, in dem John Agar wie es sich gehört die schöne Blondine als Kriegsbeute mit nach Hause nimmt und dort vermutlich ehelicht und mit ihr viele kleine US-Sumerer erzeugt. Da Rassenmischung aber unmoralisch ist, wird sie auf unfassbar dämliche Weise in der letzten Sekunde auf völlig antiklimatische Art und Weise getötet. Beim Finalen Erdbeben stürzt sie sich schon scheinbar mutwillig unter eine fallende Styroporsäule. Diese Änderung aus Angst vor der Reaktion einiger Rassisten und vielleicht auch vor der, der eigenen Courage macht die Botschaft des Films vollkommen zu Nichte, zeigt gleichzeitig in Retrospektive aber auch wie wichtig sie damals eigentlich war.

Davon Abgesehen ist der Plot aber eigentlich nur Jack Arnolds “Der Schrecken vom Amazonas”, in dem Nestor Paiva übrigens ebenfalls zu sehen war, noch mal aufgewärmt. Nur eben mit einem anderen Monster und unter der Erde anstatt im Amazonas. Angereichert mit Versatzstücken aus den oben schon erwähnten Büchern ergibt das Ganze nicht unbedingt etwas vollkommen neues. Schade sind auch ein paar Logiklücken, wie zum Beispiel warum das Licht der Taschenlampe so schlimm ist, wenn die Sumerer fast immer in hellerem Licht stehen und wie die beiden Forscher mit den Untergrundmenschen kommunizieren. Anfänglich scheint nämlich nur Agars Charakter mit ihnen reden zu können Jud kann es dann zwischenzeitlich auch.


Dafür ist die Art wie sie am Ende entkommen können ziemlich clever, außerdem mag ich wie zu Beginn die Bedrohung durch die Maulwurfkreaturen aufgebaut wird. Zuerst buddelt einer von ihnen nur ein kleines Loch in die Wand, durch das man eines seiner Augen und die Krallen sehen kann, dann entdecken die Protagonisten eines der Skelette und erst dann sieht man sie in voller Pracht. Ein gewisser Reiz geht natürlich auch davon aus, dass sie jederzeit aus dem Fußboden herausbrechen können, gerade auch weil der optische Effekt gelungen ist. Genauso wie die Gummianzüge die zwar mittlerweile schon albern aussehen, aber durchaus ihre Momente haben. Denn ganz unbeeindruckend können die Monster nicht gewesen sein. Schließlich haben die Wesen doch einen recht großen Popkulturellen Einfluss gehabt, denn unter anderem gibt es sogar einen Song der Punkrock Band “The Dickies” mit dem Titel “Attack of the Mole People” und Stan Lee und Jack Kirby haben sich damals recht offensichtlich von diesem Film beeinflussen lassen, als sie Mole Man und sein Gefolge in der ersten Comicausgabe der Fantastic Four auftreten ließen. Somit hat der Film zwar damals viele fiese Kritiken bekommen und ist einer der wenigen Monstermovies der Universal, die keine Fortsetzung bekamen, aber einen gewissen Eindruck müssen die Viecher schon hinterlassen haben. Schuld daran sind vermutlich vor allem die unheimlich atmosphärisch eingefangenen Szenen, in denen Vogel zeigt wie die Maulwürfe gehalten werden. Die Fütterungsszene der Sklaven hat etwas extrem unheimliches und diabolisches an sich. Ebenfalls relativ hart geraten ist die Szene in der einige Frauen verbrannt aus der Opferkammer entfernt werden.

Doch auch wenn vieles an diesem Film um einiges besser ist als einige wahrhaben möchten, gibt es einige Momente die beinahe nicht zu ertragen sind. Wie gesagt ist da eben die Klettersequenz, die nicht nur ohne Dialog, sondern auch ohne musikalische Untermalung auskommt, die übrigens aus Kostengründen sowieso nur aus Archiv Meloden der Universal besteht. Dann wäre da noch die Tanzszene, die bei fremden Völkern in einem Abenteuerfilm nun einmal dazugehört, dann aber doch gerne sehr viel kürzer sein dürfte. Die Anfangssequenz kann man hingegen schon akzeptieren, weil sie durchaus lustig anzuschauen ist. Dafür kommt es auch zwischendurch immer wieder zu dramaturgischen Einbrüchen, denn irgendwann wird nur noch geredet und alles was irgendwie interessant ist, wird nur noch erzählt aber nicht gezeigt. Da hat man wohl kurzzeitig vergessen das es sich bei Filmen um ein visuelles Medium handelt.

Wo wir bei unfreiwillig komisch waren. Die ganze Aufregung um die Taschenlampe mit dem Feuer Ishtars wirkte sicherlich schon damals ziemlich albern, das die Sumerer irgendwo in Asien waren und von dort in einen Berg gefallen sind ist ziemlich komisch, vor allem würde mich interessieren wie sie darauf kamen das sie nicht mehr an die Oberfläche dürfen. Dann ist da noch der Punkt das sie gerne mal zwischen Keilschrift und Hieroglyphen wechseln, während ihre Bauwerke eine Mischung aus römischer und griechischer Architektur darstellen. Ist allerdings aber auch alles ziemlich egal, da durch so was auch irgendwie der Reiz solch alter Science-Fiction Schinken ausgeht. Da ist man heute mit einer etwas nostalgisch verblendeten Sichtweise durchaus gnädiger eingestellt als noch vor ein paar Jahren. Mich stören die vielen unlogischen Momente jedenfalls nicht wirklich.

