Freitag, 24. Januar 2014

Mein Freund Dahmer (Metrolit)

Mein Freund Dahmer (Metrolit)

Jeffrey Dahmer ist 1960 geboren und lebte im kleinen Ort Bath in Wisconsin. Er war ein Außenseiter, Freak und traute sich aus gesellschaftlichen Zwängen heraus nie seine Homosexualität offen oder überhaupt zu leben. Im Laufe der Jahre verlagerte seine Lust sich hin zu Fantasien in denen er tötete, zerstückelte und mit Leichen Sex hatte. Bald begann er zu trinken um die Stimmen in seinem Kopf zu betäuben doch irgendwann konnte er nicht mehr anders. Zwischen 1978 und 1991 ermordete er mindestens 17 Männer und Jugendliche an denen er sich danach verging. Viele Journalisten, Ermittler und Psychologen versuchten die ganze Tragweite des Falles Dahmer zu ergründen. Dabei bekommt jeder nur einen Teil der Wahrheit zu Gesicht. Einen weiteren Teil den keine Außenstehende Person zur Sicht bekommen kann offeriert uns nun Der Backderf.

In seiner Graphic Novel “Mein Freund Dahmer”, die nun auch auf Deutsch über den Metrolit Verlag zu bekommen ist, erzählt Autor Backderf aus einem sehr persönlichen Blickwinkel von Dahmers Jugend. Er und Jeffrey gingen nämlich gemeinsam zur Schule und irgendwie war er wohl auch was man noch am ehesten als einen Freund Dahmers bezeichnen könnte. Jedenfalls hingen sie in der Schule viel zusammen herum und so kann er auch von einer menschlichen Seite des Serienmörders berichten. So berichtet er dem Leser vom Schulalltag mit Dahmer. Vor allem hat man gemeinsam Blödsinn geredet, war auch mal zusammen Angeln oder in der örtlichen Shoppingmall. Meistens hat man aber einfach nur schlechte Witze gemacht. Durch Derfs Blick können wir sehr gut Jeffreys Werdegang verfolgen. Nie war wirklich klar wie gefährlich er sein könnte oder wo sein tun hinführen könnte, aber es gab alle Anzeichen dafür wie schlecht es ihm gegangen ist. Seinen Mitschülern war es einfach nur egal, seine Eltern waren damit beschäftigt sich gegenseitig fertig zu machen und die Lehrer sahen oder wollten nicht sehen, es nicht bemerken wie täglich ein vollkommen besoffener Schüler in ihren Unterricht stolperte, dessen Gründe zum saufen vielleicht dunkelster Natur waren.

Aber auch bei den Zeichnungen kann diese Graphic Novel mehr als viele der anderen überzeugen. Das Artwork ist zwar ziemlich reduziert, aber dennoch effektiv. Durch gekonnten Einsatz von Schatten und dunklen Flächen wird gekonnt eine bedrückende Atmosphäre erzeugt. Dazu passend hat Backderf auf Farbe verzichtet und hält seine Jugendgeschichte in schwarzweiß. Seine Charaktere sind stark überzeichnet und erinnern stilistisch ein wenig an Zeichnungen von Robert Crumb, nur mit weniger Schraffierungen und mit einem etwas runderen Strich. Hintergünde und Umgebung sind meistens auch recht einfach gehalten, wobei aber wenn nötig immer wieder wichtige Details eingestreut werden.

Neben dem eigentlichen Comic bekommt ihr innerhalb der 224 Seiten noch einiges an Bonumaterial. Es gibt ein Vorwort und dazu noch Quellenangaben zu fast allen Begebenheiten die gezeigt werden. Dabei schöpft der Autor nicht nur aus seiner eigenen Erinnerung, sondern entnimmt auch den psychologischen Gutachten, Interviews und seinen Geständnissen einige Informationen. Es kommen noch einige weitere Anmerkungen dazu, genauso wie Informationen zu den Charakteren und ihren Hintergründen. Die Verarbeitung des Bands ist auch sehr gut, der Druck ist super und die Übersetzung wirkt lebendig und scheint den Stil gut ins deutsche übertragen zu haben.

8,7 von 10 gerettete Hunde

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