Freitag, 11. Juli 2014

Deadpool - Tote Präsidenten (Panini)

Deadpool - Tote Präsidenten (Panini)

Ein verrückter, patriotischer (Moment, ist das nicht dasselbe?) Nekromant ist nicht glücklich darüber, wie sich Amerika entwickelt. Um das Land der unbegrenzten Möglichkeiten wieder in richtige Bahnen zu lenken erweckt er die verstorbenen Präsidenten wieder zum Leben.  Die wollen das Land natürlich nur zu gerne wieder in eine andere Richtung bringen, haben dafür aber einen ganz eigenen Plan: Alles zerstören und auf den Ruinen ein neues Land errichten.
Klar, dass diese Vorgehensweise nicht auf viel Gegenliebe stößt. SHIELD befürchtet natürlich völlig zu Recht ein PR-Desaster. Zeit, um einen Helden auf die Präsidenten anzusetzen. Nur doof, dass es sicher nicht gut bei der Öffentlichkeit ankommt, wenn Zombie Präsidenten Geschnetzelt werden. Also muss jemand her, der sowieso schon schlecht von der Öffentlichkeit aufgenommen. Auftritt Wade Wilson, alias Deadpool!

Wenn Marvels „Merc with a Mouth“ auf tote Ex-Präsidenten trifft, dürfte jedem klar sein, dass hier kein Stein auf dem anderen bleibt.
Denn ebenso unkonventionell wie Wade selbst verhalten sich auch die amerikanischen Landesväter. Theodore Roosevelt beispielsweise ist als passionierter Hobby-Jäger sogleich im nächsten Zoo auf Großwildjagd und prügelt sich dabei schon mal mit nem Bären. Abraham Lincoln wollte schon immer mal die Rolle John Wilkes Booth einnehmen und erfüllt sich diesen Wunsch zugleich und John F. Kennedy fällt auf eine falsche Marylin Monroe rein.
Alles herrlich respektlos, mit schlechtem Geschmack versehen und total überdreht. Also alles, was ein Deadpool Comic braucht.

Allerdings bringt dieser Humor auch ein paar Probleme mit sich. Und diese sind vor allem in der deutschen Übersetzung zu finden.
Humor dürfte eine der schwierigsten Aufgaben eines Übersetzers sein. Man steht immer vor der Entscheidung einen Witz wortwörtlich zu übersetzen, wobei oftmals schon viel Flöten geht, gerade, wenn es um Wortspiele geht. Oder der Witz baut auf Anspielungen auf, die nicht jeder verstehen dürfte.
Oftmals müssen Übersetzer in diesen Fällen in die eigene Witze-Kiste greifen, was oft zu katastrophalen Ergebnissen führen kann.
Die undankbare Aufgabe fiel in diesem Fall Michael Strittmatter zu. Der schlägt sich recht passabel, aber für meinen Geschmack schießt er sich zu sehr auf in Deutschland leichter verständlichen Humor ein. Nicht nur, denn einige Anspielungen bleiben erhalten, insgesamt aber habe ich das Gefühl, dass hier ein wenig zu verkrampft gearbeitet wurde. Irgendwie wirkt der Humor stellenweise unpassend. Also klar, Deadpools Humor ist IMMER unpassend, deshalb lieben wir ihn ja so, ich meine damit, dass der Humor stellenweise nicht zu Deadpool passt.
Allerdings ist Humor immer auch Ansichtssache und als Übersetzer kann man es eh nie allen recht machen. Trotzdem Respekt für die Mühe die da wohl eingeflossen sein dürfte. Mich hats nur leider nicht erreicht und zum Teil ein wenig rausgebracht.

Nichtsdestotrotz ist „Tote Präsidenten“ ein großer Spaß. Dafür ist die Geschichte einfach zu gut und zu abgedreht und man kann ihr sogar einen gewissen Lerneffekt nicht absprechen. Jedenfalls wird man am Ende wesentlich mehr US-Präsidenten kennen, als ein durchschnittlicher Mitteleuropäer vor der Lektüre.

Großes Lob gilt auch Tony Moores Zeichnungen, die dynamisch und detailreich daherkommen  und teilweise den Gorefaktor in die Höhe schnellen lassen. Aber klar, bei nem Charakter, dem man alles antun kann ohne ihn zu töten kann man sich schon mal austoben.

„Tote Präsidenten“ macht trotz einiger kleiner Schwächen wirklich viel Spaß und ist auch für Deadpool- Anfänger wunderbar geeignet. Da kann man gerne mal nen Blick riskieren.

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