Mittwoch, 25. September 2013

Ratgeber für schlechte Väter (Reprodukt)

Ratgeber für schlechte Väter (Reprodukt)

Der zweifache Vater Guy Delisle ist vor allem für seine Arbeiten als Cartoonist bekannt geworden. Ein weiteres, nur wenig beachtetes Fachgebiet seinerseits ist es ein fulminant schlechter Vater zu sein. Damit auch andere ihm nacheifern können sollen sie vom Meister selbst lernen, der nun seine fulminantesten, aber vielleicht so nicht wirklich passierten, pädagogischen Fehltritte präsentiert. Lernt also was man(n) macht, falls der Sohn den Boxsack nicht heftig genug vertrimmt oder wie man durch eine kleine, lustige Geschichte über Affen, der Tochter die Angst vor Kinderdieben nimmt. Seht außerdem wie viel Spaß man mit einer Kettensäge und einem sehr ängstlichen Kind haben kann.

Nachdem wir mit dem frankokanadischen Cartoonisten Guy Delisle schon die halbe Welt bereist haben, wie zum Beispiel erst letztens Shenzhen, stürzt er sich diesmal in das Abenteuer der Vaterschaft und gibt uns anschaulich zu sehen, was man unbedingt zu tun vermeiden sollte. Umso mehr daneben, das Verhalten des Comicpapas ist, desto lustiger wird es aber auch und wie verdammt daneben der gute Guy doch ist. Er versagt als Zahnfee, versucht seinen Kindern einzureden die ungesunden Frühstücksflocken zu verputzen und ansonsten tut er alles um seine elterlichen Pflichten so einfach wie möglich zu machen. Mein absolutes Highlight war der Strip, in dem er seine Tochter zusammenfaltet und ihr vorwirft wie “eine Amputierte” zu zeichnen, als sie ihm ein Bild schenken möchte. Des weiteren echauffiert er sich darüber, dass es genau diesen faulen Comiczeichner wie sie es sind, die der Industrie so sehr schaden.

Die Geschichten sind immer recht kurz und werden in 1-2 Panel pro Seite erzählt. Die Zeichnungen sind im typischen Delisle Stil gehalten, aber etwas einfacher als seine anderen Arbeiten. Trotzdem aber noch über dem Niveau viele Zeitungsstrips. Der einfache und sehr harmlose Stil macht es umso lustiger, wenn Guy mal so richtig daneben greift. Erzählerisch und optisch ist der Band extrem locker und genau diese entspannte Art macht es so unverschämt lustig. Ganz nebenbei, während des Zeitungslesens wird der Sohn da schon mal aufgeklärt, wobei er doch eigentlich nur etwas über Zelda wissen wollte. Die gut 190 Seiten vergehen wie im Flug und man wünscht sich sofort mehr. Ich musste jedenfalls im Bus ein paar mal laut lachen und das soll schon was heißen. Dicke Empfehlung an alle Fans von humoristischen Comics, Delisle Lesern und das perfekte Geschenk für alle werdenden und gewordenen Eltern.

Der Band ist im Softcover Band im Taschenformat bei Reprodukt erschienen.

8,7 von 10 Baby stehlende Affen

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