Donnerstag, 1. Januar 2015

Frau Müller muss weg! (2015)

Frau Müller muss weg! (2015)

Frau Müller muss weg! Soviel steht fest, als sich eine Gesandtschaft besorgter Eltern zu einem außerplanmäßigen Termin mit der Klassenlehrerin Frau Müller (Gabriela Maria Schmeide) zusammenfindet. Weil die Noten schlecht sind und am Schuljahresende die Entscheidung fällt, ob die Kinder den Sprung aufs Gymnasium schaffen, sind die Eltern (Justus von Dohnányi, Anke Engelke, Ken Duken, Mina Tander, Alwara Höfels) fest entschlossen, mit der Absetzung der Lehrerin zu retten, was noch zu retten ist – koste es, was es wolle!

Doch Frau Müller spielt nicht mit. Die Pädagogin fühlt sich nicht nur gekränkt sondern lässt sich auch dazu hinreißen, die Schwächen der Kinder zu thematisieren, deren Ursprung nicht im Schulalltag, oder gar in ihrer Lehrpädagogik zu finden sind. Aber grade Eltern von Grundschulkindern sind mehr als überzeugt das ihre kleinen die tollsten und wundervollsten Geschöpfe sein müssen und so brechen mit einem Mal bei den doch so perfekten Müttern und Vätern alle Vorbehalte und Ressentiments, Zweifel und Sorgen, Gehässigkeiten und Ängste hervor.

Die Adaption des klassischen Theaterstücks von Lutz Hübner in einen familienfreundlichen Unterhaltungsfilm, gelingt dem Regisseur Sönke Wortmann ("Ein Sommermärchen.", "Der bewegte Mann") dank eines kleinen Handlungsrahmens und dem angenehmen Ensemble durchaus überzeugend. Die Kritik am Bildungssystem, die sich jedoch viel mehr zu einer Kritik an moderner Erziehung entwickelt zieht sich als leitendes Motiv durch den Film. Dieser wurde gekonnt in einer städtischen Grundschule in Szene gesetzt, wodurch er mit einem beschränkten örtlichen Rahmen dem Minimalismus des Theaters näher kommt und die Ruhe entwickelt, sich mit seinen Charakteren auseinanderzusetzen. Das Ensemble aus aufgebrachten Eltern verkörpert vom jungen Pärchen, über die alleinziehenden bis zur karriereorientierten Mutter eine gesellschaftliche Mischung und dient dem Wiedererkennungswert. Beim überzogenen Humor und den mehr und mehr klar werdenden Verstrickungen zwischen den Eltern merkt man dem Drehbuch seine Bühnen-Herkunft allerdings an. Diese Momente sind zwar auflockernde Inseln in einem fast tragischen Rahmen sind aber teils recht abstrus.

Frau Müller muss weg! Ist ein überraschend gut adaptierter, deutscher Ensemblefilm der die Sorgen und Ängste junger Eltern beleuchtet und dabei an Humor und Moral nicht spart. Die knapp zwei Stunden vergehen dabei sehr zügig und der Zuschauer wird sich angenehm unterhalten fühlen.


7.8 von 10 verrückten Kakaoautomaten

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