Donnerstag, 21. November 2013

Captain Berlin #1 (Weissblech Comics)

Captain Berlin #1 (Weissblech Comics)

Captain Berlin, der einzig wahre Superheld Deutschlands ist zurück! Erschaffen im Berliner Untergrund, um als biologisch mutierter Mensch Hitler zu töten, bekommt  er nach seinen Auftritten in Kurzfilmen, Hörspielen und Theaterstücken endlich seinen eigenen Comic.
Und nicht nur die Nazis sind es die vor ihm zittern müssen. Auch das,  durch die Katastrophe von Fukushima mutierte, Monster Fukuda muss erst an Captain Berlin vorbei, bevor es die frühere Mauerstadt zerstören kann.

Soviel ganz grob zur Handlung der beiden Kurzgeschichten in Weissblech Comics neustem Streich.

Für diejenigen, die nicht wissen wobei es sich um „Captain Berlin“ handelt hier mal ne kleine Zusammenfassung:

Captain Berlin machte erstmalig 1982 in Jörg Buttgereits Super-8 Kurzfilm „Captain Berlin – Retter der Welt“, damals noch mit Spider-Man Maske und Bruce Lee Trainingsanzug (Marke „Game of Death“) die Welt (un-)sicher und befreite seine heimliche Liebe Ms. Priscilla aus den Händen des fiesen Mr. Synth.
Danach gab‘s dann mit „Captain Berlin gegen Hyxar“ noch eine Fortsetzung und dann war für lange Zeit erstmal Schluss mit Berlins maskiertem Helden.
Bis Deutschlands erster Avenger 2006 in Buttgereits Hörspiel „Captain Berlin vs. Dracula“ seine triumphale Rückkehr feierte, um kurz danach auch die Theaterbühne in „Captain Berlin vs. Hitler“ zu erobern.
Und nun kehrt er in das Medium ein, dem die modernen Superhelden entstammen.

Wobei so ganz richtig ist das nun auch nicht, denn die erste Geschichte des Heftes „Operation Untergang“ entstand bereits 2009 in Zusammenarbeit mit Weissblech Chef Levin Kurio (der sich mit Jörg Buttgereit für den Text verantwortlich zeichnet und auch für die Farben verantwortlich ist) Und Zeichner Rainer F. Engel. Diese kurze Originstory lag der DVD Fassung des Theaterstücks bei und ist nun zum ersten Mal in der richtigen Heftgröße zu haben.

Diese erste Geschichte bietet die Grundlage der Figur und erzählt mit reichlich Tempo und Action von Captain Berlins Herkunft, seinem wichtigsten Auftrag und gleichzeitig seiner größten Niederlage.
Auch wenn diese Geschichte nur 8 Seiten umfasst, bietet sie doch alles, was eine vernünftige Origin vorzuweisen haben muss.  Alles in Verbindung mit dem nötigen Exploitation Appeal und Humor.

Engels Zeichnungen sind wirklich gelungen und versprühen den Charme der Golden Age Comics angereichert mit ner Prise Trash. So gefällt mir das.
Die kräftigen Farben von Levin Kurio tun ihr Übriges dazu  diese erste Geschichte auch optisch ansprechend zu gestalten.

Nach diesem furiosen Start kanns dann auch gerne so weitergehen. Und das tut es mit „Captain Berlin gegen Fukuda“

Dieses Mal stammt der Text von Martin Trafford (wieder mit Jörg Buttgereit), der auch für die Zeichnungen verantwortlich ist. Für die Farben sorgen Marte Kurio-Deiterding und abermals Levin Kurio.
In dieser Geschichte geht es um das Monster Fukuda, das nach der Atomkatastrophe von Fukushima im Netz japanischer Fischer landet, dann mit einer Ladung anderer Meeresbewohner an Sushibars in Berlin verkauft und letztlich im Klo hinuntergespült wird.
Klar, dass das keine schönen Erfahrungswerte sind und so macht sich der, in der Kanalisation zum Koloss angewachsene, Mutant daran Berlin mal so richtig zu zerarschen.
Nur Captain Berlin kann da noch helfen, muss aber eine Niederlage gegen Fukuda („unkaputtbar und  scheißwütend“) einstecken. Nur der anerkannte Wissenschaftler Frank Stein hat eine Idee, wie Captain Berlin die Bestie aufhalten kann.
Diese Story hat es so richtig in sich. Elemente aus Superhelden Comics, Kaiju Eiga und n bisschen Horror, vermengt mit realen Bezügen zu Katastrophen treffen hier aufeinander und harmonieren vortrefflich miteinander. Oder treffen zumindest meinen Geschmack. Und das nicht zu knapp.
Diese Story hat in Sachen Action und absurdem Witz so einiges zu bieten und wenn dann Captain Berlin Dr. Steins Plan in die Tat umsetzt (den ich hier aber lieber nicht spoilern will) brechen alle Dämme und man muss diese Geschichte einfach lieben. Auch alleine schon wegen der vielen Anspielungen an andere Comics oder Filmklassiker oder wegen des tollen, sehr eigenständigen Artworks von Martin Trafford oder der wieder mal gelungenen Farbgebung oder, oder, oder... Ach, ich könnte noch weitermachen, aber das Beste wird sein, wenn sich einfach jeder, der etwas mit Buttgereits Werken, Expolitation, Kaiju Eiga oder einfach nur coolen, unterhaltsamen Underground Comics anfangen kann, sich diesen Comic zulegt.

Mir hats jedenfalls wahnsinnig gut gefallen und am Ende bleibt als einziger Kritikpunkt, die Länge bzw. Kürze des Hefts zu erwähnen. Das hätte nämlich gut und gerne noch ne weitere kleine Geschichte vertragen können. Aber auch so ist „Captain Berlin“ eine klare Empfehlung an alle Freunde der bereits oben aufgeführten Genres. Und alle anderen sollten auch mal einen Blick riskieren.

Ich jedenfalls würde mich sehr über weitere Ausgaben von Captain Berlin oder Comics zu anderen Buttgereit Vorlagen  freuen (Sexplosion in Shinjuku vielleicht?)

8,5 von 10 Ultrarevolvern

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