Mittwoch, 22. Mai 2013

MAX 52: Fury Max - Kriegsgeschichten (Panini)

MAX 52: Fury Max - Kriegsgeschichten (Panini)

Dieser Sammelband enthält die die ersten 6 Hefte der elfteiligen Fury Max Reihe.

Colonel Nick Fury ist vor allem für seine Heldentaten während des zweiten Weltkriegs bekommt, wo er sich auch die Kugel einfing, die ihm sein linkes Auge kostete. Doch nicht nur in diesem Krieg sorgte er für Schrecken unter seinen Feinden. Als alter Mann sitzt er nun in einem Hotelzimmer und spricht über alles was er für sein Land getan hat. Zum Beispiel wie er damals in Indochina den Schrecken des Vietnams miterlebte. Entgegen seinen Befehlen half er der französischen Fremdenlegion dabei eine hoffnungslos verlorene Festung zu halten. Dabei spart er keine Details über die Selbstmordattentäter des Vietcongs aus. Auch innerhalb der Legion sind die Zustände unakzeptabel, vor allem unter den Ex-Hauptsturmführer Steinhoff haben die anderen Soldaten schrecklich zu leiden. Aber auch Fury ist kein großer Fan von Nazis. Damals lernte Fury auch Shirley Defabio kennen, Sekretärin des Abgeordneten McCuskey und seit damals Furys Bettgenossin.

Nachdem sein Aufenthalt in Indochina schrecklich endete führte sein nächster Auftrag ihn nach Havanna, er sollte nämlich eine verdeckte Mission in Cuba anführen, bei der er und seine Männer allerdings erwischt wurden und schrecklicher Folter ausgesetzt waren. Für den einen die Hölle, für Fury gewohnter Alltag.

Fast elf Jahre nach der sechsteiligen “Fury” Serie aus dem Jahre 2001, einem der der ersten MAX Titel, kehrt Garth Ennis zu seiner Variation von Nick Fury zurück und erzählt ein paar Kapitel aus dessen Leben die uns bisher verwährt blieben. Die hier enthaltenen ersten sechs Hefte umfassen die ersten beiden Arcs in denen es um Furys Erlebnisse in Indochina und bei der Invasion in der Schweinebucht geht. Wie man es erwarten darf geht es hier hoch her. Ennis lässt sich eh nie in Schach halten und wenn er in einem MAX Titel auch noch machen darf was er will, dann lässt er es sich sicherlich nicht zwei mal sagen. Diese Freiheit nutzt er zum einen ein paar kleinere Sexszenen einzubauen, aber viel mehr noch um den Schrecken des Krieges zu zeigen. Bei der Gewaltdarstellung geht es hier nämlich wirklich hart zu. Dabei kommt es aber nicht zu Comicsplatter Momenten, sondern die Ergebnisse von Feuergefechten werden kaltblütig abgebildet. So werden abgetrennte Körperteile, verbrannte Stümpfe und ähnliches gezeigt. Daher wirkt die Action auch nicht cool und stylish, sondern dreckig und beängstigend.

Auch Fury selbst wird ganz schön in die Mangel genommen und ist zu keinem Zeitpunkt ein schillernder Held, sondern immer nur ein mieser Bastard des Kriegs. Ennis schreibt hier ein paar schwierige Charaktere, vor allem Altnazi Steinhoff ist ne üble Type, wird aber nicht einfach nur plump als Bösewicht dargestellt, da steckt dann doch noch ein wenig mehr dahinter. Ansonsten bringt die kleine Bett Liebelei zwischen Fury und der Sekretärin noch ein wenig Dynamik in das ganze. Wer also eine Kriegsstory will, die nichts allzu sehr glorifiziert und die dreckigen Aspekte des Kampfs zeigt ist hier richtig. Ennis Writing ist wiedermal auf hohem Niveau.

Der kroatische Comickünstler Goran Parlov (Y: The last Man) überzeugt leider nicht in allen Punkten, kann aber durchaus seine stärken nach außen kehren. Es gelingt ihm nämlich immer wieder die nötige Atmosphäre aufzubauen, durch die es immer spannend bleibt. Genauso glänzt er bei der ergreifenden Darstellung der schlimmen Verletzungen der Soldaten, aber auch Körpersprache, Mimik und im speziellen die Gesichter gelingen ihm. Dafür sind die Seitenkompositionen fast immer total öde und ohne jegliche interessanten Ideen. Hintergründe haben meist zwar die nötige Detaildichte sehen aber auch nie so toll aus wie könnten. Trotzdem solides Artwork, das gut mit dem Inhalt harmoniert. Gelobt werden müssen auch noch die Farben von Lee Loughridge und die wirklich exzellenten Cover von Dave Johnson. Jedes seiner Cover ist ein totaler Hingucker und zudem erkennt man an den Covern genau zu welchem Arc sie angehören, da beide Arcs vollkommen andere Cover bekommen haben, die sich auch stilistisch sehr unterscheiden.

“Kriegsgeschichten” ist sicherlich was für Ennis Fans und auch wer auf hartgesottene Kriegscomics steht wird bestens bedient. Ein MAX Titel, der das Siegel verdient.

7,6 von 10 Panzer die nicht von ihrem Weg abweichen

Kommentare:

  1. Würde ja ca. 12-13 Punkte von 10 Punkten geben. Fury MAX ist für mich das Beste, was Ennis seit Jahren geschrieben hat.
    Bin auch Riesen Parlov-Fan und würde die Layouts nicht unbedingt als öde, sondern als zweckmäßig und klassisch im Sinnen eines Joe Kubert beschreiben (okay, bisschen viel Widescreen-Panels sind es schon). Bin der Meinung ein crazy-verspieltes Layout wäre hier wirklich nicht angebracht.
    Weiß jetzt nicht, ob in dem Band schon die Kuba-Mission drin ist (und hab keine Lust nachzusehen), aber da zeigt sich was Parlov auch in Bezug auf die Hintergründe drauf hat. Da hat man das Gefühl man wäre vor Ort.

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    1. Vietnam und Kuba sind enthalten. Ich fands ja auch gut, nur eben nicht überragend. Ennis und Parlov haben aber schon ordentlich abgeliefert. Soll ja auch gar nicht verspielter aussehen, nur eben noch nen tick besonderer. Ich mag aber bei Parlov eh am liebsten wenn er Gesichter zeichnet, da schafft er es immer so viel tiefe reinzubringen und die Emotionen werden jedes mal greifbar.

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    2. Und bei ihm sind es immer Charakter. Keine austauschbaren Gesichter wie in vielen Superheldencomics. Es ist auch toll wie er im Verlauf der Serie die Protagonisten altern lässt.

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