Samstag, 29. Juni 2013

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung #14 - Avengers Forever, Teil 1 (Hachette)

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung #14 - Avengers Forever, Teil 1 (Hachette)

Dieser Sammelband enthält die sechs US-Hefte Avengers Forever #1-#6.

Rick Jones, ein ehemaliger Freund von Bruce Banner, ist der Mann, dem wir die Gründung der Avengers zu verdanken haben. Er war es nämlich der Thor, Iron Man, Wasp und Ant-Man um Hilfe rief als der Hulk dabei war alles in seinem Weg zu zerstören. Während des Kriegs zwischen den Kree und den Skrulls wurde er von der obersten Intelligenz befallen und als Wirt benutzt. Ein gigantischer Wissensspeicher und die größte Obrigkeit der Kree. Zur Zeit liegt Rick im Koma und die Avengers bringen ihn zum Mond, wo sie sich Hilfe von der obersten erhoffen, die dort festgehalten wird. Während ihres Aufenthalt dort kommt es aber zu unglaublichen Geschehnissen. Rick geht es bald besser, doch plötzlich öffnet sich ein Zeit Tor, durch das Immortus durch seinen Helfer Tempus Armeen aus allen möglichen Epochen auf die Avengers hetzt. Hilfe bekommen sie ausgerechnet von der obersten Intelligenz, einen unbekannten Mann, der sich Libra nennt und einem noch viel erstaunlicheren Gefährten: Kang der Eroberer. Kang ist ein Superschurke aus dem 300. Jahrhundert und aus ihm wird einmal der Zeittyrann Immortus werden. Doch jetzt stellt er sich Schulter an Schulter mit den Avengers gegen sein zukünftiges Ich. Egal ob sie ihm vertrauen oder nicht, erstmal müssen sie Kangs Hilfe annehmen, ansonsten ist nicht nur die Gegenwart und Zukunft, sondern auch die ferne Vergangenheit des Marvel Universums für immer verloren.

Nach weiteren Turbolenzen findet sich ein bunt zusammen gewürfeltes Avengers Team wieder. Dabei handelt es sich um den desillusionierten Captain America der Nixon Ära; Hawkeye ohne Trickpfeile, im Goliathkostüm aber ohne seine Goliath Macht; eine Wasp aus unserer Zeit; Genis, der nichtsnutzige Sohn Captain Marvels, der den Platz seines Vaters eingenommen hat; da wären noch zwei Hank Pyms, einmal der verwirrte, psychisch labile, kurz nach seinem ersten Auftritt und dann noch Giant-Man aus der Zukunft, der schon länger mit der Wasp verheiratet ist. Das letzte Mitglied des Team ist Songbird, die anscheinend in der Zuknft keine Feindin der Wespe sein wird. Gemeinsam mit Libra reisen sie mit der Time-Sphinx von Epoche zu Epoche und treffen so auf viele alte und zukünftige Bekannte.

Mit diesem, dem dreizehnten Hachette Band der Marvel-Sammlung liegt mir die erste Geschichte der Reihe vor, von der ich vorher noch nie ein Heft gelesen habe. Ich frage mich eigentlich warum das so ist. Schließlich begann die 12-teilige Maxiserie Ende der Neunziger, was meine Comic Hochzeit war und zudem bin ich immer ein großer Fan von Geschichten die Continuitiy Heavy sind. Für so eine Geschichte ist Kurt Busiek natürlich genau der richtige Mann, denn schließlich ist er gleichermaßen Writer, wie auch selbst immer noch ein riesiger Nerd der Superhelden aufrichtig liebt. So was steckt ziemlich an und ich muss sagen, dass er es mit dieser Geschichte geschafft hat auch bei mir die kindliche Lust auf Superhelden wieder zu erwecken. Was nicht unbedingt leicht ist wenn man sich vor Augen hält wie sehr ich mit den Comics der beiden großen Verlage in den letzten Jahren hadere und auch in der Vergangenheit immer habe.

Kurz gesagt handelt es sich hierbei um Fanservice für Nerds wie mich, die sich gerne total in dem großen fiktiven Universum verlieren. Dabei gerät die eigentlich Handlung teilweise ehrlich gesagt für mich ein wenig in den Hintergrund. Eher hangelt man sich durch die verschiedenen Anspielungen. Dann heißt es “Oh, hier spielt er auf Captain America #176 an wo Cap erfahren musste, dass das Oberhaupt des Secret Empires ein Agent der Regierung war”, “Cool, das ist die die Hawkeye Story aus Avengers #99” und so weiter. Ich hatte an dieser unheimlichen dichte an Anspielungen jedenfalls meine helle Freude. Ein Highlight ist sicherlich auch, wie hier alte Plots aufgegriffen und weitergeführt werden, die teilweise schon Jahrzehnte brach lagen oder Details der Vergangenheit endlich gelüftet werden, wie zum Beispiel Visions Vergangenheit. Schon toll was für ein reiches Universum voller modernen Sagen man über die Jahrzehnte geschaffen hat und genau weil mir das immer wieder klar wird macht es mich so sauer, wenn Writer und vor allem geldgierige Geschäftsleute bei DC oder Marvel die Historie ihrer Charaktere Aufgeben, nur um es neuen Lesern einfacher zu machen. Dabei war gerade diese komplexe Welt der Grund warum ich Comics so reizvoll fand.

