Dienstag, 8. Oktober 2013

Before Watchmen: Ozymandias (Panini)

Before Watchmen: Ozymandias (Panini)

Adrian Veidt alias Ozymandias ist ein weiterer Held oder Anti-Held (je nach These) des Watchmen-Universums. Der sich selbst als klügster Mensch der Erde bezeichnende Erbe eines Milliarden-Imperiums sieht sich als Philanthrop, der nur im Wohle der Menschheit handelt. Seine überragenden intellektuellen und körperlichen Fähigkeiten mit denen er sich jedem gewachsen fühlt, führen zu seiner größten Schwäche. Seinem maßlosen Gefühl der Überlegenheit.


Veidt, dessen Eltern zu Zeiten Nazideutschlands aus Europa (mutmaßlich Frankreich) nach Amerika übersiedelten, schenkten ihm dort das Leben. Bereits sehr früh war klar, dass der junge Adrian alles andere als ein normales Kind sein würde. Bereits im Alter von vier Jahren hatte er sich das Lesen selbst beigebracht und im Zuge dessen alle 24 Lexika seines Vaters durchgearbeitet. Hierbei wurde ihm durch das berühmte Zitat Sir Drancis Becons eine erste prägende Lektion zu teil, „Wissen ist Macht“. Mit 14 Jahren beendete er die High School mit einem „Cum Laude“-Abschluss, um bereits drei Jahre später in Harvard seine Abschlussarbeit über Alexander von Mazedonien zu vollenden. Während dieser Zeit ereilt seine Eltern das Schicksal eines schweren Autounfalles, beide sind sofort tot und Adrian genau wie sein großes Vorbild, allein.
In den darauf folgenden Jahren sammelte Adrian beachtliche körperliche und intellektuelle Fertigkeiten, die so groß waren, dass er sich in nur 18 Monaten ein unglaubliches Imperium geschaffen hatte. In dieser Zeit lernt er auch die wichtigste Frau in seinem Leben kennen, Miranda. Doch wird ihm die Bedeutung die sie für sein Leben hatte erst klar als er sie eines Morgens mit einer Überdosis, tot in seinem Bett auffindet. Für ihre Liebe und das Wohl der gesamten Menschheit schwört Adrian alles besser machen zu wollen und die Welt zu retten. Die goldene Ära der Superhelden geht zu Ende und eine neue Elite von maskierten Wächtern tritt zum Vorschein unter ihnen auch der unglaubliche Doktor Manhattan. Dessen Anwesenheit und sein Stellenwert als Gott in Menschengestalt, sind für Veidt gleichermaßen Faszination und Furcht. Getrieben durch diese Angst vor einer atomaren Vernichtung der gesamten Erde, entwickelt der vermeidlich Klügste Mensch der Welt einen Plan, so groß, so größenwahnsinnig, dass nur er ihn durch führen kann.

Der gefährlichste Mann der Welt heißt es im Einband zur Sammelausgabe und bei niemandem scheint dies mehr zu stimmen als bei Ozymandias. Mit großer Macht kommt große Verantwortung, dass wussten schon andere Superhelden. Doch kann diese Erkenntnis zusammen mit einer großen Portion Selbstbewusstsein ziemlich schnell nach hinten los gehen, denn der Grad zwischen Genie und Wahnsinn ist nur eine dünne Linie die im Anblick des Weltuntergangs nur zu leicht verwischt. Die Geschichte des Menschen hinter der Maske, wird in einem durchgängig autobiografischen Stil erzählt. In den persönlichen Audioaufzeichnungen von Veidt legt er uns detailliert all seine Gedanken und Fortschritte da, die seiner Meinung nach nur dem Wohl aller dienen sollen.
Der Comic verfolgt besser als die anderen Ausgaben den kompletten Lebensweg von Ozymandias. Beginnend in den frühen Kindertagen in Europa bis zu den letzten Tag vor seinem großen Plan, begleiten wir Veidt Schritt für Schritt und werden Zeuge seines verklärten Genies. Dabei ist der Aufbau eigentlich sehr gut und schneidet die wichtigsten Dreh- und Angelpunkte geschickt an, so dass alle Fäden sowohl im Watchmen-Kontext aufgehen als auch zusätzliche Hintergrundinformationen preisgeben können.
Es ist aber nicht alles antikes Gold was glänzt, da sich die Lebenszeit eines Menschen nur schwer auf 156 bunten Seiten wiedergeben lässt, muss an vielen Stellen gerafft und gekürzt werden. Besonders deutlich und unglaubwürdig wird dadurch der zentrale Wendepunkt in Adrians Leben nach dem Tod seiner geliebten Miranda. Eine sehr innige Bindung, die dem Leser jedoch verschlossen bleibt, da das Aufkeimen, das Erblühen und das Welken der jungen Liebe auf nun mehr drei knappen Seiten Erwähnung findet. Das ist deutlich zu wenig Zeit, um ansatzweise Verständnis oder eine emotionale Bindung aufbauen zu können.
Ebenfalls nicht so gelungen empfinde ich die charakterliche Tiefe mit der uns Adrian Veidt dargestellt wird. Obwohl wir viele seiner Gedanken direkt mitbekommen und beständiger Teil seiner Gedankenwelt werden, fehlt es ihm an Konsistenz. Nie wird klar was diesen Mann innerlich umtreibt, wo seine „Extreme“ liegen und was sein innerer Antrieb sein könnte. So sind wir mehr dazu gezwungen oberflächlich dem wahnsinnigen Treiben zu folgen ohne wirklich zu wissen wieso der Protagonist sich zu seinem Handeln genötigt sieht.
 

Visuell finde ich „Before Watchmen: Ozymandias“ sehr großartig, Zeichner Jae Lee und Koloristin June Chung finden mit einer Mischung aus Kohlestift und feinlinierten Zeichnungen, überzogen von kräftigen homogenen Farbflächen einen ganz besonderen und ansprechenden Look. Dieser künstlerische Anspruch finde sich ganz ähnlich auch in der Panelgestaltung wieder, bei der wir öfter einfarbig kolorierte Hintergründe vor uns haben, in denen die Geschichte in schwarzen Silhouetten abgebildet wird also ganz ähnlich dem Schattentheater (was man als Referenz an das Mysteriöse der Geschichte sehen könnte).
Dem trägt auch die vorliegende Softcover Ausgabe vom Panini-Verlag gebührend mit Feindruckseiten, einer Covergalerie und den von Romanen bekannten Lesezeichen-Flügeln auf der Vorder und Rückseite, genügend Rechnung.

Die Vorgeschichte oder in diesem Fall mehr die Lebensgeschichte von Ozymandias ist sowohl erzählerisch als auch grafisch eine der hervorstechendsten Ausgaben der Before Watchmen Serie und kann bedenkenlos von jedem gelesen werden, der oder die sich schon immer ein genaues Bild davon machen wollten, wie sehr die Macht™ einen Menschen verändern kann.


8.4 von 10 schnurrenden Luchskätzchen

1 Kommentar:

  1. Ich habe nur die beiden ersten Hefte der Mini gelesen und habe den Sinn des Ganzen nicht ganz verstanden. Alles was darin erzählt wurde, steht auch in den Anhängen von Watchmen oder hilft nicht dabei den Charakter weiter zu formen. Ganz im Gegensatz dazu wirkt Ozy hier sehr viel Platter als im Original, dort konnte ich seine Taten nämlich nachvollziehen. Wie seine Wandlung hier aber stattfindet, wirkte auf mich extrem bemüht. Schließlich ist es aber gerade das ja auch, denn Wein musste ja irgendwie den kleinen Jungen zu dem Charakter aus Watchmen werden lassen. Das Artwork sieht klasse aus, die Symbolik ist aber ebenfalls platt und wird der Figur einfach nicht gerecht.

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