Dienstag, 27. August 2013

Black Angels - Die sich selbst zerfleischen (1970) [Paragon Movies]

Black Angels - Die sich selbst zerfleischen (1970) [Paragon Movies]

Chainer (Des Roberts), so genannt weil er gerne die Stahlketten rasseln lässt, ist Anführer der Bikergang “Devil’s Serpent”. Mit seinen Jungs macht er die Straßen unsicher und lebt während des Rockeralltags in einer Geisterstadt, die außer ihnen noch von Pferden, Katzen und Waschbären bevölkert wird. Wenn sie sich mal nicht grad kleinere Scharmützel mit den rivalisierenden afroamerikanischen Rockern, “Choppers”, liefern, dann betüdeln sie liebevoll ihren Berglöwen Franz Joseph oder segnen sich gegenseitig mit ihren goldenen Spritzen. Auf dem Tagesplan stehen wie immer Bier, Lokomotiven abchecken (so sagen die jungen Leute heutzutage zum Flirten), kiffen und homöopathische Mittelchen nehmen. Zwischenzeitlich wird auch gerne mal einer von den Choppers getriezt. Bei denen sieht der Alltag nicht viel anders aus, eben nur mit Afros und ohne Franz Joseph. Die Gangs kappeln sich zwar alle Naselang, aber man steht auf der selben Stufe und weiß auch wann gut ist, ist ja alles nur flachs. Dies ändert sich aber deftig als zwei fiese Zivilbullen in Uniform einen ihrer Männer einschleusen der die beiden Truppen gegeneinander ausspielt und auch gerne mal die Rassenkarte dabei zieht. Richt nach Ärger, wenn da mal am Ende niemand eins mit der Einwegforke bekommt.

Regisseur Laurence Merrick war ein interessanter Mann. Er war schon über 40 Jahre alt als er mit seiner Arbeit im Film begann. Sein erstes Werk war “The Demon”, ein bis heute verschollener Film. Darauf folgte dann 1969 “Dracula and the Boys”. Dabei handelte es sich vermutlich um den ersten schwulen Hardcoreporno mit Dracula. Ein Jahr später folgte dann der hier zu besprechende Bikesploitation/Blaxploitation Trashmovie “Black Angel”. Bei den Dreharbeiten lernte er die Manson Family kennen, kurz bevor sie ihre schrecklichen Taten verübt hatten. Darauf folgte dann eine Vampirkomödie mit dem Titel “Draculas lüsterne Vampire”, auf den letztlich die Dokumentation “Manson” folgte. Die Dokumentation über Charles Manson und seine Manson Family brachte ihm dann sogar eine Oscarnominierung für die beste Dokumentation ein. Ebenso wie einen Stalker, der ihn dann ein paar Jahre später im Alter von 50 Jahren erschoss.

Eine kurze aber durchaus spannende Karriere, deren Etappe “Black Angels” nun mein erster Berührungspunkt mit Merrick darstellt. Der Anfang der schwarzen Engel irritiert dann erstmal. Okay, kitschige Hippiesongs dürfen bei einem Bikerflick nicht fehlen und natürlich rattert unser schwarzer Protagonist frei und wild durch die Gegend. Er hat grade Chainer, gespielt von Des Roberts, der in allen vier Spielfilmen des Regisseurs mitgespielt hat und sonst nichts mit Filmen zu tun hatte, von seiner Geliebten runtergejagt, was wohl die Mutprobe war um bei den Choppers aufgenommen zu werden. Eigentlich nichts besonderes, was aber irritiert sind die total verplanten Schnitte. Erstmal ist es sehr schwer nachzuvollziehen, warum man teilweise die Location ändert, wo man eigentlich ist und warum die Szene jetzt doch schon vorbei ist, obwohl noch nichts war. Weil es so noch nicht verwirrend genug ist, kommen dann noch Zeitsprünge hinzu. Flahsbacks, dann wieder Gegenwart und dann stellt sich heraus, die Gegenwart war in Wirklichkeit ein Flashback und die eigentlichen Flashbacks also Flashbacks in Flashbacks.

Da diese Art der Filmischenstruktur hier absolut keinen Sinn ergibt und zudem noch handwerklich recht desaströs mit einer Menge Smashcuts umgesetzt wurde, liegt die Vermutung nahe der Künstler wollte ein wenig cleverer wirken als sein Drehbuch im Grunde war und das Arthouse Publikum gefügig machen, das bekannterweise andauernd Filme schaut, deren Untertitel “Die sich selbst zerfleischen” lauten. Aber egal, nach den ersten Minuten hat es sich mit dieser krummen Drehort auch und der Film wird zusehend straighter. Dabei muss man Merrick attestieren, dass seine Kamereführung ne solide Nummer ist. Klar, teilweise etwas hölzern und bemüht, meist aber doch recht schick. Durch den amateurhaften Schnitt, wirkt der Film dann aber doch teilweise wie ein Ed Wood Werk.

