Montag, 30. Juni 2014

Zwiebel-Jack räumt auf (1975) [Koch Media]

Zwiebel-Jack räumt auf (1975) [Koch Media]

Die Zwiebel. Eine missverstandene Frucht? Sie ist vielseitig einsetzbar und kann neben dem Verzehr (Wahlweise als Suppe, als Kuchen oder einfach so, wie ein Apfel) auch zur Linderung von Insektenstichen, Wunden und Blutergüssen dienen.
Um die mannigfaltigen Eigenschaften des Lauchgewächses wussten schon Enzo G. Castellari und Franco Nero bescheid, weshalb sie 1975 „Zwiebel-Jack räumt auf“ auf die Menschheit losließen, um die Kunde der Herrlichkeit von Zwiebeln kundzutun.
Dazu bemühten sie sich einer simplen Story um einen bösen Öl-Tycoon, der armen Farmern das Land klaut und sie dabei nicht selten ins Gras beißen lässt.
Doch zum Glück tritt eines Tages Zwiebel-Jack, mitsamt sprechendem Huftier, altklugen Sprüchen und der Wunderfrucht im Schlepptau, auf den Plan, der Scharlatanerie Einhalt zu gebieten.

Dazu verbündet sich der ungewaschene Freund streng riechenden Gemüses sowohl mit den beiden Bengels des kurz zuvor getöteten Farmers Foster, dessen Land er kurz vor des Bauerns Ableben gekauft hatte, um sein Zwiebelimperium aufzubauen, als auch mit dem Zeitungsverleger Pulitzer (!) und dessen Tochter Mary Ann. Die Holde ist ganz hingerissen von dem etwas ungepflegten Hau-Drauf, dem es umgekehrt ganz genauso geht. Liebe kennt scheinbar keine olfaktorischen Grenzen.
Gemeinsam macht sich die Truppe daran, dem Öl Magnaten Lamb, den Ölhahn zuzudrehen.

Mal ehrlich. Die Geschichte strotzt jetzt nicht gerade von Innovation. Allerdings bildet sie einen recht soliden Rahmen für so manchen Schabernack.
Dabei wird ja zunächst das klassische Bild, des namenlosen Fremden, der in einer Stadt aufräumt gezeichnet. Allerdings nur sehr grob, denn nach wenigen Augenblicken wird sehr deutlich, dass dieses Bild nur das Grundgerüst darstellt, auf dem aufbauend alle Beteiligten ihren Spaß haben, dabei bekannte Klischees parodieren oder einfach komplett frei drehen.

Einen nicht ganz geringen Anteil hat daran nicht zuletzt auch die deutsche Synchronisation aus dem Hause Rainer Brandt. Hier durften sich der Herr Brandt und sein Team mal wieder so richtig austoben und kalauern sich hier durch den Wilden Westen.
Da ich, wie ich schon häufiger erwähnt haben dürfte, ein großer Freund brandtscher Synchronisationsarbeit bin, ist „Zwiebel-Jack räumt auf“ natürlich ein wirklicher Glücksgriff.
Denn der Spaß, den sowohl das Synchronteam bei der deutschen Lokalisierung gehabt haben dürfte, als auch der des italienischen Filmteams beim Dreh, überträgt sich ungefiltert auf den Zuschauer und man ist von der ersten Minute an voll dabei.

Dabei wird man auch mit irren Ideen und Klamauk geradezu zugeschüttet. Zugegeben, nicht jeder Joke sitzt, bei der hohen Gagdichte, die einen erwartet, bleibt aber immer irgendwas hängen.
Dazu muss man sich dann aber auch schon mal durch minutenlange Speedup Szenen in bester Benny Hill Manier kämpfen. Unterm Strich lohnt sich das Dranbleiben dann aber doch, sofern man etwas für Klamauk übrig hat, versteht sich.
All das übrigens zur Musik der Gebrüder De Angelis, auch bekannt als „Oliver Onions“ und verantwortlich für so manche musikalische Veredlung von Bud Spencer/Terence Hill Streifen.

Der Cast ist gut gewählt und so gut wie alle Darsteller können überzeugen. Um genau zu sein, herrscht hier eh an jeder Ecke ein gewisser Grad an Overacting, von daher passt das alles schon ganz gut.
Gerade Franco Nero kann in seiner Rolle überzeugen, steht sie doch seinen Paraderollen in „Django“ oder „Keoma“ (wieder unter der Regie von Enzo G. Castellari und nur kurz nach „Zwiebel-Jack…“ erschienen) diametral gegenüber.
Die Zwiebel, wie er meist genannt wird, ist ein ziemlicher Dampfplauderer und lässt keine Gelegenheit für einen Kommentar aus, ganz anders als Neros eher schweigsame Antihelden.
Neben Nero und seinem Charakter sollten auch noch die beiden Söhne des Farmers Foster erwähnt werden. Die beiden sind einfach verdammt cool und abgebrüht und es macht einfach einen riesen Spaß den beiden zuzusehen, wie sie die Erwachsenen an der Nase herumführen.

Der Film ist jetzt auf DVD und Blu-ray als Teil der Franco Nero Italo Western Box bei Koch Media erschienen. Auch eine Einzelveröffentlichung ist geplant.
Die DVD weist ein durchaus akzeptables Bild auf und kann auch im Klang überzeugen.
An Extras mangelt es auch nicht und so gibt es neben den beinahe schon obligatorischen Bildergalerien und Trailern, sowohl einen Audiokommentar und ein Interview mit Enzo G. Castellari himself.

Wer mit den bekannten Bud Spencer/Terence Hill Westernkomödien etwas anfangen kann, wird von „Zwiebel-Jack räumt auf“ keinesfalls enttäuscht werden. Einfach ein großer Spaß.
Gespannt bin ich nun, wie sich die anderen Filme der Box „Mercinario – Der Gefürchtete“ und „Mit Django kam der Tod“ schlagen

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