Sonntag, 25. Mai 2014

Kara Murat - Der Rächer Anatoliens (1977) [Intergroove]

Kara Murat - Der Rächer Anatoliens (1977) [Intergroove]

Fürst Mustafa ist ne üble Type! Eigentlich sollte er für den Khan Mameluck einfach nur eine seiner Provinzen verwalten. Dafür bekam er dann auch uneingeschränkte Macht. Wie sich aber herausstellen soll ist es nicht gut wenn man Ärschen uneingeschränkte Macht gibt. Der Fürst rebelliert und weigert sich dem Khan noch weiter Steuern abzudrücken. Bevor der und seine, ihm blind folgenden Separatisten, jetzt auch noch ein Referendum anberaumen, schickt der Khan seinen besten Mann vorbei. Es handelt sich dabei um den unaufhaltbaren Osmanen Karamurat (Cüneyt Arkin), der die Spaltung aufhalten, Mustafa entthronen und herausfinden soll, warum ihm sein Volk willenlos folgt. Außerdem muss er noch seinen Vetter Lothar retten, der wurde nämlich noch im vorbeigehen entführt. Auch eine schöne Dame kann er sich während seines Abenteuers anlachen, nach anfänglichen Schwierigkeiten freundet er sich auch mit dem gigantischen Ahmed. Selbst vor Ali Baba, dessen circa 37 Räubern, nervigen Sidekicks, weiteren Verschwörungen und Gemüseschlägereien ist man in den folgenden 74 Minuten nicht sicher.

“Kara Murat - Der heilige Krieg” war ein sehr schlechter, aber nicht gänzlich unsympathischer Trash Spaß. Mit der Fortsetzung “Der Rächer Anatoliens” konnte man mehr als nur einen drauf setzen. Teilweise sehen die Kulissen immer noch nach Pappe aus und im Nachtclub des Fürsten kommt sogar die alte Weihnachtsdeko des Teams zum Einsatz. Andererseits gibt es aber auch sehr schöne Drehorte, wie zum Beispiel eine alte Festung, die Ausblick auf einige Minarett Türme bietet. Drollig ist, dass die Ausstattung meist ganz okay ist, dann sind aber die meisten Schwerter einfach nur übermalte Pappkartons. Peinlich und geil!

Das sichtbar etwas größere Budget kommt vermutlich von den italienischen Co-Produzenten, die den türkischen Filmemachern ein wenig unter die Arme gegriffen haben. Auch Regisseur Natuk bekommt Unterstützung aus dem Ausland. Denn bei Herb Al Bauer handelt es sich natürlich nur um ein Pseudonym des österreichischen Filmemachers Ernst Hofbauer, der unter diesem Künstlernamen auch andere Filmchen in der Türkei drehte. Von ihm stammt unter anderem auch der Kultklassiker “Karate, Küsse, blonde Katzen”, der aber natürlich um einiges besser aussieht, schon allein weil dort noch die Produktionsfirma der Shaw Brothers ihre Hände mit im Spiel haben.

Kämpfen kostet allerdings nichts und deshalb darf Cüneyt Arkin sich ordentlich austoben. Überall wo er auftaucht brennt die Luft und stehen clever platzierte Sprungbretter und Trampoline. Bekannt charmant führt der fitte Darsteller durch den Film immer erinnernd an eine türkische Version einer etwas zu froh gesinnten Mischung aus Elvis, Johnny Cash und Sonny Chiba. Überhaupt sieht in diesem Film jeder aus wie jemand, der beinahe wie Jemand anderes aussieht. Die Kämpfe sind extrem albern, dennoch nehmen die Figuren sie sehr ernst, was alles nur noch lustiger macht und den Ton der Geschichte nicht zu bescheuert werden lässt. Sogar der Plot hat ein paar nette Feinheiten parat. Eigentlich denkt man schon nach der Hälfte, jetzt könnte nichts mehr passieren und dann wird’s aber immer verrückter und das Drehbuch offeriert uns eine Merkwürdigkeit nach der anderen. Zum Schluss macht es sogar einige male “Bumm” und viele Modellhäuser müssen dran glauben.

Wir haben uns jedenfalls herrlich amüsiert, sehr viel besser als der erste Film und einfach ein sehr lockerer und kurzweiliger Spaß. Wer auf Trash mit blödeliger Action mag, teils Richtung Bud Spencer, vermengt mit Akrobatik, wird hier auf seine Kosten kommen. Auch viel unfreiwillig lustiges steht auf der Liste und so kann man zwar an allem möglichen viel rummeckern, weniger Spaß würde der Film dadurch trotzdem nicht machen.

 Der Film ist in mittelmäßiger Bild und Ton Qualität über Intergroove erschienen. Dort ist er gemeinsam mit dem ersten Teil zu finden. Leider fehlt auch der O-Ton bei beiden Streifen und der deutsche Ton ist nur in einer verrauschten Mono Variante zu haben. Wenigstens hat man an ein Wendecover gedacht und auch eine Bildergalerie für beide Filme ist vorhanden. Toll den Film endlich auf DVD bekommen zu können. Das Bild hat man zwar irgendwie restauriert, wodurch das Bild stellenweise echt gut aussieht. An anderen Stellen ist das Bild aber eine Katastrophe und man musste wohl auch einige Bildquellen zusammen packen um den Film überhaupt in ganzer Länge zusammen zu haben.

7 von 10 getürkte Chinesen

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