Samstag, 17. Mai 2014

1000 Record Covers (TASCHEN)

1000 Record Covers (TASCHEN)

Das erste Argument warum Schallplatten besser als ne CD sind ist eigentlich immer die wärme des analogen Klangs, das gemütliche Knistern. Dinge die ein anderer Datenträger nicht bieten können. Wichtig ist aber auch die Haptik und das Ritual. Schallplatte aus dem Regal, Sleeve aus der Hülle, das platte Stück Vinyl vorsichtig aus eben dem Schälen, auf den Plattenteller legen, vorsichtig die Carbonbürste über das schwarze Gold gleiten lassen und dann vorsichtig die Nadel auf das frisch entstaubte Stück Musikgeschichte herunterlassen. Toll! Unsere Version einer japanischen Teezeremonie. Ein kleiner gemütlicher Gegenpol zum gängigen Trend, der besagt alles muss schneller, hoch technisierter, billiger, praktischer und kleiner werden. Hier kommen wir zu einem anderen Punkt, der für mich ein Highlight an Schallplatten ist. Wunderschöne Cover, kann man bei einer LP in einer Größe von 32x32 Zentimetern genießen. Wenn die Platte dann noch ein Klappcover zu bieten hat, sollte jede CD vor Scham im Boden versinken. Mit meiner Vorliebe für große, aber vor allem schöne Cover stehe ich nicht alleine da. Da wäre zum Beispiel noch Michael Ochs. Er hat nicht nur Erfahrungen als DJ sammeln können, sondern ist auch langjährig in den Presseabteilungen von ABC Records, Columbia und anderen Verlagen tätig gewesen. Um seine Obsession zu feiern hat er für TASCHEN 1.000 tolle Cover zusammengestallt und in einem Buch gebannt.

1000 Record Covers ist zum einen ein toller Bildband und zum anderen gerade noch mal in einer Budget Version erschienen. Im Gegensatz zu den vielen aufwendigen und zum Großteil Bücherregal sprengenden Veröffentlichung des Verlags, bekommt ihr diese Sammlung voll mit sexy LP Covern im Taschenbuch Format und schmalem Preis. Einerseits ein wenig schade, schließlich sollte man die Illustrationen schon in ihrem original Format genießen, wer sich aber auf die kleineren Fassung einlässt bekommt dennoch eine tolle Sammlung von musikalischen Leckerbissen fürs Auge.

Auf nicht ganz 600 Seiten präsentiert Ochs ausgewählte Cover aus den 60ern, 70ern und 80ern. Darüber hinaus haben sich auch ein paar wenige Motive aus den 40ern, 50ern und 90ern in das Buch geschlichen, finden aber nicht weiter Erwähnung. Neben den Illustrationen, darunter nicht nur normale LP Cover, sondern teilweise auch deren Rückseite, Klappcover oder Picture Discs findet ihr zu jedem Cover eine kleine Infobox vor. Darin kann der Interpret, Albumtitel, Label, Zeichner/Fotograf/Designer, sowie das Entstehungsjahr nachgelesen werden. In ein paar wenigen Fällen ergänzt Ochs noch kleine Trivia Absätze. Gerade davon hätte es noch einige mehr geben können, Platz wäre jedenfalls vorhanden gewesen.

Da der Titel nur 1.000 Cover verspricht und nicht etwas 1.000 spezielle oder gar die 1.000 besten, kann man Ochs nicht vorwerfen er hätte essentielles vergessen. Ist ja schließlich nur seine rein subjektive Sammlung. Ich persönlich hätte mir aber noch ein paar kuriose und seltene Platten gewünscht. Ein paar hundert der hier erwähnten Scheiben hatte ich nämlich wirklich schon in der Hand. Es geht jedenfalls nur wenig ab vom Mainstream und einige der Cover sind so allgegenwärtig das ich diese nicht noch mal abgedruckt hätte. Sehr spannend fand ich hingegen einige Zensurgeschichten. Da fehlt auf einem Motiv mal Blut, mal zoomte man heran um eine Toilette aus dem Bild zu entfernen oder die nackten Damen wurden wieder entfernt, sodass nur noch ein kahler Busch (also die Pflanze) die Hülle zierte. Da waren viele Sachen dabei die mir noch nicht über den Weg gelaufen sind. Manches kannte ich nur zensiert, anderes nur in der unzensierten Version. Neben diesen tollen vergleichen sorgen noch seine thematisch sortierten Seiten für den einen oder anderen Schmunzler. Wenn zum Beispiel die Plattenfirmen die Alben schwarzer Künstler mit weißen Fotomodellen beworben haben oder andere versuchten alle ihre Bands wie die Beatles aussehen zu lassen. Dies sind Momente in denen dieses Buch interessante Trends und Entwicklungen der Coverkunst aufzeigen kann. Während die Auswahl in diesen Momenten sehr interessant und aufschlussreich geraten ist, wirkt sie an anderer Stelle zu gefällig und unspektakulär. Wer aber an der Thematik an sich Interesse hat, sollte sich dieses Minihardcover nicht entgehen lassen. Der Band kommt mit einem Schutzumschlag und jedes Jahrzehnt wird von Ochs recht sympathisch auf Englisch, Deutsch und Französisch eingeleitet werden.

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