Dienstag, 10. September 2013

Mazes and Monsters (1982)

Mazes and Monsters (1982)

Endlich die High School hinter sich ge- und jetzt schön die Sau am College rauslassen. Das denken sich zumindest Robbie (Tom Hanks), Kate (Wendy Crewson), Daniel (David Wallace) und Jay Jay (Chis Makepeace). Also erstmal die edle Gewandung übergezogen und die Würfel warmgerieben, jetzt wird Rollenspiel betrieben! Und zwar das titelgebende Mazes and Monsters. Seit die vier ihre Session in eine Höhle verlegt hatten, verheddert sich Robbie jedoch zusehends in der Phantasiewelt. Er kapselt sich immer weiter von seinen Freunden ab. Eines Tages ist er plötzlich verschwunden...

Was für Filme dreht man, wenn man am Anfang seiner Karriere steht? Genau. Meistens sehr schlechte. Tom Hanks dachte sich damals, dass er vielleicht auch noch "erzkonservativ", "gottesfürchtig" und "desinfomierend" als Adjektive hinzufügen möchte und schwupps! ist er in diesem TV-Filmchen gelandet. Super Sache.

Zuerst wirkt der Film noch so als würde eine Coming-of-Age Geschichte aufgebaut werden. Das Alter der Protagonisten, das College, Liebeleien und die Trennung von den Eltern deuten zumindest auf so etwas hin. Dass der Trupp gerne Rollenspiele spielt, baut in diesem Zusammenhang ebenfalls weiter an der Bühne, auf der sie vielleicht am Ende ihr Erwachsensein zertifiziert bekommen.
Aber es soll anders kommen und der Film eine Warnung an Kinder, Jugendliche und Eltern sein.

Robbie hat in seiner Vergangenheit einiges verkraften müssen. Sein Bruder lief fort und ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Ein Trauma, das er nie so recht verarbeiten konnte, z.T. auch, weil seine Eltern eher leistungsorientiert denken und den jungen Mann wirtschaftsfähig machen wollen. Da kommt es ihm gelegen, dass er Kate, Daniel und Jay Jay kennenlernt, die ihn wieder mit Rollenspiel anfixen. Er hatte zuvor bereits Probleme damit und so dauert es auch nicht lange, bis er sich etwas zu stark in die erdachte Welt hineinversetzt. Er sieht die Monster/Menschen in billigen Kostümen plötzlich wirklich vor sich und bekommt zudem nachts Aufträge von seinem dämonischen Meister. Als Paladin macht er sich sodann auf, eine große Queste zu bestreiten, die ihn fast das World Trade Center herunterführt...

Robbies Geschichte ist also die Geschichte eines Jungen, der aufgrund nicht verarbeiteter Ereignisse, Depressionen und einer "leichten" Psychose die Flucht in eine imaginäre Welt antritt. Grundsätzlich eine gute Idee, die viel Potenzial bereithält und die Robbie zu einem dynamischen, tiefen und interessanten Charakter hätte machen können. Doch schon früh bemerkt man, dass es hier nicht um seine Erkrankung geht, sondern darum, Rollenspiele zu verteufeln.
Verteufeln ist hier der absolut passende Ausdruck, ist der Film und auch die Buchvorlage in einem Klima enstanden, in dem Dungeons and Dragons und Konsorten bei den Jugendlichen hohe Beliebtheit feierten und bei den Erwachsenen Vorwürfe des Satanismus und persönlichkeitsschädigender Eigenschaften erweckten. Basierend auf stark eingefärbten Zeitungsberichten über einen jungen Mann, der ganz ähnliches wie Robbie erlebte, wurde hier innerhalb kürzester Zeit ein Werk zusammengeschustert, um gegen den RPG-Trend hetzen zu können...und eventuell damit ordentlich Reibach zu machen.

Obwohl im Film selbst Gründe für Robbies Abdriften gegeben werden, wird immer wieder versucht, Dungeons and...ähm...Mazes and Monsters die Schuld zu geben. Sowohl Polizei als auch die Eltern und am Ende sogar Robbies Freunde sind sich sicher, dass das Spiel das Problem gewesen ist. Die Schlussszene fasst die eigenartigen Auffassungen, die hier vertreten werden, auf ganz eklige Weise zusammen.
Die Mutter empfängt Kate, Daniel und Jay Jay bei sich zu Hause. Sie gebe den dreien keine Schuld. Überhaupt auf die Idee zu kommen, dass sie Robbies Zustand verursacht haben könnten, ist abstrus.
Robbie ist auch dort, wurde in Tennisklamotten gesteckt und allein gelassen. Es wird klar, dass in der Logik des Films und dieser unangenehmen Weltsicht ein Mensch wie Robbie für immer in seiner Phantasiewelt bleiben muss. Er ist jetzt ein verlorener Fall, ein Geisteskranker.

Unfassbar.

Handwerklich ist der Film halt ein schlechter bis mittelmäßiger TV-Film von Anfang der Achtziger. Von der musikalischen Untermalung und vom Stil her könnte man ihn allerdings etwas gestrig einordnen. Vielleicht so Richtung Propagandafilmchen der Fünfziger und Sechziger. Spielt bloß keine Rollenspiele und werdet ja nicht schwul!

Bei Mazes and Monsters stellen sich die Nackenhaare auf und die Zehennägel kräuseln sich. Man möchte schreien und weinen und kotzen. Letztlich ist er nur interessant, wenn man mal wissen möchte, was in der Anti-RPG-Stimmung damals so alles gemacht wurde, um die jungen Menschen von einer kreativen Freizeitgestaltung wegzubekommen. Damit sie was Ordentliches machen. Aktien kaufen oder so.
Aber die meisten werden sowas in Bezug auf Videospiele die letzten Jahre ja ebenfalls in ähnlicher Form mitbekommen haben.

2 von 10 Hutwechsel pro Minute

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