Mittwoch, 10. Oktober 2012

Inazuma Eleven Strikers (Wii)

Inazuma Eleven Strikers (Wii)

Die Inazuma Eleven-Reihe geistert nun schon seit 2008 auf Konsolen, im Fernsehen und in Mangas herum. Level 5 hat hier ein kleines Universum um das Fußballteam der Raimon Jr. High und im Speziellen um den talentierten Torwart Mark Evans erschaffen. Freundschaften werden geknüpft, neue Techniken antrainiert und hoffentlich auch gegnerische Teams in den Boden gestampft. Sind die Veröffentlichungen für die DS-Konsolen recht rollenspiellastig, bietet Inazuma Eleven Strikers nun hauptsächlich Action. Mit über 150 Charakteren kann man gegen verschiedene Teams aus der Reihe oder gegen 3 Freunde antreten. Aber verkommt das Spiel zu reinem Rumgebolze oder hat es immer noch die nötige Tiefe, um sich eine Sonderstellung zu sichern?

Kickers 2.0

Der erste Kontakt mit der Inazuma Eleven-Reihe wird bezüglich des Settings unweigerlich Assoziationen mit Kickers und Captain Tsubasa hervorrufen. Generell ist das nichts Schlechtes, sollte aber verdeutlichen, dass während der konkreten Spiele relativ wenig Fußball gespielt werden wird. Zwar steuert man die Spieler genau so wie in den meisten anderen Fußballspielen auch, aber durch die Spezialfähigkeiten werden immer wieder kleine Videosequenzen gezeigt, die das Spiel mehr oder weniger unterbrechen. Interessanterweise funktioniert die Suggestion von rasantem Geschehen gerade in den ersten Spielstunde ganz prächtig, obwohl der Spieler nur - nicht mal notwendigerweise geschickt - einen Knopf gedrückt hat.

Das Clubhaus in 4D

Nicht falsch verstehen! Das Clubhaus ist nur in der Einzelspielerkampagne nutzbar und hat nichts damit zu tun, dass man das Spiel auch zu viert spielen kann. Dafür kann das Clubhaus durch die Zeit springen, denn man kann die Jahreszeit einstellen. Toll...und reichlich nutzlos.
Aber mal ernsthaft. Das Clubhaus ist Sammel- und Startpunkt für die Kampagne. Hier kann man sein Team verwalten, also die Aufstellung ändern, Spezialfähigkeiten auswählen und Berater oder Trainer wechseln. Desweiteren ist es möglich weitere Spieler, die man in der Kampagne freigespielt hat, anzuwerben und sie in das bestehende Team zu integrieren. Die dafür nötigen Inazumapunkte erwirtschaftet man mit jedem gewonnenen Spiel.
In der Kampagne tritt man im Turnier gegen immer stärkere Teams an, was zum Schluss schon gut fordernd sein kann, wenn man nicht ausreichend mächtige Spezial- bzw. Kombitechniken der Spieler freigeschaltet hat.

Trickreich

Um die Techniken freizuschalten, müssen die Spieler genug Training bekommen und für die Kombitechniken gut befreundet sein. Sobald die Spieler auf dem Feld sind, verdienen sie sich Trickpunkte, die sich auf die Techniken auswirken. So wirklich Einfluss, welche Techniken freigeschaltet werden, hat man nicht. Man kann jedoch bei manchen Spielern aus einem beschränkten Angebot wählen.

150 Freunde

Wird die Freundschaft zwischen den Spielern enger, verbessern sie zum einen gegenseitig ihre Grundfähigkeiten wie z.B. Fangen oder Schießen, zum anderen kann auch eine Kombitechnik freigeschaltet werden. Diese kann dann auf dem Feld genutzt werden, wenn beide Spieler die passenden Trickpunkte haben und ihre Inazumaleiste voll ist. Sobald die Spieler sich treffen, wird die Option zur Kombitechnik angezeigt.
Etwas blöd an den Kombitechniken ist, dass man letztlich keine Ahnung hat, welche Freundschaft einen Mehrwert für das Team bedeuten könnte.
Sowohl Trickpunkte als auch Freundschaftspunkte werden in der Kampagne, in Freundschaftspielen mit schon besiegten Teams und dem Training gesammelt.

