Freitag, 18. Juli 2014

Baphomets Fluch 5 – Der Sündenfall (Koch Media)

Baphomets Fluch 5 – Der Sündenfall (Koch Media)

1989 gründete der damals junge Game Desiger Charles Cecil das Entwicklerstudio Revolution, um nach einigen weiteren Projekten im Jahr 1996 mit Baphomets Fluch den, bis heute beliebten, Grundstein für die Point‘n’Click-Adventurereihe zu legen. Viel ist seitdem passiert, die Transformation zum 3D-Adventure und einige Ableger und Ports für Konsolen, doch was die Fans wirklich wollten war ein weiteres 2D-Adventure mit ihren Lieblingen George Stobbart und Nicole Collard.

Aus diesem Grund nutzten Cecil und sein Team die Finanzierungsplattform „Kickstarter“, um Mithilfe der vielen Fans die Entwicklungen finanzieren zu können. Das Projekt war ein voller Erfolg und nun gibt es Baphomets Fluch 5 – Der Sündenfall sogar als lokalisierte Retailversion hier in Deutschland zu kaufen.
Das Abenteuer beginnt an einem weiteren Pariser Frühling, die schönste Jahreszeit in der Stadt der Liebe. Unsere Protagonisten treffen sich, wie zufällig, bei einer Ausstellung in der beschaulichen Gallerie „Le Lézard Bleue“. Die dort ausgestellten Kunstwerke sind bei Georges Arbeitgeber versichert, was ihn erneut nach Paris führt. Doch kurz nach der feierlichen Eröffnung betritt ein Unbekannter mit Motoradhelm den Ausstellungsraum und zieht eine Waffe. Ganz gezielt nimmt sich der gefährliche Räuber ein einziges Bild von der Wand, doch Henri der Galeriebesitzer stellt sich ihm in den Weg und wird dabei von einer Kugel tödlich verletzt. Dem Dieb gelingt die Flucht.
Das geraubte Bild, war nicht besonders wertvoll und doch haftet ihm etwas Besonderes an, es handelt sich um „La Maledicció“ (Der Fluch). Ein Gemälde, welches 1937 in der Zeit des Zweiten Weltkriegs von den Faschisten aus einer ländlichen Region in Spanien gestohlen wurde. Es zeigt in seinem Zentrum den Ouroboros, eine sich in den Schwanz beißende Schlage und das Symbol der religösen Vereinigung der Gnostiker. Der ebenfalls anwesende Priester Pater Simeon bezeichnet es als böses Werk des Teufels und auch hinter dem Verschwinden des Bildes scheint nach ersten Untersuchungen ein Insiderjob zu stecken. Ein weitreichends Netz aus Verschwörung, Kunstfälscherei und religiösem Kultismus bereitet sich vor Nico und George aus, welches sie und Menschen in ihrer Umgebung in immer größere Gefahren bringt. 

Die gut erzählte Geschichte erinnert wohl nicht zufällig an eine feine Mischung aus den ersten beiden Teilen der Serie in denen die Kults und Sekten auch bereits eine zentrale Rolle spielten. Das soll nun nicht bedeuten, es handele sich um eine einfache Kopie oder einen warmen Aufguss, vielmehr ist es eine liebevolle Referenz ohne dabei uninspiriert zu wirken. Die sich im Verlauf der Handlung immer weiter verdichtenden Verbindungen einzelner Ereignisse zu einem großen Gesamtkunstwerk sind weitest gehend nachvollziehbar und spannend erzählt. Eine Schwäche liegt meiner Meinung nach in der emotionalen Tiefe, die über eine oberflächliche Spannung nicht hinausgeht. Zwar sterben im Verlauf des Spieles eine ganze Reihe von Menschen, aber die Anteilnahme der Akteure an deren Ableben ist kaum spürbar, so dass Tod und Vergänglichkeit weitestgehend ausgeblendet werden. Ganz anders als beispielsweise im hervorragenden „Black Mirror“, in dem jeder weitere Mord den Protagonisten tiefer in die Verzweiflung treibt und eine drückende Grundstimmung erzeugt. Schade, dass hier eine Menge Potenzial für etwas tiefere Charakterentwicklung vergeben wird.

Die Steuerelemente folgen dem klassischen Prinzip eines 2D-Adventures. An der in den Neunzigern perfektionierten Steuerung der Baphomets Fluch-Reihe (ich klammer hier die 3D-Titel mal aus) lässt sich allerdings auch nicht mehr viel verbessern oder verändern. Letztlich gibt es ein Inventar in das ihr all den coolen Kram ablegt, den ihr mal locker in eurer Hosentasche verschwinden lasst und habt dieses immer mit einem Mausklick griffbereit. Die Interaktion mit der Umgebung erfolgt dann über einen kontextsensitiven Mauszeiger, der je nach Art des Objektes oder bei Gesprächspartnern die entsprechend sinnvolle Aktion ausführt, Verben wie in einstigen SCUMM-Zeiten gibt es nicht mehr. Wo wir von klassisch sprechen, Revolution bietet euch zwei Arten von Inventar und Mauszeigern an. Es gibt neben einer modernen hochaufgelösten Varianter der beiden, für Retrofans oder Freunde der früheren Titel auch das Originalinventar samt altem (pixeligen) Mauszeiger. Ihr habt jederzeit im Menu die freie Wahl, eine nette Idee wie ich finde.

