Mittwoch, 4. Februar 2015

Whiplash (2014)

Whiplash (2014)

Der 19-jährige Jazz-Schlagzeuger Andrew Neiman (Miles Teller) besucht das renommierte Schafer Conservatory of Music in New York. Er träumt davon zu den ganz Großen zu gehören, nicht nur für sich selbst sondern auch weil ihm das Scheitern seines Vaters als Schriftsteller sehr zugesetzt hat. Aus diesem Grund ist der junge Musiker wildentschlossen alles dafür zu tun, um in das beste Musik-Konservatorium des Landes aufgenommen zu werden.

Eines Nachts begegnet ihm Terence Flechter (J.K. Simmons) im Probenraum der Musikschule und nimmt Notiz von Andrew. Der Dirigent ist gleichermaßen für sein Talent, als auch für seine "unorthodoxen" Unterrichtsmethoden bekannt. Trotz seiner geringen Meinung von Andrew erscheint er am nächsten Tag in dessen Unterricht und fordert, dass dieser "Neue" ab sofort in seiner Band spielen soll.
Zunächst ist Andrew nur in der Position des 2. Schlagzeugers eingesetzt, der allenfalls die Notenblätter des Schlagzeugers umblättern darf. Doch als bei ihrem ersten großen Auftritt die Notenblätter (entweder durch Zufall oder Absicht) verschwinden, bekommt der Nachwuchsschlagzeuger seine erste Chance. Damit macht er sich nicht unbedingt Freunde im Ensemble, aber dennoch gewinnt die Band den ersten Preis und Andrew hat nur noch ein Ziel - er will Flechters "No. 1 Boy" werden.
Berauscht durch diesen Erfolg bringt er endlich den Mut auf seine heimliche Liebe Nicole (Melissa Benoist) nach einer Verabredung zu fragen. Andrews, an Manie grenzende Hingabe, um die ersehnte Perfektion zu erreichen, wird durch den psycho- und physiologischen Druck, den Fletcher kontinuierlich auf den junegen Mann ausübt nur angeheizt. Selbst seine eigene Familie erkennt den verbissenen Jungen kaum noch wieder, so sehr zieht er sich in eine Welt zurück in der nicht mal mehr Nicole einen Platz zu haben scheint. Je näher der Schlagzeuger seiner Perfektion kommt, desto enger wird der Kreis der Menschen die ihm nahestehen, bis ihm letzten Endes nur noch Flechter bleibt. Der Wahnsinn Gipfelt in einem ungewollten Auftritt in der großen Carnegie Hall, den Flechter dazu nutzen will Neiman für alle Zeiten bloß zu stellen.

Der Regisseur Damien Chazelle erzeugt in Whiplash eine stetige Atmosphäre aus Druck und eigener Obsession eines jungen Schlagzeugers, dessen Motivation und Leidensfähigkeit überwiegend befremdlich wirken. Er wird zunehmend von seinem sogenannten Mentor in ein selbstzerstörendes Verhalten getrieben, nur weil dieser denkt durch seine Methode das Letzte aus dem Schüler herauszuholen. Dabei verliert der Film aber meiner Meinung nach schnell den Boden zur Realität und auch eine abschließende "Erlösung" oder etwas wie ein tiefer Sinn erschloss sich dem Autor nicht.
Es bleibt nicht nachvollziehbar warum Andrew sich selbst dieser psychischen Misshandlung fortwährend aussetz und sich bis an den Rand der Selbstzerstörung treibt, das kann nicht das Geheimnis eines guten Musikers sein, denn gute, ausdrucksstarke Musik kommt aus einem Gefühl heraus. Ein Gefühl das nicht durch Zwang forciert werden kann. Hier liegt der Film mit seiner Aussage, es gäbe nichts Schlimmeres als die Worte "Gute gemacht" einfach vollkommen daneben. 
Jeder Musiker braucht auch Anerkennung für das was er tut, aber in den meisten Fällen sind diese ohnehin selbstkritisch genug und nicht selten ihre größten Kritiker, sodass ein einfaches "Gute gemacht" ihr Ego wohl kaum zum Guten oder Schlechten beeinflussen dürfte.
Auf diese These stützt sich aber das gesamte Konstrukt in Whiplash und möchte damit vielleicht irgendwas tiefgründiges über den Weg zu einer Musiklegende erzählen, doch für mich ist Terence Flechter einfach nur ein verbitterter, trauriger, alter Narr und auch wenn J. K. Simmons diese Figur ebenso erschreckend gut, wie unsympathisch verkörpert so gleicht das Gesamtergebnis mehr einer Kakophonie als einem melodischen Drama. 


5.1 von 10 unangenehmen Pizza-Verabredungen

Academy Award Nominee 

Best Motion Picture of the Year 
Best Performance by an Actor in a Supporting Role (J.K. Simmons) 
Best Writing, Screenplay Based on Material Previously Produced or Published 
Best Achievement in Editing 
Best Achievement in Sound Mixing
  

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen