Freitag, 17. Januar 2014

Liebe ist die Hölle (Reprodukt)

Liebe ist die Hölle (Reprodukt)

Schon 1977 erfand Matt Groening seine Comicstripserie Life in Hell. Darin lies er die drei von ihrem Alltag heillos überforderten Hasen Binky, Bongo und Sheba auftreten. Er war damals gerade erst aus seinem kleinen Heimatort nach Los Angeles gezogen und wollte seinen alten Freunden durch diese Comics zeigen wie schrecklich sein neuer Alltag in der Millionenstadt war. Selbstzweifel, Alltagsverdruss, soziale Ängste und ein teilweise ungesundes Maß an Melancholie transportierte er in kleine lustige Comicstrips die all das auf den Arm nahmen was ihn so bedrückte. Gesellschaftliche Zwänge wurden persifliert, eigene Ängste ins Lächerliche gezogen und die vielen Hässlichkeiten der Menschen überspitzt oder total verniedlicht. In jedem Fall war es nicht nur einfacher, lockerer Humor sondern etwas tiefer gehendes mit gesundem Tiefgang.

Groening war jedenfalls bereit gegen alles anzukämpfen was ihn störte und auch wenn es nur auf seine kleine Art mit seinen kleinen Comics sein sollte. Von den unbedeutenden Zeichnungen für seine Freunde wurden bald kleine Stripsammlungen die er am Straßenrand an interessierte Freaks verhökerte. Dadurch wurden schon bald die ersten Magazine und Zeitungen auf seine Kunstwerke aufmerksam. Bald schon waren die drei Hasen und ihre Abenteuer in der ganzen Welt bekannt, was den guten Mann wie viele wohl schon mitbekommen haben ins fernsehen gebracht. Auf die Simpsons folgte Futurama und man sollte denken der gute Matt hätte damit ausgedient. Aber selbst als die Simpsons schon in voller Blüte standen, arbeitete er fleißig an Life in Hell weiter und bist zum Jahre 2012 kommt die Reihe auf beinahe 1700 Strips.

Überpünktlich zum Valentinstag bringt man die Tage bei Reprodukt einen der nur vier auf deutsch erschienenden Stripsammlungen erneut heraus. Warum man in über 30 nur vier Bände übersetzt hat liegt dabei aber auf der Hand. Groenings Humor lässt sich nur schwer übersetzen. Was hier dazu führt, dass Matthias Wielands Übersetzung sehr frei geraten ist und teilweise sogar vollkommen eigene Gags benutzt die gar nichts mit denen von Groening zu tun haben. Sehr schade, aber anders absolut nicht möglich. Daher würde ich es auch vorziehen, wenn man die Sachen im Original veröffentlichen würde. An die Genialität der Originalversion kommt man so leider niemals heran.

Wie der Titel schon vermuten lässt handelt das Gros der Strips von der Liebe und warum sie nicht immer das tollste auf der Welt ist. Aber auch ein paar seiner nicht themenspezifischen Comics sind enthalten. Neben Liebe geht es dabei um Arbeit, Alltag und all den anderen Wahnsinn den man immer so erlebt. Dabei überspitzt er das dumme verhalten der Menschen gerne mal und zeigt auf verblüffend erhellende und erheiternde Weise wie einstudiert und berechenbar unser Sozialverhalten meist ist. In weiteren Geschichten wird es auch schon mal subtil politisch und Probleme unserer Gesellschaft werden zerpflückt.

Seine Zeichnungen spielen dabei meist nur eine sehr untergeordnete Rolle. Stilistisch sind die Strips natürlich am ehesten noch mit den Simpsons zu vergleichen, nur eben viel reduzierter stilisiert. Im Mittelpunkt stehen immer die Texte und der Rest ist eher zweckmäßig. Vor allem seine Charakter Designs sind unverwechselbar und sorgen für den ganz eigenen Stil. Funktionieren können die Comics aber nur wegen dem schwarzen Humor, wobei die Optik nur zweckmäßig sein muss.

Der Band kommt im praktisch quadratischen Format als Hardcover heraus. Es gibt 48 Seiten schwarzweiß Comics, die aber nur allen empfohlen werden können, deren Englisch nicht gut genug ist um den Comic im Englischen zu lesen.

7 von 10 rattige Wiesel

Kommentare:

  1. Also wurde sein Comicverlag nach dem Hasen benannt?

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    1. Genau. Bongos Name musste auch für den Verlag herhalten. Bongo ist übrigens das uneheliche Kind von Binky und Sheba und hat nur ein Ohr.

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