Freitag, 4. Oktober 2013

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung #23 - X-Men: Bedrohte Spezies (Hachette)

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung #23 - X-Men: Bedrohte Spezies (Hachette)

Dieser Sammelband enthält die US-Hefte New X-Men #114-#117.

In der letzten Zeit mussten die Mutanten viel mit machen. Die Sentinels sorgten einige Male beinahe für ihre Ausrottung und Magneto eroberte gewaltsam den umkämpften Inselstaat Genosha und machte ihn zu einer Zufluchtsstätte der Mutanten. Zur Zeit ist die Situation zwar angespannt, aber recht überschaubar. Etwas Verwirrung erzeugen die neuen Mutationen. Jean Grey hat ihre Telekinetischen Fähigkeiten zurück erlangt, Dr. McCoy ist noch mehr zum Tier geworden und Emma Frost kann ihre Haut in organische Diamanten umwandeln. Hank hat dem Professor auch einen neuen Helm gebaut, einen Cerabra. Durch diese Erfindung wird er seine Fähigkeiten noch einmal um das zehnfache erhöhen können im Vergleich zu dem, was der Cerebro leistet. Somit kann er jetzt auch weiter entfernte und schwächere Mutantensignale erkennen. So kommt es das er Cyclops und Wolverine gleich weiterschickt. Die beiden hatten gerade noch einen Auftrag in Australien, wo sie einen Dreigesichtigen Mutanten retteten. Nun soll es aber weiter nach Ecuador gehen, wo die beiden auf etwas schreckliches Aufmerksam werden…

Denn Cassandra Nova hat dort eine unbesiegbare Sentinel Armee versammelt. Sie selbst ist eine weitere evolutionäre Stufe nach den Mutanten, die ihre Vorgänger auslöschen möchte, um die Erde alleine beherrschen zu können. Schon ihr erster Angriff dezimiert die Mutantenpopulation gewaltig.

Es ist kein allzu großes Geheimnis, dass Grant Morrison (Vampirella Masters Series #1 - Heiliger Krieg) einer Meiner liebsten Comicautoren überhaupt ist, auch die X-Men mag ich sehr. Viel besser können die Voraussetzungen also nicht sein. Hinzu kommt noch das ich damals gerade 13 Jahre alt war als der Comic erschien. Zu einer Zeit in der mein X-Men Fandom nicht mehr hätte viel größer sein können. Und was diesen Arc damals so gut machte, funktioniert über 10 Jahre später noch auf die selbe Weise. Wo man heute den Leser einfach grundlos, also aus Marketingtechnischen Gründen ein neues Charakterdesign vor den Kopf knallt, gibt es hier noch eine Erklärung dafür. Ein paar der X-Men bekommen nämlich neue Fähigkeiten, die sich zum Teil auch optisch niederschlagen. Am wichtigsten ist dabei wohl die wahre Biest Form von Beast und Emma Frosts Diamantenhaut, beides Änderungen, die bis Heute noch wichtige Bestandteile der Figuren sind.

Innerhalb der vier Hefte, die gemeinsam den Arc “E is for Extinction”, auf deutsch “Bedrohte Spezies” bilden geht es darum, dass die Evolution auch nach den Mutanten weitergeht. Die neue Stufe der Menschheit ist aber derartig stark, das sie Homo Sapiens gar nicht mehr als Gefahr ansieht und sich daher nur daran macht die Mutanten, die unter Umständen noch gefährlich für sie werden könnten auszulöschen. Dabei kommt es zu einigen schrecklichen Szenen, die es in sich haben. Die erbarmungslose Zerstörung Genoshas wird von Frank Quitely (Batman & Robin 1: Batman Reborn) schonungslos wiedergegeben und schockiert erheblich. Aber auch andere krasse Momente, wie der geistige Angriff auf Professor X oder mit anzusehen wie der junge Mutant Beak, seinen Mentor Beast auf stumpfeste Weise halb tot prügeln muss ist ziemlich hart. Auch eher am Rande gibt es harte Szenen, die nur angedeutet werden und dadurch noch heftiger wirken. Da wäre vor allem zu nennen, wie Cyclops Diry John von seinen Qualen erlöst.

Aber es muss nicht immer Gewalt sein die schockt. Ebenso schockierend wirkt zum Beispiel wie groß der Mutantenhass auch noch nach dem Genozid versuch ist. Xavier geht an die Öffentlichkeit und verrät das Geheimnis der Schule um hoffentlich nach den vorhergegangenen Ereignisse eine Brücke zwischen Homo Sapiens und Homo Superior zu schlagen. Aber dies geht ziemlich nach hinten los und führt dazu, dass keiner der Schüler das Internat mehr verlassen kann, da die Tore von wütenden Protestlern belagert werden, die die Auslöschung derer fordern, die anders als sie selbst sind. Zum anderen ergeben sich aus dem neuen Hass auch andere eklige Szenen, wie zum Beispiel das vorläufige Aus zwischen Trish und Hank, denn sie kommt angeblich nicht mehr mit seiner tierischen Gestalt klar. In Wirklichkeit geht es ihr aber natürlich nur darum wie sie bei ihrem Umfeld dasteht, falls sie eine Beziehung zu einem blauen Raubtier eingehen würde.

Im Gegensatz zu vielen seiner anderen Arbeiten, kann man diese Geschichte von Grant zwar nicht als total genial bezeichnen, gerade weil er nicht so schonungslos mit Vergangenem spielt und hunderte Querverweise anbringt, dafür hat er damit Etwas geschaffen, das auch Neulinge lesen können ohne sich verloren zu fühlen. Trotzdem ist der Arc Actionreich und zugleich gespickt mit einigen Emotionalen Tiefpunkten. Interessanter Lesestoff.

Unter den vielen Zeichnern, die schon mit Grant zusammengearbeitet haben, sind nur wenige, die so gut mit seinem Stil harmonieren wie Frank Quitely. Beide haben ihre Wurzeln im dreckigen Stil der 2000 A.D. Magazine was man dem Ganzen doch immer noch anmerkt, wenn auch teilweise nur sehr am Rande. Denn oftmals sind seine Zeichnungen schon recht Marvel typisch, weichen dann aber doch meist davon ab und lassen Raum für härtere Action oder dreckigere Szenen, durch die der Inhalt ein wenig erwachsener und bedachter wirkt. Leider schwankt hierbei ein wenig die Qualität der Hintergründe. Einmal sind diese nämlich extrem detailreich und dann beschränkt er sich doch wieder auf große und nicht immer so gut eingesetzte leere Flächen.

Auch dieser Hardcover Band von Hachette wurde mit einem Vorwort und einer “Was bisher geschah” Seite garniert. Eine Covergalerie ist ebenso enthalten, wie abschließend noch Texte über den Autor und den Zeichner, sowie ein Einblick in Quitelys Sketchbook samt Linernotes. X-Men Fans, denen der Morrison Run noch fehlt sollten diesen Makel durch diesen Band ausmerzen.

8 von 10 raus gepopelte Kugeln

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