Samstag, 9. November 2013

Deadpool killustrierte Klassiker (Panini)

Deadpool killustrierte Klassiker (Panini)

Dieser Sammelband enthält die vierteilige Miniserie Deadpool Killustrated #1-#4.

#1: Lange hat er gebraucht, aber letztlich hat Deadpool doch ganz allein alles Leben im Marvel Universum ausgelöscht. Aber da er in einem Multiversum lebt, ist es egal wie viele Spidermänner und Captain Americas er tötet. Es hört niemals auf. Ihm wird bewusst, dass es egal ist, wie viele Helden er tötet, am Ende findet das Marvel Universum doch immer eine Möglichkeit ihn auf irgendeine Weise wiederzubeleben, selbst wenn er seine Heilungsfähigkeiten kurz ausschalten könnte. Er muss also an die Wurzel des Übels kommen. Da er als einziger Charakter die fourth Wall durchstoßen kann, ist ihm bewusst das er nur eine Comicfigur ist und das Multiversum hört erst auf, wenn die Schreiber keine Ideen mehr haben. Da er als fiktive Figur nicht in die Realität eingreifen kann, versucht er die Inspirationsquellen zu zerstören. Er nimmt die intelligentesten Superschurken als Geiseln und lässt sie eine Dimensionsreisemaschine bauen. So reist er in die Welt von Don Quixote und Moby Dick doch dann taucht Pinnochio auf. Scheinbar verschmelzen die verschiedenen fiktiven Welten.


Die neue, vierteilige Deadpool Miniserie Killustrated, hat ihren Weg nun auch in Tradeform zu uns gefunden. Sie setzt genau da an, wo man mit Deadpool Kills the Marvel Universe aufgehört hat. Deadpool andere fiktive Welten der klassischen Literatur infiltrieren zu lassen ist eine nette Idee, dabei nervt nur, dass es fast die gesamte erste Ausgabe dauert bis man dahin kommt. Ich will weder sehen wie er zum hundertsten mal Spider-Man tötet, noch möchte ich 10 Seiten lesen in denen Doc Oc davon schwafelt wie er seine Dimensionsmaschine baut. lähmend langweilig. Wenn wir dann aber kurz vor knapp bei Moby Dick ankommen wird’s richtig krass. Dann ist es aber auch schon zu ende. Sollte man so etwas wie Tempo in der zweiten Ausgabe entdecken, dann könnte die Mini in der zweiten Hälfte richtig cool werden. Der Anfang ist leider so träge wie ein Relaxo im Winterschlaf.

Beim Artwork kann Matteo Lolli erstmal viel Mittelmaß kredenzen. Jedenfalls ist es während Wade noch in der Marvel Welt ist sehr gewöhnlich. Wenn er beim guten Don ist oder Moby Dick zerfleischt, sind es hingegen echt cool aus. Der Splatterkram ist zwar unendlich übertrieben, kommt aber ganz cool rüber. Sean Parsons sehr feinfühlige Farbgebung reißt da noch einiges Raus. Besser als das Cover im Stile sehr alter Comics von Mike del Mundo kommt man im Innenteil allerdings nie heran.

#2: Um endlich von seiner Existenz erlöst zu werden, hat Deadpool beschlossen in die klassischen Werke der Literatur zu reisen um somit die Einflüsse zu vernichten, die damals den Comicautoren als Vorlage für ihre Helden genommen haben. Zur Zeit steckt er gemeinsam mit Captain Ahab und General Ross auf einem Schiff fest. Plötzlich verwandelt sich Ahab in den roten Hulk, während Doc Oc als riesiger weißer Oktopant versucht das Boot zum Kentern zu bringen. Von da aus geht es weiter zu Dracula und auch damit ist seine Reise durch die alten Schinken noch lange nicht vorbei.

Ahab wird zum roten Hulk, Doc Oc ist der weiße Wal, der Green Goblin macht Sleepy Hollow unsicher und auf Sherlock Holmes trifft er auch. Das abgefahrene Comic / Literatur Mash Up kann gefallen, aber mehr als ein paar Schmunzler darf man nicht erwarten. Die Gags sind schon cool, aber jedem Moment ist alles total Random. Sinn macht nur wenig und die Handlung springt von Panel zu Panel wirr umher. Mir hat es Spaß gemacht, vorallem die Parallelen aufs Marvel Universum zu entdecken, aber ich glaube nicht, dass ich dieses Heft so oft wieder hervor holen werde oder mich sonst irgendwie wieder damit beschäftigen werde.

Das Artwork ist stark und voll krasser Splatterszenen. Sieht super aus, steckt nur halt wenig hinter. Abgesehen von viel Gedärmschmodderei. Wer also lockere Unterhaltung voller Anspielungen auf klassische Werke sucht ist hier richtig. Wer es nicht liest verpasst aber nicht zu viel.

#3: Scrooge ist ein alter böser Mann, da ist es auch nicht so schlimm, dass Deadpool in meuchelt und wenn er schon mal dabei ist, dann holt er sich auch gleich im Anschluss noch die drei nervigen Weihnachtsgeister. Von dort reist er zu Doktor Frankenstein, den er natürlich ebenfalls des Lebens beraubt. Doch dessen Kreatur birgt ein spannendes Geheimnis. Während Sherlock Holmes und seine Begleiter Wade immer noch einige Schritt hinterher hinken, stolpert er in das Universum der Dschungelbuch Bücher. Klar, dass auch Mogli bald sein Leben beendet bekommt. Auch Hans Christian Andersons Meerjungfrau und ein gewisser U-Boot Kapitän mit dem Namen Nemo müssen dran glauben. Scheinbar kann Nichts und Niemand Deadpool bei seinem Amoklauf aufhalten.

Cullen Bunn macht sich weiter daran Deadpool zur schrecklichsten Comicfigur überhaupt zu machen. Er tötet Kinder, hilflose Opis und sogar süße Raubkätzchen. Der beliebte Humor ist mittlerweile vollkommen Wades soziopathischen auftreten gewichen. Mit der Hauptfigur können wir also keinesfalls noch sympathisieren, dafür gibt der wahnsinnige Söldner einen sehr guten Bösewicht ab. Allerdings agiert er damit im leeren. Er hat nämlich keinen wirklichen Gegenspieler. Klar ist Sherlock Holmes ihm noch auf den Fersen, aber noch viel zu weit weg und zu selten zu sehen um ein richtiger Gegenspieler zu sein. Dabei bräuchte man grad jetzt einen Helden der dem etwas entgegenstellt.

Meinen Respekt bekommt Bunn dafür, wie er es schafft Pools schizophrene Stimmen mal ganz neu einzusetzen, ein netter Twist. Genauso cool ist auch, dass er Rudyard Kiplings Dschungelbuch so brutal und düster zeigt, wie es auch im Original mal war. Beim Versuch die klassischen Literaturcharaktere in Verbindung zu bringen, geht er manchmal den offensichtlichsten Weg (Mogli / Ka-Zar, Bagheera / Zabu), mal geht er recht clever daran (Nemo / Magneto) oder macht sich einen dicken Spaß daraus (Arielle / Namor). Inhaltlich ist der Comic also durchaus richtig gut geworden, leider fehlt Deadpool bisher aber ein richtiger Gegenspieler um die Sache spannender zu machen.

Von Matteo Lollis Zeichnungen fühle ich mich auch gut unterhalten. Dem gesamten Artwork fehlt irgendwie der letzte Schliff, aber ansonsten sieht’s ziemlich gut aus, auch wenn an manchen Ecken noch mehr zu holen wäre. Bunt, brutal und abgedreht ist es aber trotzdem. Besonders die Kämpfe haben einiges zu bieten und im Hintergrund kann man immer wieder ganz nette Anspielungen und Injokes entdecken. Gute Sache!

#4: Schottland 1057: Macbeth musst dran glauben, kurz darauf werden Edgar Allan Poe und sein Rabe in Baltimore getötet, während man im Jahre 1912 im Apartment eines gewissen Gregor Samsas nur eine riesige ermordete Kakerlake findet. Sherlock kann sich schon denken war dafür verantwortlich ist, natürlich der von fiktiver Welt zu fiktiver Welt reisende Deadpool und sein monströses Ich. Während Holmes immer noch hinterher hinkt, sind die beiden Pools dabei mit der Feuerkraft der Nautilus gegen Colossus zu kämpfen. Nachdem sie in Paris gegen die Musketiere angetreten sind, können Sherlock, Watson, Mulan, Beowulf und Natty Bumppo sie einholen. So kommt es zum finalen alles entscheidenden Kampf.

Mit der vierten Ausgabe Killustrated beendet Cullen Bunn seine Miniserie in der er Deadpool durch sämtliche literarischen Klassiker metzeln lässt. Das große Finale stellt dabei der Kampf gegen die Musketiere dar, die als Parabel auf die Avengers anzusehen sind. Wem diese Miniserie, sowie die vorhergegangene gefallen haben, kann sich jetzt schon mal darauf freuen das weitergemacht wird. Denn zum Schluss gibt es nicht nur eine sehr feine, unauffällige Lovecraft Anspielung, sondern auch einen Hinweis darauf, wie es danach weiter gehen wird. Nämlich mit Deadpool kills Deadpool, der nächsten Miniserie von Cullen Bunn.

Noch besser als die Lovecraft Referenz fand ich nur den kurzen Blick auf den ermordeten Gregor Samsa. Wer sich aber etwas mit klassischen Abenteuer, Horror und Fantasy Romanen auskennt, wird einige nette Anspielungen entdecken. Die Action ist wieder richtig blutig geworden, aber nie zu übertrieben heftig. Bei den Szenen auf der Nautilus bringt Matteo Lolli die Action sehr schön aufs Papier. Nur das Finale selbst, hätte ruhig noch etwas bombastischer sein dürfen. Ansonsten aber ein versöhnliches Ende einer der einfallsreicheren Deadpool Minis.

6,7 von 10 Seewölfe

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