Mittwoch, 24. Juli 2013

Stanley Kubrick's Napoleon. The Greatest Movie Never Made (TASCHEN)

Stanley Kubrick's Napoleon. The Greatest Movie Never Made (TASCHEN)

Es gibt Filme, bei denen weiß man nach dem Schauen nicht, was man schreiben könnte, da einfach die Substanz fehlt. Zu anderen eigentlich interessanten Filmen, die manchmal nur ein paar Jahre alt sind, findet man nicht mal in den Weiten des Internets irgendwelche Informationen. Da wirkt es schon wie ein kleines oder auch großes Wunder, was man in den Händen hält, wenn man zu “Stanley Kubrick's Napoleon. The Greatest Movie Never Made“ greift. Wie der Titel es vermuten lässt, handelt dieser monumentale Band nämlich von Kubricks Film über Napoleon Bonaparte, den er von 1967-1971 plante, zu dem es aber dann doch nie kam. Das Besondere an diesem nicht existierenden Epos über den Kaiser ist wie unheimlich lückenlos Kubricks Vorbereitungen archiviert wurden. Alles ist so akribisch erhalten worden und von Kubrick selbst so lückenlos und manisch vorbereitet worden, dass man nur durch die Bilder und seine Aufzeichnungen einen verblüffend guten Eindruck davon bekommen kann, wie ein Napoleon-Film von Kubrick ausgesehen hätte.

Ursprünglich erschien dieses große Buch als limitierte Sammlerausgabe bei TASCHEN. Gestaltet wurde diese Ausgabe wie ein wuchtiges Geschichtsbuch über Napoleon, das ausgehöhlt wurde, um 10 Bänden Platz zu bieten, die alle Informationen über den Film enthielten. Die Neuauflage kommt als nur ein großer Band mit den Maßen 21,1 x 34,4 cm, mit einem Umfang von über 1100 Seiten und einem massiven Hardcover. Die Geschichte des Buches begann während Alison Castles Arbeiten am Stanley Kubrick Archiv. Währendessen entdeckte sie nämlich auch noch die unzähligen Karteikarten und Aufzeichnungen Kubricks zu Napoleon. Schränke, Seekoffer waren voll mit Aufzeichnungen, Bildern und Fotos und sogar eine kleine Napoleon-Bibliothek hatte er sich für seine Nachforschungen angelegt. Da sie davon nur wenig im Kubrick Archiv Band unterbringen konnte und danach noch unglaublich viel Material übrig war, das zum Großteil noch niemand sehen durfte, fasste sie den Entschluss, dem Film einen ganz eigenen Band - oder auch zehn - zu widmen.

Auf den über 1.000 Seiten findet ihr zuerst einmal eine Einleitung von Frau Castle. Danach geht es weiter mit kurzen Texten über Kubricks verschiedene Vorbereitungen, bis hin zur Absage von MGM. Auch ein Kubrick-Interview über Napoleon aus den Achtzigern wurde abgedruckt. Der Rest sind dann Fotos, Gemälde und vor allem abfotografierte Notizen und so weiter. Darunter ist auch die aktuellste Version des Drehbuchs, die man gefunden hat. Man kann den Film also doch irgendwie miterleben. Kombiniert man das Drehbuch dann noch mit den Kostümchecks, Drehortbesichtigungen und Kubricks Ideen für die Besetzung, kann man sich ein sehr umfassendes Bild darüber machen, wie der Film letztlich ausgesehen hätte.



Meine persönlichen Highlights waren es, immer wieder aus neue nachzulesen, wie Kubrick die Herren von MGM durch neue Budgetvorrechnungen versuchte zu überzeugen. Genauso spannend ist der Briefverkehr zwischen Stanley und einem Geschichtsprofessor aus Oxford, den er immer wieder um die Klärung historischer Fragen zu Rate zog. Es gibt aber noch mehr wichtige Erkenntnisse, als man aufzählen könnte. Cineasten und im besonderen Kubrick-Fans werden aus diesem Band jedenfalls eine Unmenge an interessanten Informationen ziehen können. Besser konnte man S.K. Arbeit als Regisseur wohl noch nie verstehen und dabei saß er für diesen Film nie auf dem Regiestuhl.

Aber das war ja immer noch nicht alles. Im Buch findet ihr eine Keycard. Auf dieser Keycard steht ein Code, mit dem ihr euch auf der TASCHEN Website anmelden könnt und dort dann Kubricks gesamte Napoleon Galerie anschauen und auch runterladen könnt. Die Anmeldung ist simpel und dauert nicht lange. Danach habt ihr Zugriff auf über 16.000 Bilder, die auch nach Jahr sortiert werden können. Großartig.


Wer Kubricks Arbeit so nahe miterleben möchte wie es nur möglich ist und dabei einen Film entdecken möchte, den es überhaupt nicht gibt, gibt es keine bessere Möglichkeit als dieses epische Machwerk. Kritik gibt es keine und wer sich dem Thema annimmt wird sich für viele, viele Stunden darin verlieren.

9,8 von 10 Drehtage in der Sowjetunion

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