Mittwoch, 28. Januar 2015

Moon Knight #1: Aus dem Reich der Toten (Panini)

Moon Knight #1: Aus dem Reich der Toten (Panini)

Enthält Moon Knight (2014) #1-#6.

Einst war Marc Spector ein erbarmungsloser Auftragskiller, daher stammen auch seine ungeahnten finanziellen Mittel. Bei einem seiner Aufträge erkannte er jedoch das Unrecht, das er immer angerichtet hat und versuchte seine eigentlichen Opfer zu retten. Dabei wurde dann er selbst von anderen Killern ermordet. Das war während einer Archäologischen Ausgrabung und so lag seine Leiche am Fuße der Statue des altägyptischen Mondgottes Khonshu. Durch die Kraft der Gottheit kam er zurück ins Leben, legte sich den weißen Mantel der Götterstatue um und seitdem kennt man ihn als Moon Knight, einen erbarmungslosen Vigilanten, der das Böse im Auftrag des Gottes Khonshu bekämpft. Wegen seines psychisch sehr verkorksten Gesundheitszustands und wegen seiner äußerst brutalen Art der Verbrechensbekämpfung wird er von der Polizei und anderen Helden gemieden, was ihn jedoch nicht davon abhält gegen wahnsinnige Bullen, Geister-Punker, ehemalige S.H.I.E.L.D. Agenten oder andere auffällige Jungs zu kämpfen.

Seitdem der moralisch fragwürdige, weißbecapte Superheld Moon Knight 1975 zum ersten mal auftauchte, damals erdacht von dem genialen Autoren/Zeichner Duo Doug Moench (Simpsons Treehouse of Horror) und Don Perlin, bekam er nie die verdiente Aufmerksamkeit, war zugleich aber auch immer auf irgendeinen Weise so was wie ein hässliches Entlein. Das Moon Knight Konzept fand ich auf dem Papier immer recht spannend, bei der Umsetzung fehlte mir dann aber bei allen seinen Soloauftritten der letzte Funke, den es für mich gebraucht hätte. Als Supportingcharacter fand ich den Knight jedes mal gelungen.

Nun hat sich Warren Ellis (Supergod) den Charakter nach vielen anderen auch mal zur Brust genommen und sein Bestes versucht. Noch bin ich mir zwar nicht sicher inwiefern er es schafft den Charakter so auszubauen, dass man ihn auch als Solisten interessant finden wird, doch eins ist schon mal sicher: Neben “Hawkeye” und “Daredevil” wurde keine andere Figur in der letzten Zeit derartig treffend und modern neubelebt, ohne ihre klassischen Charakteristika zu sehr zu verfälschen. Ellis macht alles neu, wird aber wohl auch die meisten langjährigen Fans mit diesem neuen Volume nicht vergraulen. Die Reihe beginnt hier mit den ersten sechs Ausgaben, die zwar so etwas wie eine sehr dünne Rahmenhandlung haben, aber an sich völlig voneinander losgelöst gelesen werden können. One-Shots also, die aber dennoch eine sehr dezente fortlaufende Geschichte erzählen. Trotzdem sind die einzelnen Fälle komplex geraten, aber nie überladen. Das Pacing ist etwas ganz besonderes und traut sich vieles neues. Teilweise werden wir einfach ins kalte Wasser geworfen und beginnen mitten in der Handlung ganz besonders angetan bin ich von den abrupten Abschlüssen der einzelnen Kapitel. Viele hören nämlich einfach plötzlich auf. So muss man sich den letztlichen Ausgang einiger Situationen selbst denken.

Auch wenn es mir soweit sehr gefallen hat, bin ich mir noch nicht sicher ob die Figur auf längere Zeit eine eigene Reihe tragen kann. Bisher war es beste Comicunterhaltung, gleichzeitig inhaltlich aber auch teilweise etwas dünn. Dafür ist die optische Umsetzung durch Declan Shalvey (Dark Avengers) eine der coolsten und stylischsten die ihr zur Zeit bei den großen Verlagen finden könnt. Jedes Cover ist ein kleines Meisterwerk und jedes Kapitel ist vollgestopft mit intelligent aufgeteilten Seiten, rhythmisch abgestimmten Panels, perfekt passenden und trotzdem sehr untypischen Farben und und und… Innovativ, cool und turbulent würde ich auch noch gerne als Stichwörter in den Topf werfen.

Hab mich verdammt gut unterhalten gefühlt und freue mich schon sehr darauf, wenn es mit dem nächsten Band weitergeht. Wohl der einzige aktuelle Titel der für mich grad zur Pflichtlektüre wird.

8,9 von 10 entgeisterte Punker

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen