Montag, 21. Juli 2014

Hawkeye Megaband #1 (Panini)

Hawkeye Megaband #1 (Panini)

Enthält die US-Hefte Hawkeye #1-#11.

Hawkeye: Clint Barton, ein meisterhafter Zirkusbogenschütze und Waisenkind. Auch bekannt als Ronin oder Goliath. Tätig bei den Avengers, Defenders Thunderbolts und unzähligen weiteren Superheldenorganisationen. Liiert war er schon mit Black Widow, Spider-Woman und Mockingbird. Aber auch mit ein paar anderen Damen und sogar mit seinem Schützling Kate Bishop, von den Young Avengers, scheint sich manchmal etwas anzubahnen. Ansonsten führt Clint, für seinen Nachbarn Grills nur “Hawkguy” - wie der Typ aus M*A*S*H - ein überraschend normales Leben. Mit vielen anderen Gescheiterten lebt er in einem heruntergekommenen Hochhauskomplex in den dunklen Ecken Manhattans. Keine Bleibe, die eines Avengers würdig ist, aber wenigstens kennt ihn dort Niemand und eigentlich sind die anderen Bewohner auch ganz nett. Nach einem Auftrag und darauffolgenden längerem Krankenhausaufenthalts kommt er gerade noch rechtzeitig zurück um mitzubekommen, wie sein Ballonseidener Vermieter die Miete verdreifacht hat und die alten Mieter rausschmeißt. Sofort unterbindet Hawkeye das skrupellose Verhalten der Rausschmeißer, gerät dabei aber selbst an nur noch viel mehr Ärger.

Im Zuge dieses Ärgers kommt er zufällig an einen kleinen Hund, passender Weise auf den Namen Arrow getauft und nicht nur der Hundie, sondern auch Kate, die ihn einst vertrat, greifen ihm unter die Arme. Als Rächer ohne Superheldenfähigkeiten und nur mit ein paar Scherzpfeilen bewaffnet, kann er auch jede Hilfe bitterlich gebrauchen. Schon allein der private Stress mit all seinen Exen ist ein wahrer Jammer. Hinzu kommen noch osteuropäische Kredithaie, die vor nichts zurückschrecken, Hydra, Hand, Madama Masque und einige andere Schurken wollen ihm ebenfalls was auswischen und sogar die Chefetage von S.H.I.E.L.D. hat ein Hühnchen mit ihm zu rupfen. Zudem erwartet euch noch ein gefährlicher Ausflug auf die asiatische Insel Mardipoor, eine lebensbedrohliche Überschwemmung und ein Hund ermittelt auf eigenen Pfoten.

Hawkeye ist absolut nicht mein Typ. Als Supportcharakter kann man Clint ja immer mal gebrauchen, aber wenn seine Tätigkeiten federführend werden, bleibt große Spannung jedenfalls für mich meist aus. Matt Fraction hat sich den kraftlosen Avenger nun aber mal vorgenommen und völlig umgekrempelt. Anstatt so zu tun, als wären seine Trickpfeile das größte auf der Welt und er ein unglaublich harter Typ, zeigt man einen normalen Mann, der durch sein Talent mit Pfeil und Bogen Teil der Rächer wurde. Als solcher hat er natürlich ganz schön viele Probleme mit den “richtigen” Superhelden mitzuhalten. Seine Heldenarbeit verkommt dadurch oftmals zur Nebensache. Stattdessen geht es darum, wie ein ganz normaler Typ auf diesem harten Pflaster überlebt. Dass er es sich zugleich auch noch mit all seinen Exfreundinnen und anderen Unterstützern gerne mal verscherzt, macht die Sache natürlich nicht einfacher.

Die Geschichte wird so mehr zu einer Mischung aus Agententhriller, sperriger Liebesgeschichte und zynischen Nerdhumor. Fraction macht sich dabei gleichermaßen über das gesamte Marvel Universum lustig, wie auch über Hawkey und die Avengers im speziellen. Genauso bekommen gängige Heldenklischees und nervige Popkulturtrends ihr Fett weg. Allerdings geschieht das ganze nicht böswillig sondern mit einem liebevollen Augenzwinkern. Fraction mag was er veralbert und genau deshalb weiß er wann und wo er ein paar Schalter anders umlegen muss als seine Kollegen. Das Ergebnis ist ein Hawkeye der plötzlich zu einem der spannendsten Marvel Charakter zur Zeit wird und zusammen mit Daredevil vom Niveau und der Klasse her mit riesigem Abstand die Speerspitze der intelligenten Mainstreamcomicunterhaltung darstellt.

Ebenso viel zum Erfolg dieser Reihe trägt David Aja (Thor: Triumph) bei, der Seite für Seite eine unfassbar gute Arbeit abliefert. Viele kleine Panel in Panel Mosaike verdeutlichen jede Bewegung superflüssig, wenn Clint den Bogen zur Hand nimmt werden innerhalb eines Panels verschiedene Bewegungsstadien wie Key-Animations Schemenhaft dargestellt und es gibt sogar eine Ausgabe in diesem Band, die komplett mit Emoticons dargestellt wird, da diese aus der Sicht des Hundes erzählt wird. Optisch quillt dieser Megaband nur so vor intelligenten Ideen über. Auf jeder Seite sind lustige Details oder clevere Feinheiten zu finden. Man kann über Ajas Arbeit hier wirklich lange und ausgiebig jede Kleinigkeit loben. Etwas negatives ist mir beim besten Willen nicht aufgefallen. Davon, dass Hawkeye wohl zum ersten mal in seiner Karriere den Bogen so hält und spannt wie ein echter Meisterschütze es tun würde, muss man da eigentlich gar nicht erst anfangen.

Man sagt, viele Köche würden den Brei verderben und oftmals stimmt das wohl auch. Hier sind neben Aja noch Javier Pulido, Steve Lieber und Annie Wu für die Zeichnungen zuständig gewesen. Doch auch trotz deren verschiedenen Stile, kann Matt Hollingsworth als Farbgeber der Reihe einen homogenen Look verpassen. Nur #10 hüpft etwas aus der Reihe. Diese wurde von Francesco Francavilla gezeichnet, wie auch koloriert. Sieht anders aus, aber auch ziemlich cool und passt zu der speziellen Ausgabe.

Die neueste Inkarnation von Hawkeye ist kein typischer Heldencomic und wird daher auch nicht jedem gefallen. Wer aber nicht nur seinen Superheldenfetisch pflegen möchte, sondern ernsthaft Interesse an Comics als Kunstmedium hat und zudem noch innovativ und intelligent unterhalten werden möchte sollte unbedingt mal reinlegen. Unbedingt.

9,7 von 10 Pfeile in der Satellitenschüssel

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen