Sonntag, 18. Januar 2015

American Sniper - Der Scharfschütze (2014)

American Sniper - Der Scharfschütze (2014)

Er gilt als einer der "erfolgreichsten" Scharfschützen in der Geschichte des US-Militärs - Navy SEAL Chris Kyle (Bradley Cooper). Er, wie viele Andere seiner Kameraden, wird mit einer Mission in den Irakkrieg geschickt: seine Waffenbrüder zu schützen, den Terror zu bekämpfen und sein Land zu ehren.

Seine zielgenaue Treffsicherheit rettet auf dem Schlachtfeld unzählige Menschenleben (und nimmt im selben Zuge unzählige). Die Kunde dieser "glorreichen" Taten verbreitet sich schnell unter den stationierten Soldaten und bringen ihm den Spitznamen "Legend" ein. Dieser zweifelhafte Ruf erwächst allerdings auch im Feindesgebiet, wo ein üppiges Kopfgeld auf Kyle ausgesetzt wird, was ihn zu einem primären Ziel für Angriffe und Anschläge werden lässt. Bei seinen seltenen Aufenthalten in seiner geliebten Heimat muss er allerdings eine ganz andere Schlacht schlagen, er muss es schaffen trotz ständiger Abwesenheit ein guter Ehemann und Vater zu sein. Nach vier Einsätzen im Irak und über 1000 Tagen an der Front, kehrt er schließlich endgültig zu seiner Familie zurück und gemeinsam ziehen sie ins ländliche Texas, wo Chris Kyle bereits seine eigene Jugend verlebt hat. Dort merkt er raus, dass er den Krieg nicht einfach hinter sich lassen kann.

Wem Michael Bays Patriotismus zu subtil erscheint, der wird in Clint Eastwoods neustem Film ordentlich bedient. Der Titel lässt es vielleicht schon erahnen - "American" Sniper. Auf den gut 130 Minuten des Filmes wird nicht nur ein zweifelhaft, unangenehmes Loblied auf einen sogenannten Helden des Krieges, sondern auf ganz Amerika gesungen. Dabei fehlt es dem Film neben einer wirklichen Handlung, einfach komplett an Selbstreflexion und die wenigen ansatzweise nachdenklichen Momente gehen in der üblichen "alle Orientalen sind böse"-Logik (oder Unlogik) unter. Die Machart steht dabei der dünnen Handlung in nichts nach. Das ganze Leben Chris Kyles von dessen Kindheit bis zum Eintritt in die Army, wird in sehr kurzen Abschnitten allenfalls angerissen. Das geht wie folgt: Vater schlägt Sohn, er geht zu den Navy SEALs, findet Frau, bumst Frau, heiratet Frau, schwängert Frau und ab in den Irak.
Die Zeit, die ihr zum Lesen dieser Aufzählung gebraucht habt, entspricht etwa der des Filmes und ist im Übrigen ähnlich spannend.
Die Verwendung des Begriffes Frau ist hier nicht sexistisch zu verstehen, aber die Rolle seiner Frau (Sienna Miller) ist so dünn und platt, dass sie vollkommen austauschbar bleibt. Gekrönt wird diese amerikanische Selbstbeweihräucherung nur vom Abspann des Filmes, in dem Originalaufnahmen von stolzen Amerikanern zu sehen sind die Ihrem Helden fahnenschwenkend die letzte Ehre erweisen.

American Sniper macht seinem Namen alle Ehre. Hier wird weitestgehend unreflektiert ein Held des Krieges glorifiziert, dessen Errungenschaft in der Tötung von über 160 Menschen bestand. Gekleidet in einer handwerklich, mittelmäßigen Uniform und mit einer der schlechtesten Babyattrappen, ein schrecklich unangenehmes Erlebnis.


4.7 von 10 Stars and Snipes

Academy Award Nominee

Best Motion Picture of the Year
Best Performance by an Actor in a Leading Role (Bradley Cooper)
Best Writing, Screenplay Based on Material Previously Produced or Published
Best Achievement in Editing
Best Achievement in Sound Mixing
Best Achievement in Sound Editing

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen