Montag, 5. August 2013

Mega Man 2 (NES)

Mega Man 2 (NES)

1987 erschufen Akira Kitamura und Nobuyuki Matsushima mit ihrem Team den ersten Mega Man Teil für Capcom. Die Verkaufszahlen wahren relativ mies und weit unter dem, was man erwartet hatte. Daher sollte eigentlich keine Fortsetzung mehr folgen, doch das Team war heiß drauf, ein Sequel zu programmieren, und die Chefetage lies sie an Mega Man 2 arbeiten. Aber nur, wenn sie das Game in ihrer Freizeit neben ihren anderen Projekten erledigen würden. So kam es, dass der zweite Mega Man Titel, der zugleich die wichtigsten Standards der Reihe festlegte, in Mittagspausen und nach Feierabend entwickelt wurde. 1988 erschien Part zwei des Platformers und beinhaltete nicht nur alles, was damals nicht mehr in den ersten Teil passte, sondern auch noch acht neue Robotmaster. Der zweite Teil wurde ein äußerst erfolgreiches Game und ließ die Reihe aufblühen und bis zum heutigen Tage gedeihen.

Ihr kennt den Drill schon von Ice Climbers und Snake Rattle 'n' Roll. El Tofu sagt A und Icke sagt B.

Story:

Nachdem Dr. Light seinen Roboter Mega Man im ersten Teil erfolgreich gegen den bösen Augenbrauen-Schlingel Dr. Wily und seine sechs Robotmaster antreten ließ, ist Wily zurück und hat sich nicht nur eine neue Basis gebaut, sondern auch acht neue Kampfroboter, darunter so illustre Typen wie der Holzrobo Woodman, der etwas schusselige Metalman und der Blasebalg Airman. Übrigens bekommt jeder Robotmaster einen eigenen Credit im Abspann, was daran liegt, dass Fans der Games immer die Bossgegner vorschlagen und erwähnt werden, falls ihr Roboter gewählt wurde. Natürlich ist Mega Man, der ja wegen seiner variablen Farben erst Rainbow Man heißen sollte, wieder zur Stelle und besiegt einen der Master nach dem anderen, um so ihre Fähigkeiten zu erlernen und schließlich Wily auseinander zu nehmen und so die Welt zu retten.


Hach, es waren noch wilde Zeiten, in denen die Handlung von Mega Man noch so einfach war und jedes japanische Spiel in der fernen Zukunft des Jahres 200X verankert war. Später wurde die Handlung mit jedem Teil merkwürdiger und verwirrender, hier ist es aber noch so simpel wie es sich für einen Platformer gehört. Das Intro ist ganz nett und auch der finale Twist nach dem letzten Endgegner ist ein cooler Moment.



Zu den späteren Teilen darf ich mir kein Urteil erlauben, da ich da nicht so bewandert bin, aber Mega Man 2 liefert bezüglich der Geschichte ein solides Paket ab. Damals wie heute ist die Motivation des kleinen blauen Roboterjungen nachvollziehbar. Wer würde dem lieben Dr. Light nicht gegen den bösen Dr. Wily helfen wollen?


Gameplay:

Die Steuerung ist denkbar simpel. Mit dem Steuerkreuz lässt Rockman sich nach links und recht bewegen. Ducken kann er sich allerdings nicht, was Ausweichen etwas schwieriger macht, aber zugleich die Behäbigkeit eines Roboters emuliert. Mit A und B lässt sich schießen, beziehungsweise hüpfen. Das war es dann eigentlich schon. Mit Start könnt ihr später noch ein Menü öffnen, in dem ihr eure Waffe wechseln könnt. Neben den Standardblaster, werden nach den Bossfights deren acht Fähigkeiten frei geschaltet. Unter anderem wäre da ein Bummerrang, Quecksilberblasen, Blattschilder und zudem noch drei Items, die ihr als Gleiter oder auch als Hüpfplattform benutzen könnt. Diese drei Items wurden dann in den späteren Teilen zu Mega Mans hündischen Begleiter Rush. Wie für Mega Man typisch könnt ihr zu Beginn zwischen den acht Stages auswählen. Sind die geschafft und alle Fähigkeiten erlernt, so geht es weiter zu Dr. Wilys Festung, die noch ein paar weitere Bosse und wie jeder Teil eine Boss Rush Stage beherbergt.


Die freie Levelwahl hat einmal den Vorteil, dass ihr was anderes versuchen könnt, falls ihr daran scheitern solltet und zum anderen sind bestimmte Level mit bestimmten Waffen sehr viel leichter oder es lassen sich andere Wege gehen. Somit bietet das Game auch einen ziemlich hohen Wiederspielwert. Außerdem können noch bis zu vier Energietanks gefunden werden, mit denen ihr im Falle eines Falles eure Energie wieder auffüllen könnt. Gegner, die weggeblastert wurden, droppen zuweilen kleine oder große Energie oder Munition und, wenn sie ganz gut gelaunt sind, auch mal ein Extraleben. Die Steuerung ist wie bei vielen NES-Titeln zwar steif, dafür aber trotzdem sehr gut geraten. Wenn man stirbt, liegt es eigentlich so gut wie immer an der eigenen Blödheit und nicht an einer fahrlässigen Programmierung. Dieser Fakt lässt einen auch dann einen weiteren Versuch wagen, wenn man bei anderen Titeln den Controller schon lange entnervt in die Ecke geworfen hätte.


An diesem Punkt muss natürlich auch noch was über den Schwierigkeitsgrad gesagt werden. Die Japaner hielten die europäischen und amerikanischen Spieler nämlich für etwas doof und haben einen “normalen” Schwierigkeitsgrad hinzugefügt. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit um einen leichteren Modus und aus der japanischen Variante wurde bei uns die schwere. Auf Normal sollte eigentlich jeder nach ein paar Versuchen relativ locker durch das Game kommen können. Wenn man aber die japanische Variante versucht wird’s auch schon mal happig. Falls man aber erstmal weiß, wie man mit den Waffen umgehen soll und wofür man sie benutzen kann, ist es nicht zu schwer. Trotzdem aber zu jeder Zeit fordernd. Auf Normal zieht er euren Gegnern doppelt so viel Energie ab, verliert selbst nur halb so viel, manche Feinde benutzen ihre Spezialtricks nicht und außerdem werden viel mehr Items gedroppt. Wer aber die richtige Mega Man Erfahrung machen möchte, spielt auf Schwer.

Ich mag auch wie die Programmierer den Spieler Schritt für Schritt jede neue Technik intuitiv ohne nervige Tutorials beibringen, indem sie in die jeweiligen Situationen geworfen werden. Notgedrungen bringt man sich auf diese Weise alles schnell selbst bei. Ansonsten sei noch gesagt, dass es ein Passwortsystem gibt und man somit immer bequem da weitermachen kann, wo man zuletzt aufgehört hat.

Die Steuerung an sich ist echt tight wie 'ne Leggings. Am Anfang klemmt es gelegentlich mal, aber irgendwann wird's gemütlich. Da muss man halt ein wenig exakter arbeiten als bei so manch anderem Telespiel. Diese Tatsache wird schnell zur Tugend und macht das Gameplay einfach so gut, dass man heute noch gehörig Spaß an dem Spiel haben kann. Wie die fermentierten Sojabohnen schon schrieben, ist der Wiederspielwert wirklich hoch, eben auch dadurch, dass man von Anfang an freie Hand hat, was die Levelwahl angeht.

Bezüglich des Schwierigkeitsgrads hört man ja immer wieder, dass Mega Man schwer wie ein Bock wäre. Bei diesem Teil hatte ich allerdings die Erinnerung, dass es sich um ein recht gediegenes Spiel handelt. Ich denke, ich habe als Kind "europäisch gespielt", von daher war für mich bei Mega Man 2 die bildliche Nähe zum Bock nicht gegeben...und hat sich jetzt beim Durchzocken auf "Schwer" nicht geändert. Fordernd ist das Spiel. Aber niemals unfair oder abstrus schwer. Zumal sich mit ein bisschen Herumprobieren meist ein einfacher Weg finden lässt - außer bei Metal Man. Metal Man ist immer einfach. Metal Man kommt mit seinen eigenen Waffen nicht klar. Der Lump.


Grafik:

Für das Jahr 1988 und den NES ist die Grafik verdammt gut. Die Animationen sind seit dem ersten Teil runder geworden und auch die eintönigen Hintergründe sind nun abwechslungsreicher und teilweise sogar animiert. Neben der Ebene, auf der ihr spielt, gibt es teilweise nicht nur die des Hintergrunds, sondern auch noch eine zwischen der Scheibe und Mega Man. Dadurch verschwindet Mega Man schon mal hinter Wolken im Vordergrund oder ähnliches. Auch ansonsten reizt man die Konsole soweit aus wie möglich. An mehreren Ecken mogelt man ein wenig mit den technischen Limitierungen und trickst so sehr es nur geht, um das Game eindrucksvoller erscheinen zu lassen. Zum Beispiel ändert sich mit der Farbe von eurer Rüstung beim Waffenwechsel auch die Farbe des Menüs und der Items. So konnten die Entwickler nämlich trotzdem noch die Höchstmenge an verschiedenen Farben einsetzen. Ein anderer Trick ist, die großen Endgegner in vollkommen schwarzen Räumen kämpfen zu lassen, damit die gesamte Power des NES dafür genutzt werden kann, die großen Sprites darstellen zu können. Toll, was man aus den beschränkten Mitteln hier alles rausholen konnte.


Optisch ist Mega Man 2 genau mein Ding. Die Details sind genau so dosiert, dass die Bilder zwar reich an ihnen sind, aber nie stressig werden. Zudem sind die Stages sehr stimmig und dem Robotmaster entsprechend designt, was sie wie aus einem Guss wirken lässt. Super töfte.
Das Charakterdesign ist eigentlich auch absolut nicht unknorke, allerdings lässt es gerne mal Raum für Interpretation. So sollen die Vögel, die mit Eiern werfen (unten im Bild), anscheinend Flugfische sein. Hat mich persönlich irritiert. 


Sound:

Dasselbe lässt sich auch über die Sounds sagen. Die Geräusche erfüllen ihren Zweck und klingen so wie Roboterkämpfe in 8-Bit klingen müssen. Absolut großartig sind aber vor allem die Musiken, wie zum Beispiel das Crashman-Theme oder das von Woodman. Nur wenige NES Titel können derartig gut rocken!

Ich bin ja absolut kein Freund davon, sich Spielesoundtracks unabhängig von den Spielen reinzuziehen. Hier komme ich allerdings ins Grübeln. Die Titel sind einfach richtig coole Kompositionen, die einen durch die Stages pumpen. Sie werden eigentlich nie langweilig oder nerven. Der Stil ist zwar anders, aber von der Güte her reicht das schon an Guardian Legend heran.

Verfügbarkeit:

Puristen werden natürlich die originale NES-Version haben wollen. Wer einfach nur zocken will und sich mit dem Modul zufrieden gibt, plant am besten 15-20€ ein. Sammler die auch OVP und Anleitung wollen können auch schnell mal bis zu 60€ hinlegen, wenn der Zustand super sein soll. Wer aber mit etwas Geduld an die Sache herangeht, ist schon mal bei 30€ dabei. Ansonsten findet ihr den Titel mittlerweile auf allen Smartphones und als Downloadtitel für Wii und PS3. Sammlern mit Multinormkonsolen würde ich auch noch das japanische “Rockman Complete Works” Remake ans Herz legen. Der PSX Titel beinhaltet ein paar kleine Boni und läuft etwas runder. Am besten ist aber wohl die “Mega Man Anniversary Collection” auf der neben diesem Titel noch 9(!) weitere Mega Man-Games enthalten sind. Der Titel muss leider importiert werden, ist dafür aber für GC, PS2 und Xbox erhältlich und die beste Mega Man Compilation die man bekommen kann.

Fazit:

Mega Man 2 ist zurecht der Teil, der die Reihe zu dem gemacht hat, was sie schließlich wurde. Ihr bekommt einen actionreichen Platformer mit fordernden Hüpfpassagen und Kämpfen, die entweder viel Können oder etwas Strategie erfordern. Grafisch konnte man mit den damaligen Mitteln zu dem Zeitpunkt nicht wirklich viel mehr machen und auch der Sound ist eine sichere Bank. Der Umfang passt auch und der Schwierigkeitsgrad ist angenehm fordernd ohne unfair zu werden. Top Spiel, nichts zu meckern.

8,7 von 10 lustige Fehler im Booklet

Nachdem wir den Lausbub Wily geschlagen hatten, herrschte zwischen El Tofu und mir Eintracht bezüglich des Spiels. Natürlich würde ich mich hier jetzt gerne mit einer ultra-individuellen Meinung positionieren, aber es wäre schlichtweg Blödsinn. Mega Man 2 ist ein Top-Spiel, dass ohne Alterserscheinungen für muckelige Spielstunden sorgen kann.

8,7 von 10 bekiffte Zippos

Kommentare:

  1. Toller Test!
    Habe MegaMan X auf dem SNES so hart generdet damals! Fantastische Reihe

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mit dem dritten Teil sind wir jetzt auch durch, da sollte dann auch bald was kommen. Bei vier mussten wir aus Zeitmangel leider direkt vor Wilys letzter Form ausmachen und danach wirds dann mit X3 weitergehen.

      Löschen