Übung macht den Planetenhagel

Das Training im Clubhaus umfasst fünf Mini-Spiele, die wenig Geschick und ein bisschen Triggern oder Timing bedürfen. Die Spiele sind ab und zu ganz spaßig und können auch während der Einzelspielerkampagne zu viert gespielt werden. Das ist eine sehr löbliche Idee, da alleine zu grinden sehr nervig ist. Der Fortschritt ist teilweise nur minimal oder, wenn man Glück hat, gar nicht vorhanden.

Feuervogel! Kaiserpinguin I ! Eeeeendlooosmaaaaauoooooooorrrrr!!

Die Spezialtechniken sind immer übertrieben und reichen von eher einfallslos wie einer Tsunamiwelle oder einer Erdmauer zu herrlich kaputt wie Kaiserpinguine, die sich erst an die Waden des Spielers heften und dann mit dem Ball wegschießen. Die Techniken sind allesamt den Elementen Feuer, Wind, Erde und Holz zugeordnet. Jenachdem welche Elemente aufeinandertreffen hat dies Einfluss auf die Effektivität der Techniken. Leider ist die Zuweisung der Elemente nicht immer allzu logisch.
In Szene gesetzt sind die Zwischenspieler ganz im Stil der Animes, was durch das leichte Cel Shading auch wunderbar klappt. Allerdings kommt auch mal wieder das fehlende Anti-Aliasing der Wii zu tragen, so dass die Kanten doch gerne mal unschön aussehen.

Das war doch kein Abseits!?

Natürlich hat sich seit World Cup einiges getan, aber die grundlegende Spielmechanik hat einen hohen Ermüdungsfaktor, sobald die Begeisterung für die Spezialtechniken abgeklungen ist. Zwar ist ohne die Techniken kein erfolgreiches Spiel möglich, dennoch versucht man, nur mit Taktik und Geschick hin und wieder einen Ball ins gegnerische Tor zu wieseln. Meist bleiben die Versuche jedoch in den recht groß geratenen Einzugsbereichen der Spezialtechniken hängen, so dass man sich von Einspieler zu Einspieler hangelt, ohne auch nur ansatzweise Fußball zu spielen. Dass währenddessen auch gerne mal fälschlicherweise Abseits gepfiffen wird, frustet noch zusätzlich.

Spaß zu viert

Inazuma Eleven Strikers bietet natürlich auch einen Multiplayer-Modus. Neben dem gemeinsamen Training kann man ein Freies Spiel oder ein Turnier nach dem K.O.-System spielen. Hierbei stehen alle freigeschalteten und die selbst zusammengestellten Teams zur Verfügung. Nett ist die Idee, dass man sein Team auf eine Wiimote übertragen und mitnehmen kann. Leider fehlt ein Online-Modus gänzlich.
Im Multiplayer können sich die Mitspieler frei auf die spielenden Teams verteilen und auch ihre Spielweise auswählen. Es ist nämlich möglich, auf „normale“, also aktive Weise im Geschehen mitzumischen oder als Trainer oder Manager durch Anweisungen Einfluss zu nehmen. Hierzu wird dann doch tatsächlich die Wiimote wie eine Wiimote verwendet!
Leider kann auch der Multiplayer genau wie der Rest des Spiels nur für eine kurze Zeitspanne begeistern, bis erstmal wieder eine Pause nötig ist.

Inazuma Eleven Strikers macht für die Dauer der Kampagne durchaus Spaß. Für Fans der Serie sicherlich ein Muss, für alle anderen bietet es dann aber doch zu wenig Tiefe, um wirklich länger zu fesseln. Das Erlernen der Techniken wird irgendwann eher eine Plage und motiviert nur wenig, was das konkrete Spielgeschehen nur bedingt ausgleichen kann. Ab und zu einen Richterspruch auslösen schadet aber nicht.

6 von 10 Lendenschnitte