Donnerstag, 17. Juli 2014

East of West #1 (Panini)

East of West #1 (Panini)

Das Jahr 2046. In einem Steinkreis in der Wüste erheben sich drei Figuren aus der Erde, augenscheinlich Kinder, die aber mehr zu sein scheinen. Älter und gefährlich.
Es sind drei der vier apokalyptischen Reiter, wiedergeboren in junge Körper. Tod, der vierte im Bunde, fehlt allerdings. Er hat sich der Rejuvenilisierung entzogen und schreitet weiter im Körper eines Erwachsenen durch die Welt, auf der Suche nach den Menschen, die ihm in der Vergangenheit etwas angetan haben.

Den Plot von „East of West“ genauer zu beschreiben würde nur in massivem Spoiler-Einsatz enden. Daher bleibe ich bei dieser kurzen Einleitung.
Denn eben diese Handlung ist es, die den Reiz von Jonathan Hickmans (The Manhattan Project) Reihe ausmacht. Die Welt die er erschafft, lässt sich am ehesten als dystopische, Science-Fiction/Western Welt beschreiben, die durchzogen von Mythologie und biblischen Anspielungen ist.
Allein diese Welt an sich bietet schon jede Menge Aspekte, die die Lektüre von „East of West“ interessant macht. Die geschichtlichen Entwicklungen, die kurz angeschnitten werden, können als Alternativ Historie durchaus überzeugen und als Leser möchte man gerne mehr erfahren, wie die Welt, die uns präsentiert wird, entstanden ist und welche Entwicklungen sie zu dem gemacht hat, was sie ist.

Aber das tollste Setting kann nicht bestehen, wenn die Geschichte nichts taugt. Hier sei aber Entwarnung gegeben. Die Story weiß nach einigen Startschwierigkeiten auf voller Linie zu überzeugen.
Die verschiedenen Elemente die Hickman einsetzt ergänzen sich zu einer sehr eigenen Mischung, die schwer zu beschreiben ist. Das Westernsetting gepaart mit den Science-Fiction Elementen ist jetzt an und für sich nicht das allerneueste, aber durch das Hinzufügen, der apokalyptischen, mystischen, spirituellen und biblischen Anspielungen  ergibt sich ein viel komplexeres Bild.
Eine Geschichte um Liebe, Rache und das Ende der Welt. Darauf könnte man es reduzieren und würde mit dieser Umschreibung dem Ganzen überhaupt nicht gerecht werden. Denn diese Geschichte, diese Welt und ihre Charaktere sind alle viel größer, als es eine Beschreibung meinerseits auch nur erahnen lassen könnte.
Lasst euch einfach gesagt sein, dass die Faszination, die sich nach kurzer Lesezeit einstellt auch über die zweite Lektüre hinaus noch weiter anhält.


Gut, nun sind Comics vor allem auch eine visuelles Erfahrung. Und so kommen wir zu meinem einzigen Kritikpunkt an „East of West“. Um es kurz zu sagen: Ich mag die Zeichnungen und die Kolorierung nicht besonders. Das ist im ersten Moment natürlich schon sehr ärgerlich, wenn man bedenkt, wie angetan ich von der Geschichte bin.
Und es ist jetzt auch nicht so, dass die Zeichnungen von Nick Dragotta grauenhaft sind. Die grundsätzlichen Designs und Designideen sind wirklich cool und auch die Bildkompositionen sind auf einem hohen Niveau anzusiedeln. Aber leider gibt es dann einen Punkt, der wirklich unangenehm heraussticht: Ein Großteil der Gesichter sieht wirklich furchtbar aus. Die Proportionen stimmen manchmal einfach nicht und wirken dadurch sehr schnell befremdlich in dem Maße, dass es einen beim Lesen kurzzeitig rausbringt.
Gerade der Charakter Xiaolian und ihre Sippe haben darunter zu leiden. Aber nicht nur die, sondern auch viele Charaktere, vor allem wenn sie als frontales Close-Up gezeigt werden, sehen äußerst merkwürdig aus.
Hinzu kommt die Kolorierung von Frank Martin die für meinen Geschmack etwas zu „künstlich“ wirkt.
Wie gesagt sind Zeichnung und Kolorierung nicht schlecht und es gibt einige echt schöne Designs und Panels zu sehen, nur insgesamt hab ich leider immer wieder das Gefühl, dass das Artwork nicht mit der Geschichte mithalten kann, was bei mir immer für ein Ungleichgewicht und getrübten Lesespaß sorgt. Allerdings sei gesagt, dass das nur eine reine Geschmacksfrage ist und ich bin mir sicher, dass gerade die Zeichnungen und die Kolorierung viele Freunde finden werden, gerade, da es eben nicht der Mainstream Stil ist. Was mir eigentlich auch sonst immer sehr sympathisch ist, aber in diesem Fall meinen Geschmack leider nicht getroffen hat.
Erschienen ist das Trade mit den ersten 5 Ausgaben bei Panini und sieht auch echt schick aus, bietet aber jetzt aber abseits der 5 ersten Ausgaben keine Extras. Muss auch nicht sein, denn der Comic spricht für sich selbst.
Man muss sich ein wenig Zeit nehmen, bis die Geschichte einen wirklich packt, wenn es aber soweit ist, lässt sie einen auch nicht mehr los. Kleinere Abstriche muss ich halt beim Artwork machen, dass zwar in sich stimmig ist, aber dennoch zu viele, mich störende Elemente enthält.
Nichtsdestotrotz auf jeden Fall einen Blick wert und ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Band.

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