Dienstag, 7. Januar 2014

Doctor Who - Wunderschönes Chaos (Cross Cult)

Doctor Who - Wunderschönes Chaos (Cross Cult)

Anlässlich des 50. Jubeljubiläums um die britische Science-Fiction Serie "Doctor Who", erscheinen im Auftrag der BBC mehrere Romane, jeweils einer für jeden Doktor nach der 2005er Neuauflage (die 9., 10. 11., und 11. 12. Inkarnation). Mit Gary Russells "Wunderschönes Chaos" veröffentlich nun Cross Cult das Abenteuer des 10. Doktors (in der Serie verkörpert von David Tennant) erstmalig in deutscher Sprache.

Am Freitag den 15. Mai 2009, parkt der Doktor mit einer, für seine Flugkünste, überraschenden Genauigkeit die TARDIS in der Nähe von London auf der Erde. Es ist ein wichtiger und zugleich trauriger Tag für seine Begleiterin Donna Noble, denn es handelte sich um den Todestag ihres jüngst verstorbenen Vaters. Ein nicht besonders erbaulicher Anlass für ein längst überfälliges Familientreffen. Außerdem hat ihr Großvater Wilfred Mott noch eine weitere bahnbrechende Entdeckung gemacht und damit ist nicht seine neue Freundin Netty gemeint, sondern ein Stern, der seinen Namen trägt - 7432MOTT.
Etwas ganz in der Nähe dieses neuen Sternes beunruhigt den Doktor zu tiefst, eine Phänomen das auf der Erde als Chaosstern bezeichnet wird leuchtet heller, als alle anderen in jener Konstellation. Dieses chaotische kosmische Ereignis ist jedoch keineswegs eine rein astronomische Erscheinung. Vielmehr handelt es sich um eine uralte bösartige Intelligenz, die von einem Eindämmungsfeld psionischer Energie umgeben wird (sagt jedenfalls der Doktor). Vor vielen Jahrhunderten soll diese schon einmal Kontakt mit der Erde gehabt haben und die Fragmente aus alter Zeit korrumpieren nun sogar Menschen auf dem Planeten selbst. Sie helfen dem Wesen die Erde auf die vollständige Übernahme vorzubereiten. Doch der Doktor, seine loyale Gefährtin und einige Weggefährten stellen sich gegen diese scheinbar übermachte Existenz auf, um die Erde zu retten.

Der zehnte Doktor, als Figur und besonders in der Verkörperung durch David Tennant hinterließ bei mir den bleibendsten Eindruck, aller jüngsten Inkarnationen. So viel Herzblut und eine Mischung aus kindlicher Neugier und tödlichem Ernst zu verkörpern ist eine echte Herausforderung. Eben diese Bewunderung für die Darstellung des 10. Doktors beflügelte auch Gary Russell [#NerdKnowledge: Dieser spielte übrigens die Rolle des Dick in der britischen Fünf Freunde Serie von 1978] für seinen Roman. Es gelingt ihm das Gefühl für die Charaktere und ihr besonderes Zusammenspiel gut in wenigen Zeilen zu bannen und besonders liebenswerte Personen wie Wilfred "Wilf" Mott mit Augenzwinkern und großväterlicher Schläue zu versehen.
In auktorialer Erzählform nimmt er sich dabei die Freiheit, das Geschehen und die Gedanken zu kommentieren und vereinzelt auch die möglichen Reaktionen einzelner Charaktere auf unausgesprochenes vorherzusehen. Das wirkte auf mich manchmal passend an anderen Stellen aber als unnötiges Beiwerk, wo er lieber die Situation für sich selbst hätte wirken lassen können.

Die Geschichte als solches, mag in der Zusammenfassung nicht besonders ausgefeilt klingen und im Grunde stimme ich einem solchen Eindruck zu. Handelt es sich doch abermals um eine übermächtige Bedrohung aus dem Weltall (Darleks / Cyberman etc. lassen grüßen), aber grade durch dieses Rezept in Kombination mit den etwas trashigen Sci-Fi-Elementen, eines Energiewesens das im Glasfasernetz lebt und Menschen durch Smartphone ähnliche Geräte kontrolliert, ergibt sich eben das "Doctor Who"-Gefühl aus dessen Grund die Serie überhaupt für so viele Generationen interessant war und noch immer ist. Das gelingt dem Autor sehr gut und ich fühle mich dadurch gleich zuhause.
Ein zweiter wichtiger Aspekt für die Qualität und den Unterhaltungswert des Romans ist das Familienszenario der Nobles. Es wird beim Lesen ein ganz neuer intensiver Eindruck, dieser Konstellation von Mutter, Tochter und Großvater vermittelt. In diesen Passagen geht Russell gekommt auf die Gefühle und besonders die Dynamik der einzelnen Figuren ein. Aus meiner Sicht erhält das Buch dadurch eine zusätzliche Ebene der Dramatik und auch der Offenbarung über Freundschaft und Familie.
An dieser Stelle meines Reviews müsste ich nun zu den auffälligen kritischen Punkten kommen, aber während ich so auf das Buch schaue und es Revue passieren lasse kommt mir, bis auf das  bereits erwähnte, teils unpassende Kommentieren des Erzählers, nichts Negatives in den Sinn.

Ist "Wunderschöne Chaos" deswegen der beste Science-Fiction Roman den es gibt? Nein! Das ist er selbstverständlich nicht. Allerdings macht er auf seinen knapp 250 Seiten alles richtig, was ich mir von einer guten „Doctor Who“-Geschichte verspreche, ist lustig, spannend, nachdenklich und ein wenig schräg. Aber in erster Linie ist es einfach unterhaltsame und leichtgängige Lektüre, die Whovians und einem breiten Publikum gut gefallen dürfte.


8.8 von 10 schusseligen Mandragoras 

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