Freitag, 2. September 2011

Christoph Grissemann / Dirk Stermann: Speichelfäden in der Buttermilch - Gesammelte Werke I (Klett-Cotta)

Christoph Grissemann / Dirk Stermann: Speichelfäden in der Buttermilch - Gesammelte Werke I (Klett-Cotta)

Die Herren Grissemann und Stermann mögen dem Freund zünftiger Zoten bereits auf verschiedenen Wegen begegnet sein, so z.B. durch ihre Arbeiten im Radio, ihrer Zusammenarbeit mit Heinz Strunk („Immer nie am Meer“) oder auch der „Deutschen Küche“. Speichelfäden in der Buttermilch ist nun ein Band, in dem allerhand für das Radio verfasste Texte versammelt wurden und dem Leser kredenzt werden. Immerhin: Nur 700 Seiten für € 18,- !
 
Gleich der erste Satz des ersten Kapitels „Erinnerungen – Als wir noch nicht von Funk und Fernsehen kaputtgemacht geworden sind“ schaltete mich für mindestens fünf Minuten aus – es gibt Zeugen. Der ein oder andere mag vieles von Grissemann und Stermann für albern halten. Ich finde es jedoch grandios, wie die beiden sozusagen als „Trademark“ der deutschen Sprache immer wieder ihre Bildhaftigkeit (und die ist öfter vorhanden, als man sich dessen bewusst ist) entziehen und somit zu sehr unterhaltsamen „neuen“ Bedeutungen finden. Sprachlich recht filigran arbeitend, lassen sie es sich allerdings nie nehmen, ganz hart unter die Gürtellinie zu hauen und sich im Unflätigen zu suhlen. Dabei erzeugen sie desöfteren derartige Abstrusitäten, dass man Zuckungen im Gesicht bekommt, da Hirn bzw. Nervensystem unter zu hoher Last stehen. So hielt die gegrillte Garnele mit kreisrundem Haarausfall und gelben Zähnen, die Grissemann und Stermann zu Fotos in obszönen Posen zwang, schon Einzug ins allgemeine Gedankengut der Tofunerdpunks.

Man sollte diese gesammelten Werke eben als solche sehen und sich immer mal wieder kleinere Bröckchen davon genehmigen. Liest man zu oft oder zu viel aus einem Kapitel, so kann das eher ermüdend sein. Vor allem bei den Tagebüchern stört einen sonst schon bald die sich wiederholende Struktur. Nichtsdestotrotz findet man in diesem Band verdammt viel, was einen förmlich zum Lachen zwingt.

Zum Abschluss fünf Dinge, die dieses Buch mir unwiederbringlich versaut hat:

1. Glasdächer
2. auf den Bauch tätowierte Brüste
3. Esel
4. Grissemanns Phallus
5. Kröten

8,4 von 10 fickrige Oktopoden