Freitag, 8. November 2013

Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt (2013)

Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt (2013)

Von den ersten frühen schriftlichen Aufzeichnungen der Geschichte, über Gutenbergs erstes Massendruckverfahren bis zur Einführung des Internets hat sich die Menschheit besonders in den letzten Jahrzehnten rasend entwickelt. Informationen sind allgegenwärtig, immer verfügbar und scheinbar jedem zugänglich. Doch besonders die modernen Geheimdienste und Regierungen halten nicht viel von dieser neuen Transparenz und so werden Tag für Tag Informationen vor der Weltöffentlichkeit verborgen. Um diese Geheimnisse ans Licht zu ziehen gründeten einige Internet-Aktivisten die Enthüllungsplattform – WikiLeaks.

Der Film fokussiert sich auf die beiden „WikiLeaks“-Gründer, den australischen Hacker Julian Assange den deutschen Hacker/Aktivisten Daniel Berg. Sie lernen sich auf einem Treffen des Chaos Computer Clubs kennen, bei dem Julian einen Vortrag über die Idee hinter WikiLeaks hält. Daniel, dessen Hackername Daniel Schmidt lautet, ist von dieser Rede überaus inspiriert und gemeinsam beginnen die beiden mit ihrer Arbeit an der Plattform. Basierend auf einem von Julians Algorithmen zum Schutz der Quellen soll es ermöglicht werden vertrauliche Informationen zu veröffentlichen ohne ihren Ursprung, den „Whistleblower“, preiszugeben.
Es folgen eine Reihe von großen Veröffentlichungen geheimer Dokumente beispielsweise über die Schweizer Privatbank Julius Bär im Jahr 2008 und viele politische Korruptionsenthüllungen in Afrika. Durch das steigende mediale Interesse und die Verbreitung der Plattform ist es bald nötig europaweit befreundete Aktivistengruppen um Serverkapazitäten zu bitten. In der Zeit wird auch langsam deutlich das Assanges spezieller Charakter noch problematisch werden wird. Die „Macht“ die seine Plattform auf das Weltgeschehen auszuüben vermag bringt deutlich seine egomanischen Züge zum Vorschein, die alles andere als weltverbessernd sind.

Den Zenit erreicht die Aufmerksamkeit um WikiLeaks letztlich in den Jahren 2009/2010 mit der geplanten Veröffentlichung von geheimen Militärdokumenten und einer viertel Million dipolomatischer US-Depeschen aus dem Afghanistan Einsatz. Drei der größten Vertreten des modernen Mainstream-Journalismus, der Spiegel, the Guadrian und die New York Times erklärten sich unter bestimmten Bedingungen bereit die WikiLeaks-Dokumente zu veröffentliche. Hier kommt es zum Zerwürfnis zwischen Julian und Daniel. Berg sieht zurecht die Gefahren, die eine Veröffentlichung der unbearbeiteten Dokumente (mit Klarnamen etc.) nach sich ziehen würde, doch Assange ist absolut uneinsichtig. Er suspendiert seinen Mitstreiter vom Projekt und veröffentlich gegen die Abmachung mit der Presse die Original-Dokumente des US-Militärs. Um den Schaden zu begrenzen und das vermeidlich Richtige zu tun sieht Daniel Berg nur eine letzte Möglichkeit, die Abschaltung der WikiLeaks-Plattform um Julian Assange zu stoppen.

Der chronologisch erzählte Film von Bill Condon basiert auf den zwei Büchern zur Geschichte von WikiLeaks. Zum einen dem der beiden Guardian Journalisten Leight und Harding, zum größeren Teil aber auf dem persönlichen Buch von Daniel Domscheit-Berg „Inside WikiLeaks“ in dem er seine Sicht der Ereignisse schildert. Der Film ist also nicht als Dokumentation mit Anspruch auf Korrektheit zu verstehen sondern mehr als Unterhaltungsfilm mit realen Anleihen an der wirklichen Geschichte. Manche Details etwa die Abschaltung der Plattform oder eine der eingeflochtenen Liebesgeschichten wurden zur Abrundung der Dramaturgie  eingebaut und basiert auf keinerlei Fakten.
Die Stimmung des Films erinnert mich ein bisschen an den Klassiker „Hackers“ von Iain Softley. Allerdings sind die Recherchen zu WikiLeaks, auch dank der Beratung von Domscheit-Berg, deutlich genauer ausgefallen. Die technische Seite wirkt somit nicht wie das klischeehafte Tastatur zerhacken der normalen Hollywood-Streifen. Natürlich wird jedoch auch in diesem Film kein wirkliches Hacking gezeigt und vieles spielt sich in Form von stilisiert Einblendungen  ab. Der Spirit der Szene und besonders die Euphorie wird aber sehr gut vermittelt.

Der zentrale Punkt des Filmes über die Enthüllung von Geheimnissen ist die Ansicht, dass viel Wissen und somit viel Macht in wenigen Händen schnell dazu führen kann, dass einzelne davon korrumpiert werden. Die Figur Julian Assange, von manchem immer noch als Held betrachtet, wird somit in einem etwas anderen Licht dargestellt. Er ist ein ,wenn auch brillanter, egomanischer Mensch dem der Erfolg seiner Plattform nicht gut bekommen ist und stets versucht Andere dahingehend zu manipulieren, dass er gut da stehen kann, ganz egal wie viel Hilfe ihm dabei zu Teil wurde. Diese Entmystifizierung ist grade auch mit Blick auf Assanges Flucht vor den Anschuldigungen in Schweden durchaus legitim auch wenn nicht vergessen werden sollte, dass die Darstellung im Film zum einen der Unterhaltung dient zum Anderen aber auch der subjektiven Sicht von Daniel Domscheit-Berg geschuldet ist.

Die Geschichte, um ein prägendes Phänomene der modernen Internetgesellschaft, ist sehr unterhaltsam und gut aufbereitet worden. Von der Euphorie in den Anfangstagen bis zur Trennung der beiden Gründer, sind alle wichtigen Momente enthalten. Schwächen zeigen sich in der deplatziert wirkenden Liebesgeschichte und einer zu positiven Darstellung der US-Regierung im Rahmen der WikiLeaks-Veröffentlichung. Hier hätte etwas mehr Mut zum Realismus gut getan.


7.9 von 10 Pfeifenpustern

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