Auch Busieks Wahl der Charaktere ist formidabel. Die Idee den psychisch labilen Yellowjacket, sein zukünftiges ich Giant-Man und seine Frau Wasp in ein Team zu stecken ist genial. Es war nämlich so, dass Pym damals in Avengers #59/#60 durch eines seiner Experimente schizophren wurde und den Namen Yellowjacket annahm, übrigens genauso wie sein vorheriger Helden Name die Ameise und der seiner Frau, der Wespe, der Name eines Insekts. Die Yellowjacket ist die Gattung der Kurzkopfwespen, der auch unsere Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe zugehören, die bei uns vorkommen. Schwupp, wieder mal den Bildungsauftrag erfüllt. Nehmt das, öffentliche rechtliche Medien! In seinem Wahn brach er damals bei den Avengers ein, behauptete Hank Pym getötet zu haben und entführte Janet, die er darauf zwang ihn zu heiraten. Gemeinsam mit Giant-Man in der Truppe, der genau weiß in welchem Zustand sein ehemaliges ich zu diesem Zeitpunkt war kommt es natürlich zu vielen unterschwelligen Spannungen. Auch unter den übrigen Mitgliedern kommt es durch die verschiedenen Erfahrungsstände zu unangenehmen Momenten. Vor allem der Cap kann einem Leid tun, da er kurz vorher noch feststellen musste das alles woran er glaubte eine Lüge war. Spannend ist abgesehen davon noch der Einsatz eines alten Black Panthers, der in mir sofort den Wunsch geweckt hat einen Film über diese Version vom Black Panther zu bekommen, in dem er von Morgan Freeman gespielt wird. Ansonsten gibt es noch einen coolen Auftritt der Atlas Agenten, die hier inklusive Sasquatch und 3D-Man als die Red Scare Avengers der Fünfziger auftreten.

Aber auch in den wilden Westen geht es, wo wir alte Marvel Figuren wie Ringo Kid (hat übrigens nichts mit dem gleichnamigen Filmcharakter von John Wayne aus Stagecoach zu tun), the Rawhide Kid und Kid Colt sehen dürfen, die vermutlich niemand der aktuellen Leser kennen wird. Da kommen wir dann aber auch zu dem springenden Punkt, denn als langjähriger Fan, der diese Serie damals verpasst hat, freue ich mich über die Veröffentlichung innerhalb dieser Sammlung. Da die Zielgruppe dafür aber eher neue Leser sind, die ins Universum eingeführt werden sollen werden einige dadurch wohl eher abgeschreckt werden. Man muss nämlich auch sagen, dass es sich hierbei keinesfalls um einem Comic für Einsteiger handelt. Selbst wenn man die ziemlich verschachtelte Handlung trotzdem auseinander friemeln kann, fehlt neuen Lesern der nötige Background um die wahren Qualitäten erkennen zu können. Hier muss man sich seine Unterhaltung noch erarbeiten. Lohnt sich meiner Meinung aber. Fast vergessen, der Prolog gefiel mir auch richtig gut, mit einer Art totalitären Polizeiavengers Truppe, die Aliens fertig macht. Auch wieder nur Fan Service wenn man es genau nimmt, ich fand’s aber dufte. Manchmal darf ich an so was auch meine Freude haben finde ich.

Für die Zeichnungen war Carlos Pacheco zuständig, der während der Entstehung dieser Serie auf seinem bisherigen Höhepunkt seiner Karriere war. Kurz zuvor fing er noch damit an die X-Men zu betreuen und so wurde der ehemalige spanische Cover Illustrator für europäische Veröffentlichungen auch in den USA zu einem großen Namen. Sein Talent liegt vor allem darin auch überfrachtete Panel in denen viele Charaktere in Bewegung zu sehen sind leicht durchschaubar zu gestalten. Auf diese Weise bleibt es auch in den chaotischen Momenten geht nachvollziehbar. Die Charaktere sehen größtenteils ziemlich cool aus und gerade der Westernpart macht optisch einiges her. Nur manchmal gibt es Stellen die, wie typisch für damalige Comics, etwas sehr nach Actionfiguren, also ziemlich Plastik artig aussieht.

Die Qualität des Hardcovers stimmt, es gibt wieder ein Vorwort und eine kleine Einführung in die Geschehnisse und im Anschluss diesmal einen etwas umfangreicheren Bonusteil. Darin enthalten ist ein dreiseitiger Text über Busiek, eine Galerie mit drei Variant Covern, sowie Infos übr Pacheco und ein paar Hintergrundinfos zu den verwendeten Charakteren. Schönes Teil.

8 von 10 gespaltene Persönlichkeiten

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