Donnerstag, 20. Juni 2013

Before Watchmen: Rorschach (Panini)

Before Watchmen: Rorschach (Panini)

Walter Joseph Kovacs, Soziopath und Mörder, besser bekannt unter dem Namen Rorschach. Immer auf einem schmalen Grat zwischen seinem extremen Gerechtigkeitssinn und den eigenen mordlüsternen Dämonen wandelnd, ist er einer der mysteriöseren maskierten Rächer. In diesem, vier Kapitel umfassenden, Sammelband werden einige Einblicke in das Leben hinter der schwarz-weißen Maske gewährt.

Der Comic beginnt mit einem sehr emotionalen Auszug aus Rorschachs Tagebuch. Er befindet sich grade auf der Spur zu einem der großen Fische der New Yorker Unterwelt und natürlich ist er sich dabei nicht zu schaden im Dreck der Stadt zu wühlen. Über einen Informanten, der nach einem „freundlichen“ Verhör nur zu gern Auskunft gibt, erfährt Rorschach den Ort an dem das Böse gedeiht. Die New Yorker Abwasserkanäle. Hier gerät der Antiheld in einen Hinterhalt und wird fast todgeprügelt. Mit schwersten Verletzungen kann er sich aus den stinken Sümpfen befreien und schwört seinen neuen taktischen Vorteil zu nutzen. Man hält ihn für tot. 

Der übel zugerichtete Walter versucht den Boss der Unterwelt, eher bekannt unter dem Namen „Rawface“, für das was er getan hat zur Strecke zu bringen. Doch Rorschachs Motive, immer getrieben von seiner soziopathischen Einstellung, die nur das Böse und ihn selbst kennt, liegen nicht drin seinen Schmerz zu lindern, sondern das Übel auszulöschen. Durch die warme Umarmung eines Molotov Cocktails, der einen aus der Gang das Leben kostet, hinterlässt Rorschach seine Visitenkarte. Wohl wissendlich, dass er eines der wichtigsten Elemente auf seiner Seite hat. Die Angst. Der Weg führt ihn hierbei zu einem von Rawheads Zuhältern, welchen er recht eindringlich befragt doch leider keine Informationen bekommt.

Nach dem Angriff auf einen seiner Männer ist „Rawface“ ziemlich aufgebracht, um jeden Preis will er diesen maskierten Typen finden, der ihm schon mehrfach in die Quere gekommen ist. Er schmiedet mit seinem engsten Kreis einen Plan, der diesem Treiben ein Ende setzten soll. In der Zwischenzeit wird eine weitere Leiche am Ufer des Hudson gefunden, erneut dasselbe Muster. Eine junge Frau, Prostituierte, mit eingeritzter Nachricht auf dem Körper. Rorschach fehlt eine gute Spur, daher ist er gezwungen, die Aktivitäten auf der Straße zu beobachten. Genau wie erwartet erscheint „Rawface“ auf der Bildfläche mit einer zunächst viel zu offensichtlichen Taktik, die sich aber als äußerst gefährlich herausstellt.

Die Falle hat zugeschnappt und das Raubtier sitzt fest, erneut brachte Rorschach seine Unachtsamkeit in die Hände der dunklen Seite. Sie entreißen ihm seine Maske und damit seine Identität. Erschüttert von einem Stromausfall verwandeln sich die Straßen von New York in einen Pool aus randalierenden Plünderern. Einst anständige Bürger werden zu wilden Tieren. „Rawside“ streift sich Rorschachs Maske über und glaubt durch diese „neue“ Identität noch mehr Macht und Kontrolle zu besitzen. Getrieben von einem Ego größer als das Empire State Building, zieht er auf die Straße, um paar Rowdies zu verprügeln, doch unterschätzt er dabei die Kraft eines wütenden Pöbels. Walter kann sich unterdessen aus seiner ungünstigen Lage befreien, um sich seine Maske wieder zu holen. Fünf Jahre später, durch eine Unachtsamkeit des Frauenmörders und dessen Begnadigung durch die Gesellschaft, bringt Rorschach auch diesen Fall zu einem Abschluss.


Die Rorschach Episoden haben ein ziemliches Problem. Grafisch folgt der Comic einer klaren Linie durch Einsatz des modernen Comicrealismus, der die düsteren und dreckigen Ecken, sowie den allgemeinen Schmutz der Stadt gut durch stark schattierte Bereiche hervorhebt. Was jedoch das Tempo betrifft, hat man sehr schnell das Gefühl, die Autoren hätten hier eine sehr dünne Geschichte auf vier Kapitel auswalzen müssen. Die Ereignisräume sind häufig sehr ausufernd gewählt und hätte locker auf die Hälfte reduziert werden können, da die meiste Zeit dafür verwendet wird, Leute beim Gehen oder Nachdenken zu zeigen, ohne aber einen Fortschritt in der Geschichte oder gar Spannung zu entwickeln. Dieses Mittel ist zwar für gewöhnlich eine subtile Art Ruhe und Ausdruck in einen Handlungsstrang zu integrieren, nur fehlt der Erzählung einfach die Substanz, welche eine solche Ruhephase notwendig machen würde. Was bei manchem Leser jedoch noch unbefriedigender ankommen dürfe ist der bloße Umstand, dass Rorschach über die ganze Zeit so ziemlich nichts zu den Geschehnissen beiträgt, und einfach wie ein blindes Huhn von Anfang bis Ende, von einer Falle in die Nächste stolpert und übel verprügelt wird.


Die Präsentation der deutschen Gesamtausgabe von Panini mit einem wertigen Softcover inklusive zusätzlicher Lesezeichenflügel und hochglanz Seiten, machte auf mich einen guten Eindruck und ist als solches eine schöne Ergänzung für das Comicregal.

Before Watchmen: Rorschach wird weder seinem großen Vorbild noch dem Charakter Rorschach wirklich gerecht. Die Geschichte ist profan, die Charaktere sind stark überzeichnet und auch der Hintergrund des beliebten Antihelden ist, wenn gleich auch durch schöne Monologe untermalt, nichts wirklich unterhaltsamens. Was übrig bleibt ist ein entbehlicher Comic, der nur wenige Liebhaber finden dürfte.

5.5 von 10 würfelenden Untergrundganoven

1 Kommentar:

  1. Hab ja jetzt auch mal ein wenig reingeschaut, auch wenn ich die Before Watchmen Sache immernoch vollkommen daneben finde. Der Band lag hier nun mal rum also durchgeblättert. Man versucht die ganze Zeit total grimmig zu sein und das Ergebnis wirkt irgendwie nur albern. Angefangen bei Gangstern die in der Kanalisation würfeln, über Tiger in der Disco, bis hin zu dem oftmals krampfhaft eingebauten Rorschachtest.

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