Dienstag, 18. Februar 2014

Deep Throat (1972)

Deep Throat (1972)

Die junge Linda Lovelace (Linda Lovelace) ist ein nettes, aufgewecktes und hübsches Mädchen. Ein wenig schüchtern ist sie allerdings schon und trotz des Bocks aufs Bumsen kommt sie dabei nie richtig zum Zug. Egal mit Wem und wie Sie es probiert nie kommt sie zum Orgasmus. Dabei will sie doch mal spüren wie es ist wenn die Dämme brechen, die Glocken klingeln und die Bomben hochgehen. Um dabei Hilfe zu bekommen redet sie mit ihrer Freundin Helen (Dolly Sharp), die gerne raucht während ihre Männer “essen”, darüber. Sie empfiehlt Linda mal wegen ihrem Problem zum Arzt zu gehen. So landet sie bei Dr. Young (Harry Reems), der erschreckendes herausfindet. Der Grund warum sie beim Sex nie ihren Spaß hat, ist dass ihr der Kitzler fehlt. Obwohl, stimmt ja gar nicht. Sie hat einen Kitzler, nur bei ihr ist dieser nicht an der, von Gott dafür vorgesehenen Stelle zu verorten, sondern tief im Rachenbereich. Kein Ort an den Dr. Youngs Liebeswerkzeug nicht hinkommen könnte.

Selbst der anständigste Cineast wird wohl schon von Deep Throat gehört haben. Natürlich nur gehört, denn solchen Schmuddelkram guckt ja sicherlich keiner unserer Leser und Leserinnen. Andererseits darf man es bei Deep Throat ja zugeben ihn gesehen zu haben. 1972 erschien mit DT von Gerard Damiano (Let My Puppets Come) einer der ersten Pornos mit Handlung, der schnell zum Megahit wurde. Nicht nur Millionen Kinogänger sahen den Film in den USA und das trotz des Verbots in einigen Staaten, sondern auch große Hollywood- und Medienstars wie Jack Nicholson und Johnny Carson gaben öffentlich zu den Film gesehen zu haben. Insgesamt soll der Film wohl seine guten 600 Millionen Dollar eingespielt haben. Inflationsbereinigt wären das sicherlich noch ein paar Taler mehr. Hauptdarstellerin Linda bekam davon jedoch nur $1.250. Allerdings muss man dabei auch daran denken, dass die Zahl wohl künstlich durch Gauner und Ganoven aus dem Milieu hochgetrieben wurden um Geld zu waschen. Trotzdem ein stolzer Erfolg bei einem Budget von nicht ganz 25 Tausend Dollar. Man muss aber auch sagen, dass die Behörden eher von 100 Millionen aus, wenn man das ganze Schwarzgeld der Mobster abzieht. Riesig war der popkulturelle Einfluss allemal. Unter anderem ging es sogar so weit, dass der Codename eines der Informatnen im Watergate Skandal Deep Throat lautete.

Was allerdings dafür sorgte, diesen Film zu derartiger Berühmtheit erblühen zu lassen und sogar durch die Porno Chic Wille Pornographie für eine Zeitlang salonfähig zu machen, ist im nachhinein nur schwer zu sagen. Vielleicht liegt es daran, dass ein Porno mit Handlung auch ohne Wichsabsicht gesehen werden kann oder weil er eine neue aufregende Sexualpraktik bewarb. An der Qualität des Films wird es jedenfalls ganz sicher nicht gelegen haben. Handwerklich ist das Teil bis auf ein paar wenige, sehr bekannte Kameraeinstellungen nämlich sehr amateurhaft. Mit heutigen TV-Movies kann man es trotzdem allemal aufnehmen. Nur die Tonaufnahmen sind extremste räudig und teilweise durch den Straßenlärm nicht wahrzunehmen.