Vorne mit dabei war einmal mehr John Agar, der ja eigentlich zu der Zeit versuchte nicht immer wieder seine Rolle aus “Tarantula” aufwärmen zu müssen. Hat wohl nicht geklappt. Trotzdem gefällt sein leicht übertriebenes Acting ziemlich gut. Wer ebenfalls ziemlich dick aufträgt, von dem wir es aber eigentlich nicht gewohnt sind, ist Alan Napier der wohl den meisten höchstens als Alfred in der Sechzigerjahre Batman Realserie bekannt ist. Ein weiterer Höhepunkt des Films ist Cynthia Patrick als Adal, die laut der Credits Adad heißt. Sie ist nämlich nicht nur schön anzuschauen, sondern auch eine wirklich gute Schauspielerin, schade nur dass sie danach nur noch ein paar mal vor der Kamera stand und sich dann aus der Filmwelt verabschiedete. Der Cast ist im harten Kern also schon als solide zu bezeichnen.

Wichtig zu erwähnen wäre jetzt noch die deutsche Synchronisation. Damals kam es nämlich nicht zu einer deutschen Kinoauswertung, was vermutlich etwas damit zu tun hat das man zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr allzu sehr an kleineren Monsterfilmproduktionen in schwarzweiß interessiert war. Daher war der Film bis jetzt noch nie auf deutsch zu sehen. Für die Veröffentlichung in Anolis Rückkehr der Galerie des Grauens musste also eine deutsche Synchro angefertigt werden (obwohl ich auch nur für den Film in O-Ton dankbar gewesen wäre). Für die Regie, Übersetzung und Dialogbuch hat man Hörspielregisseur Bodo Traber (Die blauen Schafe) herangezogen. Da Traber nicht nur Hörspiel- und Synchronregisseur ist, sondern auch ausgewiesener Horror, Science-Fiction und Filmprofi, war natürlich klar, dass nur eine Synchro in Frage kommt die sich an der damaligen Filmästhetik orientiert. Die deutsche Version klingt also nicht zu modern, der Wortgebrauch in der Übersetzung wurde im Sprachstil der Fünfziger gehalten und es wurden wie damals üblich keine Fremdwörter übernommen. Zum Glück wirkt der deutsche Ton aber nicht zu steril, wie ebenfalls damals üblich, da man noch das IT-Band von der Universal bekommen konnte. Also den International Track, auf dem nur Musik und Geräusche zu hören sind. Ein wirkliches Glück das es überhaupt noch aufzutreiben war.

Mit dabei sind eigentlich nur gute und bekannte Sprecher. Zum Beispiel wird Agar von Bernd Vollbrecht gesprochen, der jedem Hörspielfan als Steven Burns in der Serie “Gabriel Burns” bekannt sein sollte, Helmut Krauss leiht Paiva seine Stimme, die er unter anderem auch schon Yaphet Kotto verpasste und Christian Rode sollte auch jedem Hörspielkonsumenten bekannt sein. Dabei macht auch jeder seine Sache sehr gut. Eine durchweg gelungene Eindeutschung. Danke dafür. Wäre wirklich schön wenn man mit dieser Veröffentlichung so viel Erfolg hat, dass auch weitere vergessene Klassiker dieser Art ihren Weg nach Deutschland finden.

Nach der ersten Auflage innerhalb der Galerie des Grauens, kamen die Maulwürfe diesen Monat zum ersten mal auf Blu-ray heraus. Die Quali ist richtig töfte und sieht fein aus, trotzdem handelt es sich hierbei eher um eine Budget Version, denn auf all die coolen Extras der DVD Version muss hier leider verzichtet werden. We also weitergehendes Interesse an dem Film hat sucht sich die DVD Version aus. Wer aber auf HD nicht verzichten will greift zu dieser stylishen, schwarzen Blu-ray Hülle. Auf der Disc befinden sich noch der Amerikanische und der Englische Trailer und eine Bildergalerie. Limitiert auf 1.000 Stück.

Mole People ist sicherlich keine Meisterleistung. Für Abenteuerfans zu wenig Abenteuer, Monsterfreunde wird stören das zu viel Gesellschaftskritik geübt wird und die Monster eigentlich nur die Opfer sind und Science-Fiction Freaks werden sich an den vielen trashigen Elementen stören. Und schier endlose Kletterszenen brauch niemand. Als ich den Film zum ersten mal vor einigen Jahren gesehen habe, fand ich ihn als Trash ganz okay, insgesamt aber viel zu langatmig. Die “Mystery Science Theater 3000” Version hat mir den Film dann doch etwas näher gebracht und mittlerweile habe ich den Film doch sehr oft gesehen. Und er wächst einem jedes mal mehr ans Herz, auch wenn bestimmte Szenen einem wiederum auch immer mehr auf den Geist gehen. Ernsthaft, ein Film muss mir nicht beibringen wie man ein Seil festknotet. Interessante Monster, ein Plot der tiefer geht als man denkt, aber leider trotzdem nur wenig zu bieten hat, dafür aber mit einigen Charmanten Stellen. Sollte man als Fan solcher Filme mal gesehen haben und wenn es nur ist um zu sagen das man es nicht so gut fand.

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