Sonntag, 1. Juni 2014

Berserker #1: Todesgrüsse aus Haiti (Gringo Comics)

Berserker #1: Todesgrüsse aus Haiti (Gringo Comics)

Es gibt Arschlöcher auf dieser Welt, den kommt man mit normalen Mitteln einfach nicht bei. Da helfen weder Sanktionen noch Gejammer. In solchen Fällen entsendet die Internationale Gemeinschaft gerne mal ihren besten Agenten der Special-Force Agency. Er ist kein Charmeur, schon gar kein James Bond, aber wenn ein ekliger, unschaffbarer oder ethisch nicht ganz sauberer Job erledigt werden muss, dann sendet man den Berserker zum Krisenherd. Der macht dann kurzen Prozess und tritt jeden Arsch, der Tritte verdient hat. Zur Zeit ist er mit seinem Schlauchboot auf direktem Paddelkurs gen Haiti. Dort soll es dem ortsansässigen Diktator Watumba Ogase an den Kragen gehen. Ne unangenehme Type, die sein Volk mit brutaler Gewalt und brutaleren Söldnern kontrolliert. Aber nicht mit dem Berserker. Wenn er erstmal aufgeraucht und andere Gelüste befriedigt hat, dann sollte Ogase nicht mehr lange Atmen dürfen.

Trotz fortschreitendem Alter ist Stephan Hagenow nicht aufzuhalten und fleißiger denn je. Neben Kommissar Fröhlich, der ja nun auch im Albumformat und in Farbei erscheint, anderen neuen Projekten und der Sammeledition der Rattenmeute, bleibt ihm immer noch genug Zeit und Ideenreichtum für ein weiteres neues Projekt. Berserker heißt sein neuester Antiheld, der auch schon in absehbarer Zeit ein zweites und drittes Abenteuer bewältigen werden muss.

Beim Berserker handelt es sich um einen Geheimagenten, der jegliche Subtilität und Feingefühl vermissen lässt. Wem der Punisher noch zu gefühlsduselig ist wenn Garth Ennis ihn schreibt wird sich mit dem maskierten Protagonisten dieses Comics anfreunden können. Extrem kurzweilig und ohne viel Blabla prügelt sich der Berserker, ganz seinem Namen entsprechend, durch die knapp 70 Seiten seines Auftaktbands. Fieslinge werden aufgespießt bekommen glühende Rohre in die Fresse (nein, kein Peniswortspiel) und wenn nichts mehr hilft spielt er auch mal Zahnarzt. Allerdings benutzt er seine Stahlkappenstiefel um die Zähne zu korrigieren. Auch mit Tieren macht er Bekanntschaft. So gilt es einem Schwarm blutrünstiger Piranhas zu entkommen und eine äußerst liebenwürdige Schildkröte mit dem Namen “Dinky” wird von ihm gerettet.

Wenn er so das putzige Tierchen vor dem gemeinen Trampeltod rettet wächst einem der grobschlächtige Kerl doch ein wenig ans Herz. Auch ansonsten ist was fürs Herz dabei. Schließlich ist auch liebe ein Inhalt dieses Heftchens. Es handelt sich zwar nur um die der käuflichen Art, aber Berserker ist lieb zu den Huren, schon allein weil sie ihn so sehr an Mutti erinnern.

Die Handlung ist natürlich total banal und ebenso daneben. Viel Anspruch ist natürlich nicht zu erwarten, aber warum auch? Ihr bekommt einen Temporeichen Actioncomic mit viel Trash und Sleaze und in einer heiteren Bierlaune gibt es meist nur wenig besseres als so was. Unterhält!

Im Artwork kann man sich etwas in die frühen Indie Zeiten von Frank Miller zurückversetzt fühlen. Die Zeichnungen sind meist grob, sehr kantig und mit möglichst wenig Gefühl für Schönheit aufs Papier gebracht. Die interessant unterbrachten Negativflächen bringen trotzdem Raffinesse in die Optik und die Action lässt weder Tempo noch einen coolen und deftigen Stil vermissen.

Solange der Berserker so kurzweilig bleibt wie in diesem Band gibt es nichts auszusetzen. Hagenow weiß was für eine Art Comic er hier abliefert und genau das macht er auch gut. Wer aber mehr als nur lockere Unterhaltung ohne viel Anspruch sucht hat sich beim Comicmann vergriffen.

7 von 10 bedrohte Haustiere

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