Die Darsteller sind auch nicht die Besten oder auch nur etwas gut. Sowohl sexuell als auch schauspielerisch ist ganz klar Harry Reems (Teuflische Brüste) der talentierteste Akteur. Ansonsten fallen noch Dolly Sharp (Mondo Porno) und Carol Connors (Erotic Adventures of Candy) auf. Wenn auch nicht wegen ihrem können, sondern eher durch nacktes turnen mit Stab. Vor allem Carol ist als Krankenschwester ziemlich unfähig und bekommt keinen Satz hin ohne den Dialog zu vergessen oder sich zu verhaspeln. Die beiden agieren mit den männlichen Co-Stars in vielen erdenklichen Stellungen und ab und an besudelt man sich gegenseitig mit diversen Körperflüssigkeiten. Neben der Titelgebenden tiefen Kehle, gibt es einige ganz normale Nummern anzusehen, aber im Verlauf der Sache gibt es noch ein paar albern inszenierte Fetischsachen zu bestaunen. Albern ist hier eh viel. Während der diversen Blowjobs brechen auch gerne mal milde unterhaltende Musicalnummern über Blubberblasen aus und wenn der Herr dann kommt, setzt man eine sehr subtile Bildsprache ein um dies zu symbolisieren. Neben einem Porno ist DT also auch eine, manchmal funktionierende Komödie und ein Musical mit ein paar lahmen, albernen Songs, aber auch mit einigen guten Funk Stücken.

Zuletzt muss man aber natürlich zu Linda kommen. Geboren als Linda Susan Boreman spielte sie hier erstmals ihre Rolle Linda Lovelace, die bald darauf zu ihrer Pornoidentität wurde. Schon vor ihrer ersten richtigen Filmrolle war sie in ein paar Stag Filmen zu sehen. Darunter auch zwei Stags betitelt als “Dog One” und “Dogarama” (auch bekannt als “Dog Fucker”). Was sie in diesen Schnipselfilmchen tat wird wohl jeder von den Namen herleiten können und wer es nicht kann, hat noch mal glück gehabt. Und dies ist nur der Beginn der unschönen Dinge aus Lovelaces Karriere. Warum sie ein Star wurde ist ziemlich offensichtlich. Ein hübsches Gesicht und große orale Talente vertragen sich nun mal gut. Für alle anderen Szenen war sie meiner Meinung nach aber nie geeignet. Kurz vor dem Beginn ihrer Pornokarriere war sie nämlich in einem Autounfall verwickelt gewesen. Dabei wurde sie derartig schwer verletzt, dass sie viele Schönheitsoperationen durchmachen musste, deren Narben man an ihrem Körper auch in Deep Throat sehen kann. Schließlich verstarb sie 30 Jahre später an den Folgen eines weiteren Autounfalls.

Und dann wurde noch etwas anderes sichtbar sobald sie nackt vor der Kamera stand. Eines Tages lernte sie nämlich Chuck Traynor kennen. Die beiden verliebten sich und erst später erfuhr sie von seinem Job. Ihr Chuck war nämlich Pornograph und führe sie auch bald in die Szene ein (Wortspiel unbeabsichtigt). Er zwang sie daraufhin nicht nur dazu in Deep Throat und anderen Filmen und Szenen mitzuwirken, sondern verkaufte sie auch diverse male an wohlhabende Geschäftspartner. Außerdem schlug er sie auch während der gemeinsamen Ehe sobald sie nur die kleinsten Verfehlungen an den Tag legte. Eben die Verletzungen der häuslichen Gewalt sieht man auch in DT wenn man darauf achtet, ansonsten ist ihr allerdings nicht anzumerken, dass sie dazu gezwungen wurde. Aber genau wegen diesen Hintergrundinformationen ist einer der einflussreichsten Pornos aller Zeiten nur schwer zu genießen. Wenn dieses schreckliche Geheimnis hinter den Kameras nicht gewesen wäre, dann könnte man DT sicherlich weiterempfehlen. Schon allein wegen der kulturellen Relevanz, die man dem Film nicht absprechen kann. So bleibt ein herber Beigeschmack der alles andere stark übertünchen kann.

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