Dienstag, 9. Juli 2013

Der Anfang vom Ende (Reprodukt)

Der Anfang vom Ende (Reprodukt)

Und immer noch ist Julius Corentin Acquefaques Gefangener der Träume. Diesmal rasiert er sich so lange bis er einen zwei Tage Bart hat, läuft rückwärts und freut sich darauf zu früh zur Arbeit zu kommen. Bald muss er feststellen das alles falsch herum läuft und die Wahrheit sagt ihm, er sei nur sein verloren gegangenes Spiegelbild, dass sich selbstständig gemacht hat. Da hilft nur sein Inneres nach außen zu krempeln und sich auf die Sache nach dem Spiegel zu machen. Ob der aber die Situation leichter zu begreifen macht ist fraglich.

In seinem zweiten kafkaesken Albtraum bewegt Julius Corentin Acquefaques sich rückwärts durch das halbe Album und durchstreift dabei eine Welt die vollkommen verquer ist. Aber anstatt den Adorno zu machen und sich zu sagen “Es gibt kein richtiges Leben im falschen” macht er sich auf die Suche nach der Ursache und trifft in der Mitte dieses Album auf sein reales ich oder seinen Schatten, seine Spiegelung oder was auch immer. Jedenfalls durchschreitet er den Spiegel und findet sich auf der anderen Seite wieder, die allerdings auch nicht viel richtiger aussieht. Hier steht nun alles auf dem Kopf und vom Ende an läuft der Comic abermals rückwärts bis zur Mitte.

Wieder ein Comic von Marc-Antoine Mathieu und wieder handelt es sich um einen Trip, der wie auch “3 Sekunden” oder das erste Album um den Gefangenen der Träume “Der Ursprung”, Grenzen des Mediums auslotet und mit Konventionen, genauso wie mit Lesegewohnheiten bricht. Auf -23 bis 25 Seiten begibt sich der Leser in eine Spiegelwelt, die nur oberflächlich etwas mit ihrem Pendant gemein hat. Eigentlich ist vieles anders, auch wenn einiges nur gespiegelt wird. Gepaart mit Matheieus klaren Zeichnungen, den krassen Kontrasten und großen Schattenflächen wird “Der Anfang vom Ende” schnell zu einem inhaltlichen und optischen Erlebnis, dass den Leser zwar mitreißt, letztlich aber auch etwas hilflos dastehen lassen muss. Am Ende scheint in diesem Fall nämlich das Gimmick vor einer klar zu verfolgenden Handlung zu stehen. So ist der Comic optisch durch die Möglichkeit ihn von vorne und hinten lesen zu können durchaus eine nette Spielerei, aber inhaltlich nicht annähernd so packend wie die anderen Werke des Autoren die ich bisher lesen durfte. Julius Corentin Acquefaques ist aber weiterhin ein drolliger Charakter, dem man gerne bei seinen Abenteuer versuchen zu schaut.

Ich wurde einmal mehr gut durch Mathieu unterhalten, doch im Vergleich zu seinen anderen Werken konnte mich dieser Comic nur beim lesen fesseln und hallt nicht so lange nach wie zum Beispiel “Gott höchstselbst”. Freunde des anspruchsvollen Comics werden die Spielerei mit den Sinnen aber als willkommene Abwechslung wahrnehmen und sich zumindest für einige Minuten in einer merkwürdigen Welt der Reflexionen verlieren.

7,3 von 10 offene Geister

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