Inhaltlich ist es ebenso verplant, grundlegende Qualitäten sind aber durchaus vorhanden. So verunfallt der junge schwarze Biker vom Anfang kurz nach Start des Films und Chainer beginnt zu menscheln. Er macht sich nämlich zu den Choppern auf um ihn vom Tod ihres Kumpels zu erzählen. Die Rocker sind demnach zwar alle richtig kaputte Typen und total daneben, aber doch ehrliche Häute und dabei ist es egal welche Farbe diese hat. Denn im Gegensatz zu dem nicht korrekten und zudem auch noch von Paragon Movies aus einer Rezension gestohlenen Inhaltsangabe, spielt Rassismus hier eine relativ untergeordnete Rolle und wird von den Protagonisten auch verneint. Die bösen sind nämlich die Bullen und wie sollte es anders sein, ein Kaugummi kauender Texaner. Jedenfalls beginnt das Teil mit einer recht dramatischen Szene und hört mit eben einer solchen wieder auf. Der hippieske Unterton wettert gerne mal gegen das dekadente Bourgeoisie und wie so oft in den 70ern traut sich Exploitation hier auch noch ein bisschen politisch zu sein. Irgendwie zumindest.

Den (Berg)Löwenanteil des Streifens gibt es nämlich puren Trash. Rocker pinkeln sich gerne mal gegenseitig an, eine scheinbar nicht ganz saubere Tänzerin schwingt verplant die Hüften in Harrys Beer Bar, Brüste müssen unbedingt mal aus den Körpchen hüpfen und scheinbar hat die Gang einen eigenen Zoo. Nur ein Lama habe ich nicht gesehen. Die deutsche Synchro wimmelt nur so vor feschen Stilblüten, der Penis wird zur heiligen goldenen Spritze, Frauen zu Lokomotiven and so on. Zudem gibt es tolle Running Gags wie zum Beispiel der clever benannte Fixer (Gene Stowell), dessen Bike immer kaputt ist und dessen Zuspätkommen selbst nach dem vollkommen düsteren und fiesen Ende noch als Pointe genutzt wird. Eier!

Die Rockerdarsteller sind dabei aus zweierlei Gründen recht authentisch, erstens weil der Regisseur ihnen während der gesamten Dreharbeiten untersagt hat sich zu waschen und zum anderen, da die Choppers sich einfach selbst spielen. Ich konnte jetzt leider nicht herausfinden ob es die Choppers wirklich gab, ich vermute aber eher, dass es sich dabei um die Mitglieder der kalifornischen East Bay Dragons handeln könnte. Die weißen waren zumindest damals noch alles blutige Amateure, von denen auch nur John Donovan als Frenchy und James Whitworth als Big Jim wirklich punkten konnten und danach noch eine paar weitere Rollen bekamen. Donovan macht kurz nach den Engeln beim Sexploiter “Superchick” mit tauchte seitdem bis heute immer mal wieder vor der Kamera auf, während Whitworth aufgrund seiner imposanten Statur dem Trash treu blieb. Seine Rolle Big Jim spielte er nicht nur hier, sondern auch auf dem “Planet der Monster” und im Sasquatch Müllhaufen “Sasqua”. Den meisten wird er aber als Jupiter aus “Hügel der blutigen Augen” und deren Fortsetzung “Im Todestal der Wölfe” bekannt sein.

Was war noch? Hab ich erwähnt das ein Berglöwe zu sehen ist? Ja? Und da der auch noch Franz Joseph heißt? Okay, dann noch was zur Action. Die ist nämlich sauschlecht inszeniert, oftmals voller Slapstick und sogar Cartoongeräuschen. Wenn es so aussieht, als hätten sie sich wirklich geschlagen, dann liegt es daran, dass es sie es wirklich aus Versehen getan haben und wenn nicht ist es auch sehr offensichtlich. Ein großer Spaß. Wer also das merkwürdige mag und einfach nur auf eine nicht handelsübliche Art unterhalten werden möchte packt feste zu. Fick dich Spießer!


Dieser klassische Exploiter ist nun auch bei Paragon Movies in der großartig betitelten "Hells Angels - Horrortrip mit 100 PS Collection Vol.1" zu sehen. Auf drei DVD's bekommt ihr insgesamt neun Filme. Die anderen Titel wären "Blutnacht der Satansrocker", "Hells Angels - Verdammt in Vietnam", "Hells Angels on Wheels", "Rebel Riders", "Die Rocker von der Boston Street", "Born to Ride", "Run Angel Run" und "Hells Angels 70 - Motorradrocker schlagen zu". Das Bild ist eigentlich ganz okay, bisschen blass vielleicht und zerkratzt ist die Rolle mittlerweile auch ordentlich, so muss so ein Film aber auch aussehen wie ich finde. Den O-Ton hätte ich aber trotzdem wirklich gerne, auch wenn die deutsche Synchro wirklich gut und eloquent ist. Hoffe jedenfalls noch auf einen Einzelrelease mit ein wenig Bonusmaterial. Schön den Film jetzt endlich mal so leicht und günstig zu bekommen. Feiner Release. Überhaupt eine sehr coole Box mit einigen tollen Titeln. Leider macht die Box optisch einen sehr öden und mordernen Eindruck und viele werden vermutlich nie mitbekommen was für seltene Titel sie hier verpassen. Box kommt mit Pappüberstülper und Wendecover.

7 von 10 Flüßigkeiten, die kein Champagner sind (Stichwort: Goldene Fontäne)

1 Kommentar:

  1. Ich habe die restlichen Filme in der Box nicht gesehen und interessiere mich auch generell eher weniger für Biker-Filme, aber dieser hier allein rechtfertigt den Kauf schon!

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