Mittwoch, 5. Juni 2013

Fighters Blood (1994) [M.I.G.]

Fighters Blood (1994) [M.I.G.]

In Thailand ist der Ofen heiß! Bolo, liebevoll auch Bodo genannt, hat Bock auf Uschi. Uschi ist aber mit kochen beschäftigt und hat relativ wenig, bis gar keinen bock von Proleten bestiegen zu werden, die sich in Reimform beleidigen. Problematisch wird’s aber, da auch Tang, der eigentlich gar nichts getan(g) hat hinzu kommt. Der will die heiße Uschi, mit dem heißen Braten (200°) nämlich auch in seine Fingerchen bekommen. Dass die junge Dame gar nicht will wird ignoriert und man verkloppt sich erstmal ordentlich. Nach kurzen sportlichen Aktivitäten, die mit nichts in Verbindung stehen was von Interesse wäre kommt es zu mehr Hauereien. Bald eskaliert die Gewalt in der thailändischen Pampa und der Süden des Dorfs rangelt sich mit dem Norden. Aber nur solange bis ein langhaariger Gangster mit Dauerwelle und holländischer Hühnerhasser den ortsansässigen Schleckerbäcker ausrauben wollen. Jetzt müssen sie all ihre Kraft, ihren Mut und alle ihre Bauernweisheiten kombinieren wenn sie den bösen Buben beikommen wollen.

Fighters Blood ist eine bewegende, actiongeladene Skizzierung des überbrodelnden Lebens auf den Dörfern Thailands. Hier ist man noch Mensch, hier darf man es noch sein. Immer wenn man denkt die diese dokumentarisch angehauchte Martial-Arts Posse könnte einen nicht mehr überraschen werden einem neue Weiseheiten Präsentiert. “Liegt der Bauer tot im Schrank, war er wohl vorher krank.” Unmöglich solche Weisheit im französischen Autorenkino zu entdecken. Dieser Film überzeugt nicht durch akademische Bedachtheit, nein, nein! Hier wird dem Pöbel die dreckige Wahrheit vor die Füße gekotzt und zwar in seiner Sprache: Gewalt! Wer nur mit dem Strom schwimmt wird sicherlich angeekelt sein von der dreckigen Wahrheit über das einfach Leben, das die meisten schon seit Jahren verlernt haben.

Fighters Blood klärt auf! Schockt! Fasziniert!

Aber nicht nur dem kleinen Mann wird ein Spiegel vorgehalten. Unterschwellig schimmert immer wieder ein Thema durch. Wo kommen wir her? Wer sind wir und wo gehen wir hin. Wie immer, wenn es im Gott und den Kreislauf des Lebens geht, spielt auch die männliche Angst vor der Impotenz im Raum. Besonders klar wird diese männlich geprägte Urangst in der, vom Film äußerst mutig und mit einer beachtlichen Heftigkeit in den Raum gestellten Frage: “Ist das ein Schlauch?” Ja, sagt es mir ist das ein Schlauch? Diese Frage wird man wohl noch länger mit sich herumschleppen. So hinterlässt der Regisseur seine Zuschauer mit mehr Fragen als Antworten. Trotzdem geht man etwas erfahrener, etwas zuversichtlicher nach Hause. An diesem Werk wird das Feuilleton noch lange zu knabbern haben, einige wird ihm sogar Sinnlosigkeit unterwerfen. Dabei projizieren diese Kritiker nur ihre eigene Unsicherheit auf ein Kunstwerk das sie so unterschwellig provoziert hat, dass sie es nicht mal bewusst wahrgenommen haben. Doch sie wurden tief getroffen und auch wenn die Erkenntnis darüber noch auf sich warten lässt, irgendwann werden sie begreifen Zeuge gewesen zu sein wie das Kino sich veränderte, zu etwas größerem wurde und ehemals feste Grenzen auflöste.

Fighters Blood muss in Retrospektive auch als Tony Jaas größter Erfolg anerkannt werden, nie wieder hat der junge Schauspieler diese Qualität erreichen können, was aber auch nicht zu tragisch ist. Schließlich hat er hier seinen Magnum Opus vorgelegt.


Die Bildqualität ist ziemlich räudig, außerdem scheind das Bild gestaucht zu sein. Aber es existiert wohl kein halbwegs brauchbares Master mehr. Die Synchro allerdings hat einen gewißen Unterhaltungswert. Der Streifen ist auch in der “Tony Jaa & Friends Collection” zu finden, in der sich außerdem noch die Titel “The White Monkey Warrior”, “Death Warrior” und “Der Todestritt der gelben Katze” auf zwei Discs wiederfinden lassen.

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