Was beim Rollenspiel die Charakterentwicklung und beim Strategiespiel die KI ist, ist beim Adventures die Rätselgestaltung. Alles basiert darauf sich durch Kombination von Gegenständen, Interaktionen oder durch kluge Gespräche einen Weg durch die Welt zu bahnen. Der Sündenfall gefällt mir in dieser Disziplin gut, er hat kluge und vor Allem logische Kombinationsketten, die zwar manchmal etwas schräg sind (eine Kakerlake + Marmelade und eine Büroklammer) aber nie so sehr, dass diese unlösbar werden würden. 

Gelockert wird das Ganze durch kleine minispielähnliche Aufgaben, wie das Reparieren einer Schaltung oder die Entschlüsselung einer geheimen Botschaft. Besonders diese Aufgabe benötigt ein wenig Gehirnschmalz und die ein oder andere Notiz, kann aber durchaus gelöst werden und erschien mir im Test nicht als unfair.
Bereits in der Planungsphase für das Kickstarterprojekt standfest, Baphomets Fluch 5 wird wieder ein richtiges 2D-Adventure mit aufwendig gestalteten Hintergründen. Besonders in dem Bereich wurde nicht zu viel versprochen, die in mehreren Phasen handgezeichneten und anschließend digital kolorierten Hintergründe sind wunderschön anzusehen und enthalten jede Menge kleine Details. Grade letzteres ist sehr wichtig, da zu Gunsten des Selbstentdeckens entschieden wurde auf eine Hotspot-Funktion (ein Mechanismus der alle wichtigen Objekte im Bild markiert) zu verzichten. Die Charaktere selbst sind nicht in reinem 2D sondern wurden in 3D modelliert und fügen sich dabei durch ein gutes Beleuchtungssystem angenehm in die Hintergründe ein. Leider scheint das Budget für die Animationen dann doch etwas knapp gewesen zu sein, denn oft werden in Gesprächen die gleichen Gesten verwendet oder bestimmte Handlungen wirken schlicht abgehakt und hätten ein paar Frames mehr gebraucht um wirklich flüssig zu sein. Das trübt den sonst sehr guten visuellen Eindruck leider ein wenig.

Wenn eines der zentralen Elemente die Kommunikation mit den vielen redseligen Mitmenschen darstellt, so ist es besonders wichtig eine angenehme und professionelle Synchronisation zu bieten. Jeder Charakter hat seine eigene markante Stimme und es wurden eine Reihe bekannter Sprecher für die Vertonung gewonnen, besonders schön ist dabei, dass George Stobbart wieder die altbekannte Stimme von Alexander Schottky bekommt wohingegen Nico dies mal von Petra Konradi gesprochen wird. Sie macht ihre Sache durchaus gut, aber ich habe doch ab und an das markant rauchige von Franziska Pigulla vermisst.


Das Spiel ist in Deutschland in zwei unterschiedlichen Versionen zu haben, wobei sich diese nicht inhaltlich aber durch den Umfang der coolen Goodies unterscheiden. In der Standard Version erhaltet ihr neben dem Hauptspiel (wow, wer hätte das gedacht) noch den offiziellen Soundtrack und ein kleines Heftchen mit den großartigen Artworks des Spiels. In der Collectors Edition legt der Verlang ein Poster und alle bisher erschienenen Baphomets Fluch-Spiele bei! Noch eine Anmerkung, da die Spiele hauptsächlich über Steam vertrieben werden ist ein Steam-Account und eine Aktivierung zum Spielen zwingend erforderlich. Eine Maßnahme die ich nicht besonders schön finde, wenn man schon zur Retail-Version greift. 

Baphomets Fluch 5 ist eine sehr schöne Fortsetzung der zu Recht beliebten Baphomets Fluch Serie. Es knüpft dabei mit seiner zeitgemäß, malerischen Optik vollkommen an die ersten Teile an und so manche Ecke wird einem überausvertraut erscheinen. Die Rätsel sind gut gelungen, nicht zu komplex und auf nervige Minispiele wurde verzichtet. Die Geschichte um das seltsame Gemälde und seine Verbindung zu russischen Oligarchen, Kunstfälschern und den Gnostikern, ist spannend erzählt und bleibt über die gesamte Spieldauer von ca. 15 Stunden interessant.

8.2 von 10 sündigen Sektenmalern
 

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