Mittwoch, 8. Oktober 2014

The ABC's of Sex Education for Trainable Persons (1975)

The ABC's of Sex Education for Trainable Persons (1975)


Ein Kurzfilm, der Therapeuten, Lehrern, Eltern und Erziehern beibringen soll, wie man “Menschen mit Lernschwierigkeiten” (wie man Menschen mit einer geistigen Behinderung respektvoll nennt) sexuell richtig erzieht. Es wird gezeigt wie man ihnen erklärt welche Formen des verbalen und körperlichen Verhalten in der Öffentlichkeit und anderen Menschen gesellschaftlich nicht akzeptabel ist, wie man sie am besten über Verhütung und Schwangerschaftsplanung aufklärt und wie sie sich vor sexuellen Übergriffen schützen, da sie natürlich von potentiellen Tätern als leichte Beute angesehen werden.

Puh! Hierbei handelt es sich um einen 20-minütigen Lehrfilm von Hallmark Films. Regie führte Max Brecher, der auch noch zwei weitere Lehrfilme zum selben Thema hervorgebracht hat. Vor diesem Kurzfilm habe ich mir noch nie über dieses Thema Gedanken gemacht. Wenn man jedoch darüber nachdenkt ist natürlich klar, dass auch Menschen mit Lernschwierigkeiten aufgeklärt werden müssen. Also ein wenig beachtetes Thema, das sicherlich auch heute noch recht vielen Tabus unterliegt. Damals wird dieser Short wohl relativ bahnbrechend gewesen sein, somit auch ein mutiges Werk. Durchaus wichtig und alle Beteiligten, inklusive dem Schauspieler Richard Dix, nehmen das Thema verdammt ernst.

Was allerdings einmal ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung war, wirkt heute schrecklich überholt und gleichzeitig leider auch sehr unfreiwillig komisch. Neben dem extrem hölzernen Darstellern, der handwerklich eher schwachen Umsetzung, lässt vor allem die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema euch die Fußnägel hoch rollen. Aus heutiger Sicht ist der Short zwar für damalige Standards ein Schritt in die richtige Richtung, heute ist es aber einfach unmöglich Menschen Trainables zu bezeichnen, als Mensch die zwar nicht wirklich verstehen können, denen man bestimmtes Training allerdings antrainieren kann. Zum anderen wird, wie so oft bei dieser Art der Pflegeberatung, eher die “Verwaltung” dieser Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Viel Zeit verbringt man damit den Betroffenen anzutrainieren, dass sie nicht negativ auffallen, irgendwie aus dem Rahmen fallen. Erst danach beschäftigt man sich mit der eigentlich Aufklärung und Informationen, die sie schützen sollen.

Eine interessante, teilweise schockierende Zeitkapsel, die einen seltenen Einblick in die damalige Arbeit mit Menschen mit Lernschwierigkeiten erlaubt. Aus heutiger Sicht aber auch ein archaischer, unsensibler und völlig unkorrekter Versuch sich mit dem Thema auseinander zu setzen.

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