Freitag, 24. Oktober 2014

Hände voller Blut (1971) [Anolis]

Hände voller Blut (1971) [Anolis]


Mit nur drei Jahren schon musste die kleine Anna (Angharad Rees) mit ansehen, wie ihr Vater, der sich damals als der berüchtigte Whitechapel Killer Jack the Ripper herausstellte, ihre Mutter tötete. Dabei kam allerdings auch der Ripper ums Leben. Noch in seinen letzten Atemzügen nahm er seine Anna ein letztes mal in die Arme und drückte ihr einen Kuss auf. Durch diese letzte Erinnerungen beherrschte ihr Vater ihre dunklen Alpträume bis sie zur jungen Frau herangewachsen war. Aus ihrer Not heraus muss sie ihren Körper verkaufen, doch da kommt etwas von ihrem Vater in ihr zum Vorschein. Nicht nur einmal ergreift sie einen spitzen Gegenstand und führt die Taten ihres Vaters vor. Der wohlwollende Psychiater Dr. John Pritchard (Eric Porter) nimmt sich ihrer an. Anstatt sich weiter als Dirne zu verkaufen, darf sie bei ihm Daheim wohnen und er versucht sie zu therapieren. Doch vielleicht leidet die traumatisierte Anna nicht nur unter dem psychologischen Erbe ihres Vaters. Es könnte ja wirklich etwas böse von damals in ihr sein.

“Hände voller Blut” oder wie der Film im englischen Original heißt, “Hands of the Ripper” ist eine der weniger bekannten Produktionen der Hammer Studios. Was ich teilweise auch nachvollziehen kann. Wie alle Hammer Outputs ab Anfang der Siebziger gab es einen Konflikt. Sollte man die alte Generation ansprechen. Die Filmfans, die Hammer durch ihre Liebe zu der Dracula und der Frankenstein Reihe zum Genrekönig machte oder werft man sich an eine neue, jüngere und vor allem kaufkräftigere Generation heran. Die Filmindustrie damals hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon weitläufig vom Gothic Horror abgewandt und präsentierte eine neuen, wilderen Generation Filme mit mehr wumms. Statt Spinnenweben und gruseligen Schlössern standen krasse Action, die ersten Slasher und vor allem Sleaze und Exploitation im Mittelpunkt.

Peter Sasdy (Wie schmeckt das Blut von Dracula?) schafft den Spagat hier ziemlich gut. Schon in den ersten Minuten kombiniert er alte, gute Werte, wie eine dichte Atmosphäre, hübsche Sets, glaubwürdige Kostüme sowie Ausstattung und talentierte Darsteller, mit blutigen Tötungsszenen, modernen Effekten und auch ein etwas anrüchiger Flair ist nicht von der Hand zu weisen. Angharad Rees war mir vor diesem Film noch gar nicht bekannt, aber sie spielt ihre Rolle hier wirklich gut. Noch besser hat mir jedoch Eric Porter (Bestien lauern vor Caracas) gefallen, der durchaus dazu in der Lage ist, dem Freudianer die nötige Tiefe und Mehrschichtigkeit zu verleihen. Einen kurzen dafür aber eindrucksvollen Auftritt legt auch noch Lynda Baron (Doctor Who) hin, die hier Long Liz spielt, eine der Prostituierten die der Ripper damals wirklich tötete.

Ansonsten gefällt mir das gemächliche Tempo, das aber dennoch den Film nie zum stillstand bringt. Spannung ist eigentlich immer vorhanden, da der Geist des Rippers zu jeder Zeit durchkommen kann. Zudem ist das Konzept um Rippers Erbe nicht annähernd so kitschig wie es sich zuerst anhören mag. Zu aller letzt muss man sich einmal mehr in die hübschen Kulissen verlieben, die ein düsteres Gothic London erschaffen, gleichzeitig aber nicht zu sehr nach dem manchmal altbackenen und zu sehr bekannten Hammer Look aussehen, ohne aber die eigene Herkunft zu verheimlichen.

Für Hammer puristen vielleicht zu modern, für die noch sehr jungen Horrorfans dann stellenweise vielleicht doch zu altbacken, ich würde jedem Interessierten aber auf jeden Fall einen Blick riskieren lassen. Für einen Ripper Film sowieso ungeahnt erfrischend.

Die Blu-ray von Anolis ist erneut qualitativ so gut ausgefallen wie man es von solch einem angesehenen Label erwarten darf. Bild und Ton sind einwandfrei und es gibt sehr, sehr viele Extras. Es gibt schon allein zwei Audiokommentare und zwar einen deutschen von Dr. Rolf Giesen und Ivo Scheloske und ein englischsprachiger mit der leider 2012 verstorbenen Angharad Rees, Stephen Jones und Kim Newman. Dazu kommen unter anderem noch die Doku “The Devils Playground”, ein Interview mit Peter Sasdy und viele Trailer, TV-Spots, Galerien und so weiter. Top! Unterstützen!

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